Test: 17 All-Mountain-MTBs von 2.700 bis 3.000 Euro

17 All-Mountain-Bikes im Test bei MountainBIKE


Zur Fotostrecke (42 Bilder)

All-Mountain-Bikes
Foto: Daniel Geiger
All-Mountain-MTBs gieren nach anspruchsvollen Trails, drängen aber dank effizientem Fahrwerk auch mit Nachdruck gen Gipfel. MountainBIKE hat 17 Bikes der beliebten Unter-3000-Euro-Klasse getestet.
Zu den getesteten Produkten

Die obere Preisgrenze der Test-Mountainbikes liegt bei 3000 Euro, die untere bei 2700 Euro. Für 3000 Euro erhalten Biker in der Regel einen Alu-Rahmen, für Modelle aus Carbon ist meist ein noch tieferer Griff in den Geldbeutel nötig. Doch keine Sorge, auch die Alu-Modelle befinden sich auf dem höchsten Stand der Technik. Durch konifizierte Rohre versuchen die Hersteller, Gewicht und Stabilität zu optimieren.

Das Rahmengewicht inklusive Dämpfer liegt im Schnitt bei 3200 Gramm, etwa 500 Gramm schwerer als die Kohlefaser-Modelle. Norco geht deutlich unter die 3000-Gramm-Grenze, jedoch auf Kosten der Steifigkeit.

Mittlerweile Standard bei modernen MTB-Rahmen: 12-mm-Steckachse und konisches Steuerrohr. Bei Modellen, die diese Features nicht besitzen, wie etwa Scott, liegt das letzte Update meist schon eine Weile zurück. Wirklich ausschlaggebend für die Fahr­eigenschaften sind aber ohnehin Fahrwerk und Geometrie. Zwischen 140 und 155 mm Federweg bietet die aktuelle AM-Flotte, der Trend geht aber klar zu 150 mm. Mit Ausnahme von fünf Modellen federn alle über einen viergelenkigen Hinterbau mit sogenanntem „Horst-Link“.

Der Praxistest machte aber deutlich: Auch die populäre Kinematik-Lösung bietet keine Garantie, dass der Mountainbike-Hinterbau einerseits sensibel und schluckfreudig, andererseits antriebsneutral arbeitet. Beim Superior etwa komprimiert sich das Heck beim Pedalieren sehr stark. Im Gegensatz dazu bietet Scott mit abgestütztem Eingelenker ein sattes und gleichzeitig vortriebseffizientes Fahrwerk. Für eine optimale Federwegnutzung darf die Federkennlinie keine zu hohe Endprogression aufweisen, sondern sollte möglichst linear verlaufen.

Ein optimaler Hinterbau ist nur die halbe Miete, auch die Geometrie muss passen. Nur ein ausreichend flacher Lenkwinkel von maximal 68 Grad bringt die notwendige Laufruhe für den Ritt ins ungemütliche Gelände. BMC treibt‘s auf die Spitze und lässt mit 66 Grad schon fast Downhill-Feeling aufkommen. Der Sitzwinkel sollte für ergonomisches Pedalieren hingegen möglichst steil ausfallen: 73 Grad, besser noch steiler.

Denn anders als beim Hardtail sackt der Hinterbau bei Fullys mit viel Federweg bergauf etwas weg. Der Tritt erfolgt dann oft unergonomisch von hinten. An Rahmen, bei denen das Sitzrohr nicht in einer Linie im Tretlager endet, wie etwa bei Specialized oder Rose, beeinflusst auch die Sattelhöhe den effektiven Sitzwinkel. Wer die Stützte weit rauszieht, sitzt flacher. Rocky Mountain biegt sein Sitzrohr sogar auf gemessene 76 Grad – und die braucht es auch, um den soften Hinterbau zu kompensieren.

Eine Geometrie mit Streckbank-Feeling wie bei vielen Cross-Country-Bikes zerstört das Handling und raubt den AMs den Fahrspaß. Der Fahrer sollte leicht aufrecht im Sattel sitzen. Vorbaulängen von hundert Millimeter und mehr gehören deshalb der Vergangenheit an.

Die Höhe der Front hängt neben der Steuerrohrlänge auch vom „Rise“ des Lenkers, vom Steuersatz und Vorbauwinkel ab. Tiefe Fronten, wie etwa beim GT, verbessern die Klettereigenschaften und erhöhen in Kurven den Druck am Vorderrad. Ein hoher Lenker vermittelt im Gegenzug in steilen Abfahrten deutlich mehr Sicherheit.


Die Mountainbikes im Test:

Autor: Rainer Sebal
© MountainBIKE
Ausgabe 04/2012