MountainBIKE-Test: Sieben All-Mountain-29er von 2.500 bis 3.000 Euro

Steifigkeitswerte in der Kritik

Nicht nur die Gewichte und das trägere Fahrverhalten stoßen den Skeptikern auf, sie kreiden den 29ern zudem schwächere Steifigkeit an.
Zu den getesteten Produkten

Fotostrecke: Sieben All-Mountain-29er im Test

15 Bilder
Cube AMS 29 Race Foto: Benjamin Hahn
Cube AMS 29 Race - Steck­achssys­tem Foto: Benjamin Hahn
GT Sensor 9R Pro Foto: Benjamin Hahn

Auf dem MountainBIKE-Prüfstand zeigte sich jedoch: Die Werte der sieben Kandidaten liegen zwar leicht hinter denen von 26“-All-Mountain-Fullys, müssen sich aber nicht verstecken. Nur das Kona schwächelt etwas – die Tester stuften den Wert von 58 Nm/° am Lenkkopf aber nicht als problematisch ein.

MountainBIKE ließ zudem alle Laufradsätze vermessen. Die Resultate der Steifigkeitsprüfung erreichen bis zu 80 Prozent eines vergleichbaren 26-Zoll-Werts und schneiden damit deutlich besser ab als die 29“-CC-Räder. Grund: Die All-Mounatin-Laufräder sind per se schwerer und stabiler aufgebaut. Lediglich die Bontrager-Laufräder im Trek fallen etwas ab.

Entscheidend für das Fahrverhalten ist die Geometrie. Hier zeigen sich kleine, aber feine Unterschiede. Bei fast allen Bikes sind die Kettenstreben über 450 mm lang (GT sogar 456 mm). Das bringt zwar Laufruhe, kostet aber auch Agilität. Nur Kona schafft es, den Hinterbau auf 440 mm zu drosseln. Die Belohnung folgt auf dem Trail: Wendig schießt der Kanadier um Kehren und lässt sich gutmütig aufs Hinterrad lupfen. Auch beim Lenkwinkel kocht Kona ein eigenes Süppchen: 68° verleihen dem Satori Downhill-Gene. Alle weiteren pendeln sich bei 68,5° bis 69,5° ein.

Etwas spezieller lösen Trek und ­Cube die Geometrie-Frage. Exklusiv stellt Fox für die „Big Player“ eine Gabel mit geringerem Nachlauf her. Diese Idee stammt von Gary Fisher (G2-Geometry) – die kürzere Gabelvorbiegung und somit ein längerer Nachlauf soll die Agilität steigern.

Zum Verständnis: Denken Sie an die Rolle eines Einkaufswagens, diese läuft stets der Lenkachse nach. Den Abstand, den die Rolle zur Lenkachse hat, nennt man Nachlauf. Verkürzt man nun den Abstand, folgt das Rad schneller der Lenkbewegung – es wird somit agiler.

Nie fuhren 120 mm so sicher!

Gleich neben der ruppigen DH-Strecke in Bad Wildbad jagten vier Tester die Bikes über Steilstufen, Singletrails, kernige Anstiege und enge Serpentinen. Neugierig bogen die Test-Piloten zu guter Letzt auf die steile Meisterschaftsstrecke ab und waren verblüfft: Erstaunlich sicher rollten die AM-Riesen über verblocktes Gelände und Steilstücke. Vor allem das wendige Kona und das langhubige Norco überzeugten. Mit 140-mm-Federgabel lassen sich dem Norco sogar Enduro-Eigenschaften zusprechen.

Leider fehlen beiden Kanadiern die Federwegsreserven am Heck, in der All-Mountain-Kategorie dominieren sie dennoch die Abfahrtswertung. Bergauf punkten die frontlastigeren Bikes von GT und Rotwild. Das GT verlangt zwar mit 26er-Kettenblatt starkeBeine – wer die hat, fräst mit dem leichten, spurstabilen Bike jeden Stich hoch. Minimal träger agiert das Rotwild, schuld ist das hohe Gewicht.

Bergab brauchen beide Boliden aber eine erfahrene Hand. Cube, Specialized und Trek meistern den Spagat zwischen Bergauf-Performance und hohem Abfahrtsspaß mit Bravour. Agil und doch laufruhig schießen AMS 120 und Rumblefish gen Tal. Das lange „Stumpi“ liegt noch laufruhiger auf dem Trail, filtert selbst grobe Schläge sauber weg. Im Uphill zieht das leichtere Cube den beiden Amis davon und schnappt sich so den Testsieg.

Speziell diese drei Bikes sind eine mehr als ernstzunehmende Konkurrenz für die bewährten 26“-All-Mountain-Fullys. Dennoch: Wer Wert auf ein verspieltes All-Mountain-Handling sowie ein spritziges Fahrverhalten legt, ist mit einem 26-Zöller und 150 mm Federweg weiter besser beraten.



Die Mountainbikes im Test:

16.04.2012
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2012