Test: Acht Enduro-Mountainbikes von 3.499 bis 4.169 Euro

Acht Enduros im MountainBIKE-Test


Zur Fotostrecke (14 Bilder)

Enduro-Test
Foto: Manfred Stromberg

 

Alutech Fanes 3.0 V.2-F X.0
Foto: drakeimages

 

Alutech Fanes 3.0 V.2-F X.0 - Detail
Foto: drakeimages

 

Canyon Torque 9.0 Vertride
Foto: drakeimages

 

Canyon/Wheeler
Foto: drakeimages
Enduro-Mountainbikes bügeln voller Wonne Wurzelfelder platt, um im nächsten Moment ganz gelassen gen Gipfel zu brausen. Wir haben acht Modelle getestet.
Zu den getesteten Produkten

Wie effizient moderne Enduro-MTBs arbeiten, davon überzeugte sich MountainBIKE in einem Test mit acht aktuellen Modellen.

Das Preisfeld bewegt sich zwischen 3499 und 4169 Euro – stolze Preise, aber eine notwendige Investition, um die aufwendigen Rahmen auch mit hochwertiger Ausstattung zu erhalten.

Die preisliche Obergrenze setzte MountainBIKE eigentlich bei 4000 Euro. Rose griff jedoch etwas zu tief in den hauseigenen Baukasten und überschritt das vereinbarte Limit knapp.

Nicht schlimm, denn generell können Hersteller mit Direktvertrieb wie Alutech, Rose oder Canyon Pakete zum entsprechend höheren oder niedrigeren Preis schnüren. Auch Last verlagert sein Vertriebssystem jetzt ins Internet und senkt die Verkaufspreise deutlich.

Enduro-Mountainbikes: Überragend bergab, effizient bergauf

Die Fahrwerke moderner Enduro-MTBs arbeiten mit Federwegen zwischen 160 und 185 Millimeter. Je mehr, umso effizienter schlucken die Bikes Steine und Wurzeln, erhöhen Komfort, Grip sowie die Sicherheit in rauem Terrain. Anders formuliert: Mehr Federweg erlaubt höhere Geschwindigkeiten. Der Trend für anspruchsvolle Enduro-Touren geht deshalb klar Richtung 180 Millimeter, so wie etwa bei Rose und Scott. Last und Commencal begnügen sich noch mit klassischen 160 Millimeter Federweg.

Ein sattes Fahrwerk alleine reicht allerdings nicht aus, um der Kategorie Enduro zu entsprechen, sonst wären auch Freeride- und Downhill-Bikes qualifiziert. Enduristen wollen sowohl Abfahrten als auch Anstiege effizient bewältigen, den Gipfel aus eigener Kraft erklimmen. Ein Gesamtgewicht von 15 Kilo gilt als magische Grenze, bei der sich auch lange Anstiege noch problemlos meistern lassen.

Rose, Canyon und Scott bringen trotz 180-Millimeter-Fahrwerk nur 14 Kilo oder knapp darüber auf die Waage. Last schabt hingegen bereits mit weniger Hub an der Obergrenze. Schneller Vortrieb benötigt auch das Einverständnis des Hinterbaus. Der Tritt in die Pedale darf für das Heck nicht zum Freudentanz ausarten. Heftiges Dämpferpumpen, wie bei Wheeler, kostet unnötig Kraft. Das restliche Testfeld erfüllt diesen Anspruch sehr gut.

Die Sitzposition trägt ebenfalls zur effizienten Fortbewegung bei. In Uphillpassagen sacken die komforta­blen Hinterbauten der Enduros gerne etwas nach hinten weg. Ein steiler Sitzwinkel von 73 Grad oder besser mehr sorgt dafür, dass der Fahrer nicht unergonomisch von hinten tritt. Commencal, Last und Wheeler gehen hier mit gutem Beispiel voran.

Was für den Sitzwinkel gilt, wirkt sich beim Lenkwinkel eher negativ aus. Zu steil, wie etwa beim Wheeler, bringt er Unruhe ins Fahrverhalten. Alutech und Rotwild sorgen hier mit besonders flacher Gabelstellung für deutlich mehr Sicherheit – nicht nur bei hohen Geschwindigkeiten, die Gabel überrollt etwa größere Hindernisse auch im Schritt­tempo deutlich besser.

Parts prägen die Fahreigenschaften der Enduro-MTBs

Für ein ausgewogenes Handling bedarf es neben einer relativ kompakten Geometrie auch eines durchdachten Cockpits: Kurzer Vorbau und breiter Lenker, wie etwa bei Alutech und Rose, bringen zusätzlich Sicherheit und Ruhe in die Steuerung. Für eine Verbesserung der Fahrposition in längeren steilen Anstiegen sorgt eine Gabelabsenkung, da sie den Schwerpunkt nach vorne bringt. Mit Ausnahme von Rotwild, Commencal und Last bieten alle Testbikes diese Funktion.

Breite, pannensichere und gripstarke Reifen zählen bei Enduros zur Grundausstattung. Leichte Touren-Pneus, wie von Last oder Wheeler montiert, beschneiden hingegen die Fahreigenschaften deutlich. Canyon, Last, Rose und Rotwild verbauen als Schutz für den Antrieb Kettenführung und Bashguard – sinnvolle Parts im ruppigen Gelände. Auch lobenswert: Alle Testbikes kommen mit Vario-Stütze, Scott und Commencal allerdings ohne praktischen Remote-Hebel.

Unterm Strich bildet Wheeler mit mangelhaftem Hinterbau klar das Schlusslicht. Die restlichen Enduros agieren auf hohem Niveau. Alutech holt sich mit den besten Allround-Eigenschaften den Testsieg, der Kauftipp geht an das Scott Genius LT.


Die Mountainbikes im Test:

  • 1
  • 2

Inhaltsverzeichnis

10.08.2012
Autor: Rainer Sebal
© MountainBIKE
Ausgabe 08/2012