Welches Bike liegt im Gewichts-Ranking ganz vorne, welches bei den Testnoten? Jetzt mit neuen 2012er-Modellen. mehr ...
Neun Touren-Fullys im Test
Sportkameraden
Hochsportlich und dennoch komfortabel – bei diesen neuen Fullys zu Preisen zwischen 2700 und 3400 Euro läuft Tourenfahrern das Wasser im Mund zusammen. Zu den getesteten Produkten
Welcher Biker träumt nicht davon, aus eigener Kraft Schwindel erregende Pässe, atemberaubende Panoramen und zackige Downhills zu erobern? Was gibt es Erfrischenderes als die flotte Feierabendrunde durch die heimischen Wälder? Was macht mehr Spaß als die Wochenendausfahrt mit den Bike-Kumpels? Kurzum: Was spendet mehr Freude als die "Tour" auf einem Mountainbike?
Egal ob rassige Race-Action oder wilde Enduro-Ritte, die vermeintlich simple Biketour ist und bleibt Kern des „Bergradfahrens“! Kein Wunder, dass Tourer in den vergangenen Jahren die mit Abstand beliebteste Kategorie der MB-Leser bilden. Und nur logisch, dass die MountainBIKE-Redaktion auch in diesem Jahr mit großer Freude die spannendsten Tourenfullys für Sie ausgiebig getestet hat.
Ziel des einwöchigen (Test-)Trips war die italienische Küstenstadt Finale Ligure: einer der fantastischen Bikespots Europas, Tummelplatz für Freerider und Traumgebiet für Tourer. Und mit seinen flowigen Trails wie geschaffen für neun ausgewiesene Langstrecken-Künstler um 120 mm Federweg: hoch dekorierte und beliebte Klassiker wie Ghost AMR, Giant Trance X, Scott Spark, Specialized Stumpjumper und Trek Fuel EX, flankiert von reizvollen Newcomern wie Gary Fisher HiFi, Kona One20, KTM Lycan und Rotwild R.C1.
Neun Bikes, die – so viel vorweg – mit bemerkenswerter Sportlichkeit, aber auch mit Breitbandigkeit bestechen und somit vom ambitionierten Marathon über den Alpencross bis hin zu All-Mountain-Einsätzen einen enormen Einsatzbereich abdecken. Eben perfekte Allrounder, für jeden Tag, für jeden Biker.
Rund 3000 Euro werden für diese modernen Boliden fällig. Zugegeben, das ist viel Geld für ein Fahrrad – aber gut angelegtes, denn alle neun Bikes stehen jahrelang für sorgenfreien Tourengenuss. Was zeichnet die aktuelle Tourer-Generation respektive das optimale Tourenbike aus? Bereits im vergangenen Jahr sah MB in den da brandneuen 120-mm-Gabeln die Zukunft in diesem Segment. Ohne ausufernde Ein- und Verstellorgien bieten sie exakt das, was Touren- und Marathonfans erwarten: geringes Gewicht, einfache Bedienbarkeit und eine zwischen Renneignung und Komfort angesiedelte Kennlinie.
Tatsächlich übertragen gleich sieben Hersteller der Fox F120 die Führungsarbeit, Scott setzt auf die Rock Shox Reba mit ebenfalls 120 mm, lediglich Trek verbaut exklusiv eine 130er-Fox.
Auch abseits der Gabelfront werden die Anforderungen an die Designer und Ingenieure bei der ersten Pedalumdrehung deutlich: antriebsneutrale 120-mm-Hinterbauten, die dabei fein ansprechen und ausreichend Reserven für grobes Terrain besitzen, fein ausbalanciertes und Fehler verzeihendes Handling sowie ein geringes Gesamtgewicht.
Beachtlich, wie alle Bikes diese Grundvoraussetzungen erfüllen, wie ausdauernd sie dank ausgefeilter Kinematik und Uphill-freudigen Gewichten um 12 Kilo stundenlange Kraxeleien bewältigen, wie galant sie über den Trail schweben, wie laufruhig sie auch ruppigen Pisten trotzen.
Dennoch kristallisierten sich auf den ligurischen Pfaden zwei grundsätzliche Richtungen heraus: Auf der einen Seite die hochsportlich veranlagten Vortriebskünstler wie Ghost und Scott – beide mit gertenschlanken 11,9 Kilo Gesamtgewicht und Carbonrahmen –, auf der anderen Seite die lustvoll verspielten Trail-Akrobaten wie Giant oder Trek. Analysieren Sie also am besten anhand der Bike-Beschreibungen, welches Fully zu Ihrem Fahrstil passt!
Abgestützter Eingelenker, Viergelenker, VPP – einmal mehr zeigt sich im Test kinematische Vielfalt. Klasse: Wer bis dato aus Angst vor heillos vor sich hin wippenden Schaukelstühlen den Umstieg auf ein vollgefedertes Bike scheute, kann diese Sorgen getrost in die Fully-Mottenkiste legen.
Zwar unterscheidet sich die Performance der Hinterbauten durchaus, und einige Fullys zeigen ein leicht nervöses Grundwippen oder beantworten rabiate Wiegetrittattacken mit Pumpen. Unter starkem Kettenzug, etwa an hochprozentigen Anstiegen, zog sich aber kein Hinterbau zusammen oder sackte weg. Auch das noch 2008 öfter beobachtete Anfahrtsnicken und störenden Pedalrückschlag haben die Ingenieure eliminiert – der Griff zur optional in den Dämpfern verbauten Plattform wird immer unnötiger!
Apropos Dämpfer: In sieben Bikes werkelt der RP23 von Fox – bei Gary Fisher und Trek mit großer Luftkammer –, Scott und Specialized schwören auf Eigenkonstruktionen mit via Daumenschalter verstellbarem Federbein (Scott Traction Control) oder mittels Trägheitsventil gesteuertem Losbrechmoment (Specialized Brain). Beides funktioniert in der Praxis sehr gut, bleibt aber letztlich auch Geschmackssache.
Voll auf den Geschmack kamen die Tester auf jeden Fall beim Aufsatteln: Mit kurzen Vorbauten und ergonomischen, breiten Lowriser-Lenkern setzt sich am Cockpit der erfreuliche Trend zu mehr Komfort und Kontrolle durch.
Gut so, denn das kostet bergauf nur wenige Sekunden, liefert auf dem Trail aber ein deutliches Plus an Sicherheit und Fahrspaß – und das auch für weniger versierte Biker! Speziell die Kombination aus 90-mm-Vorbau und 660-mm-Lenker wie etwa am Giant traf den Nerv der Tester, beim Kona dagegen monierten sie den recht langen Vorbau.
Auch bei der Bremsanlage fallen die Kanadier durchs Raster: Eine 160er-Scheibe an der Front, zumal bei der nicht übermäßig kräftigen Shimano SLX, reicht für Renneinsätze, ist für alpine Abfahrten aber zu wenig. Der Rest verbaut vorne 180er-Scheiben, vor allem die Avid Elixir CR im Giant und die Oro K24 im Rotwild glänzten mit akkurater Modulierbarkeit.
Während 160er- Discs im Heck in dieser Klasse per se in Ordnung sind, sollten schwere Piloten und Alpen-Vielfahrer auf große Scheiben achten – wie bei Gary Fisher, Ghost, KTM und Trek. Nachahmenswert: Da große Biker meist auch mehr auf die Waage bringen, "wächst" beim Specialized Stumpjumper die Disc- mit der Rahmengröße mit.
Durchaus unterschiedlich interpretieren die Hersteller auch die Laufradfrage. Gary Fisher und Trek setzen auf überraschend breite Felgen und schaffen damit massig Platz für griffige 2,4“-Reifen. Ansonsten dominieren schlanke Allrounder, speziell die DT-Swiss-Laufräder von KTM und Rotwild lassen sich in rasanter Marathon-Manier antreiben.
Schade jedoch, dass bei der Spezifikation der Reifen das Gesamtgewicht zu sehr Inspirationsquelle der Hersteller ist. So brilliert Schwalbes oft verbaute neue Rennpelle Rocket Ron mit minimalem Gewicht und gutem Grip, hauchte aber selbst im nur leicht ruppigen Geläuf reihenweise ihr Lüftchen aus.
Auch Bontrager Jones XR (Gary Fisher und Trek), Maxxis Crossmark (Kona) und Conti Mountain King Supersonic (Rotwild) erschlafften gerne im Kampf gegen Fahrfehler und Dornen. Wer eine Alpenüberquerung plant oder oft in steinigen Gebieten radelt, sollte auf pannensicherere Pneus wie etwa Schwalbes Nobby Nic oder gleich auf ein Tubeless-System umrüsten.
Freunde der gepflegten Marathon-Einheit werden indes nicht nur die Leichtlaufreifen und die antriebsneutralen Hinterbauten, sondern auch das Leichtbau-Potenzial der 120-mm-Boliden schätzen. Außer bei Rotwild und KTM belasten die Rahmengewichte die Waage nur mit rund 2500 Gramm, Scotts Rennfeile Spark wiegt gar unter zwei Kilo – inklusive Dämpfer. Eine starke Basis auch für einen 11-Kilo-Flitzer!
Stichwort Ausstattung: Die meisten Hersteller verbauen entweder eine komplette XT-Gruppe oder einen Komponentenmix auf vergleichbarem Niveau. Nicht ganz so edel wie XTR & Co., aber technisch über jeden Zweifel erhaben und für diese Kategorie und Preisklasse eine sehr gute Wahl. Auch Shimano-SLX-Parts sind auf einigen Bikes zu finden. Funktional kaum schlechter als die "große" XT, für diese Preisklasse aber nicht mehr ganz standesgemäß.
Fazit:
Effizienz eines Marathonfullys oder die Attitüde eines All-Mountains? Tourenbiker haben die Qual der Wahl. Während im Uphill Scott kaum zu schlagen ist, begeistern Giant und Trek vor allem Trail-Junkies. Trotz ihres minimalen Übergewichts gelingt Rotwild und Specialized die beste Mischung aus Vortrieb und Agilität – mit knappem Vorsprung für das Stumpi.
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Gary Fisher
Gary Fisher HiFi Pro
Giant
Giant Trance X 1
Rotwild
Rotwild R.C1 FS Comp
Scott
Scott Spark 30
Specialized
Specialized Stumpjumper Expert
Trek
Trek Fuel EX 9



