Sieben 29er-Hardtails im MountainBIKE-Test

Sind 29er die besseren Bikes?

Mehr Sicherheit und Komfort – diese Vorteile von 29"-MTBs gegenüber 26-Zoll-Bikes sind unumstößlich. Doch reicht das für einen Umsturz? MB hat sieben Hardtails mit 29-Zoll-Rädern getestet.
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Fotostrecke: Sieben 29er-Hardtails im Test

7 Bilder
Axevo 29er X-Team Foto: Benjamin Hahn
Felt Nine Race Foto: Benjamin Hahn
Giant XTC 2 29 Foto: Benjamin Hahn
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Mehr zum Thema 29er: Systemvergleich: 26" vs. 29" - welches sind die besseren Bikes?

29-Zoll-Laufräder? Die haben an einem voll geländefähigen Mountainbike nichts zu suchen. Sagen die Deutschen. Anders die Amis: Vor neun Jahren von ­Bike-Pionier Gary Fisher forciert, sind die Vorteile der Twentyniner-Bikes zumindest in den USA voll anerkannt. Vielen gelten sie sogar als die besseren Hardtails.

In Europa verweigert man sich dem Trend zur Großspurigkeit seit Jahren hingegen standhaft. Weder die erste zarte 29er-Welle vor acht Jahren noch der zweite Anlauf vor drei Jahren hat den europäi­schen Markt wirklich erreicht. Nennenswerte Absatzzahlen? Fehlanzeige. Doch mit dem jüngsten Engagement vor allem von Branchen-Leitfiguren wie Specialized oder Scott gewinnt das Thema nun vielleicht doch noch an Bedeutung.

Das zeigt auch die Entscheidung des Trek-Konzerns, nun wieder 29er in Deutschland anzubieten. Zum ersten Mal, so scheint es, haben die „Big Wheels“ eine echte Chance auf dem alten (Rad-)Kontinent. Auch ein Indiz: Ab der Eurobike werden auch deutsche Marken wie Focus oder ­Rose das Angebot erweitern.

29er-Konzept: Messungen und Tests

Anlass genug für diesen Vergleichstest mit sieben aktuellen 29“-Hardtails. Und für den aufwendigen 2D-Datarecording-Test in Ausgabe 7/2010, der das Für und Wider hinter dem 29er-Konzept wissenschaftlich durchleuchtet hat – unterstützt von den Aussagen der Testfahrer und den Auswertungen des hauseigenen Labors. Das Ergebnis: 29“-Laufräder rollen leichter, sind schneller.

Zudem wurde klar: Das größere Laufrad verschluckt sich nicht so leicht an Hindernissen, sondern rollt flüssiger etwa über eine Wurzel. Mehr Fahrkomfort ist der positive Nebeneffekt. Unangenehmen Stoßspitzen nehmen die großen Laufräder den Schrecken, der Fahrer ermüdet langsamer.

Außerdem sind die Bikes im Grenzbereich leichter kontrollierbar, was auch fürs Kurvenfahren gilt – selbst wenn die Testergebnisse 26 und 29 Zoll bei der Kurventraktion gleichauf sehen. Und beim Klettern? In steilen Uphills ist der 29er traktionsstärker und treibt den Fahrer sicher voran.

Contra-Punkte: Gewicht, Steifigkeit

Die 29er-Schattenseiten zeigen sich – so die exakten MB-Messungen – in Form des höheren Trägheitsmoments der großen 29“-Laufräder, welches wiederum auch auf das deutlich höhere Laufradgewicht zurückzuführen ist. Dazu kommt das etwas schwerere Rahmen-Gabel-Chassis.

Weiteres Minus: Die Tretlagersteifigkeit und die Seitensteifigkeit der Laufräder sind geringer. Fazit der MB-Untersuchung: 29er verdrängen das etablierte 26“-Konzept nicht, sind aber für viele Fahrer die besseren, weil unkomplizierteren Bikes. Sprich: eine echte Alternative!



Die 29er-Hardtail-Bikes im Test:

14.09.2010
Autor: Florian Storch
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 09/2010