MTB-Test: 8 Touren-/All-Mountain-Fullys ab 2.600 Euro (Modelljahr 2016)

Test: 8 Allround-Fullys


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Test Tourenfullys
Foto: Dennis Stratmann

 

MountainBIKE Bergamont Contrail 8.0
Foto: Drake Images

 

MountainBIKE Centurion Numinis 2000.29
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MountainBIKE Cube Stereo 120 HPC Race
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MountainBIKE Drössiger XMA29 1
Foto: Drake Images
Wir haben 8 Bikes für den Touren- und All-Mountain-Einsatz getestet. Alle getesteten Mountainbikes kommen mit Laufrädern in 29 Zoll, die Preise liegen zwischen 2.600 und etwas über 3.000 Euro.
Zu den getesteten Produkten

Das Beste gleich vorweg: Wer sich für eines der acht 29er-Fullys aus diesem Test entscheidet, wird den Kauf nicht bereuen! Es ist höchst selten, dass wir ein derart homogenes, stimmiges Testfeld unter den Stollen hatten: Kein Bike ragt heraus, keines fällt ab, alle überzeugen voll. Acht Mal ein sattes „sehr gut“ – das spricht Bände.

Lohnt sich da das Weiterlesen? Absolut, denn zum einen sind die acht Twentyniner in ihren Wesenszügen doch durchaus unterschiedlich, zum anderen wandelt sich die Kategorie der 120/130-mm-Fullys und stellt den Käufer damit vor neue Fragen.

Denn eingeladen hatten wir dezidiert für die riesige Zielgruppe der MTB-Tourenfahrer, die maximal um 3000 Euro ausgeben wollen. Die zwar gerne und lang und steil hochfahren, die runter aber zumeist mäßig schweres Gelände in Angriff nehmen – und sich in gehypten Kategorien à la Enduro oder Trailbike nicht so recht wiederfinden.

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Überraschung im Testfeld

Erwartet haben wir leichtfüßige, recht austrainierte Mountainbikes mit Marathon-Genen – und waren dann überrascht, wie brutal gut diese Bikes abfahren, aber auch wie vielseitig die neuen „All-Mountain-Tourer“ sind.

Der Federweg alleine verrät es noch nicht. 120 mm bis 130 mm an Front und Heck sind seit Jahren Standard in diesem Segment, das Votec VX Pro ist mit seinen 140/135 mm ein Ausreißer.

Und 120 mm Hub erscheinen vielen Mountainbikern nach wie vor „gerade richtig“. Bergauf versprechen die 120er mehr Antriebsneutralität als langhubige MTB-Modelle mit über 140 mm Federweg, gleichzeitig mehr Traktion und Sitzkomfort als 100-mm-Racefullys.

Ein Versprechen, das die Testbikes einlösen: Beim Pedalieren im Sitzen bestechen fast alle mit Effizienz – auch ohne zugeschaltete Wippunterdrückung („Plattform“). Nur das Heck des Stevens Jura ES zeigt etwas Bewegung, ist dafür aber im Wiegetritt das straffste. Hier pumpt der Rest mehr. Aber wer sprintet mit so einem Rad schon um Gold?

Talwärts wiederum sollen die Fahrwerke Garant sein, dass man nicht auf dem ersten anspruchsvollen Trail buchstäblich vom Rad abgeworfen wird. Auch hier glänzt der 2016er Jahrgang. Fast alle Hinterbauten sprechen soft an, stehen dann stabil im Federweg, bei gutem Durchschlagschutz und dennoch voller Federwegsnutzung – klasse!

Vor allem die Parts machen die Bikes so stark

Doch was macht die Bikes nun so abfahrtsstark? Das sind zum einen die modernen Geometrien, die stark durch den Enduro-Trend beeinflusst sind. Flachere Lenkwinkel und längerer Reach sorgen für ein Höchstmaß an Spurtreue, eher kürzere Kettenstreben schenken dennoch Wendigkeit. Wer es noch agiler liebt, sollte dennoch zu einem 27,5"-Fully greifen. Fast alle Hersteller bieten übrigens ein 27,5er-Pendant zu den Testbikes, oft mit gleichem Namen.

Der größte Unterschied zu früher ist bei den Parts zu finden. Weniger beim Antrieb – da hat Shimanos neue, fantastische XT-Gruppe fast ein Monopol. Doch stellvertretend sei die Pike, die fabulöse Federgabel von Rock Shox (die Rock Shox Pike RCT 3 im Test), genannt.

Die debütierte vor drei Jahren im Enduro-Bereich, wird nun „nach unten durchgereicht“, was die Tourenfullys bergab auf ein ganz anderes Niveau hievt. Nachteile? Ein bisschen mehr Gewicht, 100 Gramm sind’s im Vergleich zur Revelation von Rock Shox.

Auch Schwalbes Reifenklassiker Nobby Nic ist in der aktuellen Auflage bissiger, besser denn je. Vor allem wenn er in 2,35"-Breite (Drössiger XMA29 1, Rose Root Miller 2 29, Stevens Jura ES, Votec VX Pro) und vorne mit weichem Trailstar-Gummi spezifiziert wird. Sitzt er dann noch auf einer extrabreiten Felge wie am Votec VX Pro, gibt es Traktion fast im Überfluss.

Schön, dass die Hersteller auch unserer Forderung nach breiteren Lenkern und kürzeren Vorbauten unisono nachkommen: Kein „Steuerknüppel“ ist schmaler als 730 mm, kein Vorbau länger als 80 mm. Und ein Freudenspender namens Vario-Sattelstütze steckt auch in immerhin der Hälfte der Bikes. Schöne neue Tourenfully-Welt!

Fazit: Ein Plus an Vielseitigkeit

Wobei: Sind das nun noch Tourer oder eher All-Mountains? Antwort: beides. Durch die neue Downhill-Stärke haben die 29er extrem an Vielseitigkeit gewonnen – denn sie fahren sich immer noch flott in der Ebene und geschickt im steilen Uphill.

Lediglich das übergewichtige Drössiger XMA29 1 und das extravagante Votec VX Pro dürften mit ihrem Fokus aufs Bergabfahren einige reine Tourenfans abschrecken. Das Rose Root Miller 2 29 als auch das Stevens Jura ES sind runterzu kaum schwächer, aber vielseitiger.

Wer hingegen ein Maximum an Leichtigkeit und Vortriebswillen sucht, findet im rassigen Cube Stereo 120 HPC Race seinen Lebensabschnittspartner. Oder im fast ebenso leichtfüßigen Centurion Numinis 2000.29. Das Bergamont Contrail 8.0 sowie das Merida One-Twenty 900 erfreuen als verspielte Trail-Irrwische.



19.04.2016
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 04/2016