MTB-Test: Elf schnelle 29er-Hardtails aus Carbon

Elf 29er-Hardtails im MountainBIKE-Test


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Test: 29er-Hardtails
Foto: Daniel Geiger
Der 29er-Jahrgang 2012 strotzt vor lauter Selbst­bewusstsein. Mit Recht? MountainBIKE hat elf bezahlbare Carbon-MTBs auf Charakter und Fähigkeiten getestet.
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MountainBIKE hat sich in der boomenden Carbon-Hardtail-Kategorie umgesehen und elf 29er-MTBs zwischen 3.000 und 3.900 Euro ausgewählt. Das Testfeld ist international besetzt.

So schnürt etwa Scott (Schweiz) mit dem ­Scale 29 Pro für 3.000 Euro ein preis­attraktives Paket. Andere Bikes, wie etwa das Cannondale Flash 29 (3.700 Euro) aus den USA, locken mit Highend-Rahmen und stoßabsorbierender Carbon-Sattelstütze.

Auch Kohlefaser-Altmeister Storck (Deutschland) setzt jetzt auf 29er und stellt das Rebel Nine für rund 3.800 Euro an den Start. Ebenfalls neu: das Razorblade 29 von Simplon aus Öster­reich und das Vertex von Rocky Mountain (Kanada). Teuerstes Bike im Test ist das Niner Air 9 für stolze 3.900 Euro (USA).

29er mit hohem Tuning-Potenzial

Mit hochwertigem ­Race-Chassis und funktionaler Ausstattung trägt das Testfeld jene Renngene in sich, die sich bei Bedarf mit einer Finanzspritze hochzüchten lassen. MountainBIKE legte dabei vor allem Wert auf einen ausgereiften Carbon-Rahmen und ausgezeichnete Gabel-Performance, wie sie die Fox Float, die Rock Shox SID oder die einzigartige Lefty-Gabel von Cannondale erwarten lassen.

Shimanos neue XT-Gruppe oder Sram X0 und X9 runden das Paket ab. Klasse: Mit 9,6 Kilo (Felt, Simplon) bis 10,7 Kilo (Merida) Gesamtgewicht sind die kleinen Brüder der sündhaft teuren Race-Waffen keineswegs übergewichtig.

Der Grund: Fast alle Hersteller verwenden den Highend-Carbon-­Frame ihres Top-Modells auch in dieser darunter angesiedelten Preisklasse. Einzig Scott verzichtet auf den exklusiven Rahmen des Scale RC und verbaut einen rund 170-Gramm schwereren Carbon-Frame – dennoch liegt das Scale nach dem nur 1.019 Gramm leichten Bergamont-Rahmen auf Rang zwei der Rahmengewichts-Tabelle.

Im Durchschnitt wiegen die Rahmen 1.230-Gramm, das sind gerade mal 150-Gramm mehr als der Durchschnittswert im letzten 26“-Carbon-Hardtail-Test.

Steif genug? 29er auf dem Prüfstand

Bereits im letzten 29er-Carbon-Hardtail-Test zeigten die Steifigkeitswerte der Rahmen fast 26-Zoll-Niveau. So auch diesmal: Storck führt die Rangliste mit exzellenten Werten an, gefolgt von Niner, Rocky und Cannondale.

Einziges Sorgenkind im Labor war das Lapierre, das speziell durch seine geringe Lenkkopfsteifigkeit auffiel. In der Praxis war das spürbar, wurde aber von den Tes­tern nicht als besonders negativ eingestuft. Auch in Sachen Komfort trumpfen die aktuellen 29er-Carbonis dank ausgeklügelter, vielfach von den 26“-Hardtails übernommener Technologien auf: Vor allem Cannondale, Merida und Simplon federn mit flexiblen Sitzstreben und komfortablen Sattelstützen Unebenheiten so fein weg, dass Fully-Gefühle aufkommen.

In Sachen Geometrie nähern sich die Philosophien der Hersteller an, so pendelt sich etwa der Lenkwinkel bei ausgewogenen 70°–70,5° ein. Dennoch gibt es weiterhin starke Ausschläge: So weisen Niner und Lapierre deutlich steilere Lenkwinkel für mehr Agilität auf, Scott vertraut Laufruhe versprechenden, flachen 69,5°.

Einen Sonderweg bestreitet Trek und kombiniert eine spezielle Fox-Federgabel mit weniger Nachlauf (höhere Agilität) mit einem flachen 69,5°-Winkel.

Bis dato waren die Laufräder die Schwachstelle der Twentyniner, gegen­über 26“-Rädern mangelte es ihnen an Verwindungssteifigkeit. Grund genug, alle Laufräder der Testbikes auf die Prüfstände von MountainBIKE-Laborleiter Haider Knall zu schicken. Aus über 60 Messungen gingen die DT-Laufräder am Simplon als Sieger hervor: Das drittleichteste Laufrad war gleichzeitig das steifste.

Enttäuschend hingegen die Storck-Laufräder: Die schicken Crankbrothers-Rundlinge liegen zwar im Gewichts-Ranking knapp über dem Durchschnitt, enttäuschen aber in Sachen Steifigkeit. Vergleicht man den Wert mit einem herkömmlichen 26“-Laufradsatz (DT Swiss, 1.600-Gramm), erreichen die Crankbrothers nur 42 Prozent der 26“-Referenz-Steifigkeit.

Und sogar die steiferen Simplon-Laufräder kommen lediglich auf 70 Prozent des 26er-Messwerts. Hier verpufft eine Menge Energie, und auch in Sachen Lenkpräzision – zumal im Zusammenspiel mit den länger bauenden Gabeln – gibt es noch viel Luft nach oben. Hier sind die Laufradhersteller gefragt – etwa mit völlig neuen Konstruktionen.

Allen Laufraddefiziten zum Trotz, strotzen die 29er in der Praxis vor Fahrspaß und Breitbandigkeit. Jedes Rad wurde von vier erfahrenen Testern über die Teststrecke gejagt – mit dabei: CC- und Marathon-Profi Thorsten Marx.

Gespickt mit steilen Rampen, Stufen, kurvigen Trails und ruppigen Abfahrten, forderte der etwa neun Kilometer lange Kurs im Stil einer modernen, anspruchsvollen Cross-Country-Strecke Tester und Bikes.


Die Mountainbikes im Test

Autor: Chris Pauls
© MountainBIKE
Ausgabe 01/2012