Mountainbikes im Test: Zwölf Touren-Fullys um 2.000 Euro

Zwölf Touren-Fullys um 2.000 Euro im Test


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Tourenfullys im Test
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MountainBIKE Bergamont Contrail 8.3
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MountainBIKE BMC Speedfox SF01 SLX-XT
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MountainBIKE Cannondale RZ 120 XLR 3
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MountainBIKE Cannondale RZ 120 XLR 3
Foto: Benjamin Hahn
Egal ob 26" oder 29" – Tourenfullys sollen mit rund 120 mm Federweg viel Komfort für lange Ausritte bieten und leichtfüßig die Berge erobern. MountainBIKE hat je sechs bezahlbare "Volks"-Tourer um 2.000 Euro getestet.
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Die Vorteile der "klassischen" Touren-Fullys in 26" kennen die meisten Biker aus eigener Erfahrung: agiles Handling, geringes Gewicht und hohe Beschleunigungswerte sowie eine zuverlässige Ersatzteilversorgung, selbst in abgelegenen Landstrichen.

Bedeutendster Vorteil der 29er-Mountainbikes: Das hohe Drehmoment der großen Laufräder stabilisiert das Bike in der Abfahrt, das bringt Fahrkomfort und Sicherheit. Zudem liefern diese Bikes hervorragende Traktion. Weitere Vorteile beziehungsweise eine Gegenüberstellung mit 26 Zoll finden Sie im Kasten unten.

MountainBIKE wählte sechs 26-Zoll-Tourenfullys und sechs 29er-Fullys in der Preisklasse von 1900 bis 2300 Euro für den Test aus. Und weil die Frage, ob 29er oder 26 Zoll, eine sehr persönliche ist, testet und bewertet MountainBIKE die beiden Gruppen getrennt voneinander.

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Um 2000 Euro gibt es viel Mountainbike fürs Geld

Wie nicht anders zu erwarten punkten die Direktvertriebsmarken in Sachen Ausstattung. Der Grund: Mountainbike-Hersteller wie Canyon, Radon und Co. sparen sich die Händlermarge und stecken das Geld zumindest zum Teil in höherwertige Parts, etwa in Schaltkomponenten auf Shimano-XT/SLX-Niveau oder Sram X9 (Canyon).

Lediglich die Traditionsmarke Centurion kann mit einem kompletten XT-Antrieb Paroli bieten. An Giant und Ghost finden sich hingegen Kurbeln der Shimano-Deore- oder Sram-X5-Gruppe, die durch ihr hohes Gewicht negativ auffallen.

Besonders wichtig an einem Kaufklasse-Fully sind hochwertige Federungskomponenten. Denn ein späterer Austausch minderwertiger Parts ist sehr kostspielig – oder gar nicht durchführbar. Viele Bikes kommen mit bewährten Federelementen von Fox, die ähnlich wie Schaltgruppen in unterschiedlichen Preisklassen verbaut sind.

Die günstige Evolution-Serie ist an sieben der zwölf Bikes zu finden. Bergamont, Radon, Votec, Canyon und Giant setzen die Mittelklasse-Produkte der Performance-Serie ein. Einzig Radon und Rose kommen mit der teuren Factory-Serie von Fox, die mit goldener Kashima-Beschichtung mehr Sensibilität bieten soll.

Die Praxis zeigt jedoch, dass die günstigen Evolution-Modelle mit den teuren Federelementen beim Ansprechverhalten Schritt halten. Bulls und Ghost verbauen sehr gut funktionierende Gabeln von Rock Shox. Die teure Lefty am Cannondale sticht nicht nur optisch hervor, sondern punktet auch durch geringes Gewicht und hohe Steifigkeit.

Während die 26-Zoll-Fullys fast durchweg 120 mm Hub an Front und Heck bieten, kommen die Twentyniner mit unterschiedlichen Konzepten. Ghost spendiert dem AMR lediglich 100 mm am Heck, Canyon schwört auf 110 mm Federweg, Giant klassisch auf 120 mm an Front und Heck.

160-mm-Bremsscheiben am Heck, wie Cannondale und Votec sie verbauen, reichen für Mittelgebirgstouren oder leichte Fahrer meist aus. Besser für lange Abfahrten oder schwere Fahrer (mit Rucksack!) sind 180-mm-Scheiben an Front und Heck – wie vom Gros der Hersteller verbaut.

Die Laufrad-Reifen-Kombis entscheiden, gerade bei den 29ern, über Lust und Frust im Anstieg. Sechs Hersteller rüsten ihre Tourer mit leichten Race-Reifen wie dem Schwalbe Rocket Ron aus, die zwar für gute Beschleunigung sorgen, aber nur wenig Pannenschutz und Grip bieten. Super Toureneigenschaften besitzt der Klassiker Nobby Nic von Schwalbe: Er rollt prima, ist sehr griffig und zudem robust.

Vorbildlich: Votec verwendet den „Nobby“ mit pannensicherer Snake-Skin-Karkasse. Die günstigen Performance-Reifen von Schwalbe an BMC, Centurion und Giant bieten im Vergleich zur hochwertigen Evo-Version etwas weniger Grip.

Wichtig für guten Vortrieb: Leichte MTB-Laufräder

Mitentscheidend für guten Vortrieb sind leichte Laufräder. Radon (26er) und Canyon (29er) verbauen Mavic-Wheels und setzen die Benchmark in der Laufrad-Reifen-Gewichtswertung. Auch Votec montiert drehfreudige Laufräder von Sun Ringlé. Schwer fällt indes die „dicke“ Pneu-Laufrad-Kombination von Bulls aus.

Bei Tourenfullys dieser Preisklasse bestehen die Rahmen durchweg aus Aluminium, weisen aber dennoch große Unterschiede bei den Gewichten auf. Das 26er-Chassis von Votec ist mit 3580 g sehr schwer. Bei den 29ern liegen Rose und Bulls mit weit über drei Kilo im Gewichtsranking hinten. Leicht hingegen: Das neue Giant Trance X 29er unterbietet als einziges Rad in seiner Testgruppe mit 2850 g die Drei-Kilo-Marke.

Centurion, Cannondale und BMC führen die 26-Zoll-Gruppe an. Im Steifigkeitsvergleich fallen die Leichtgewichte von Cannondale und Giant etwas ab. Und auch das schwere Bulls erreicht hier nur knapp ein ausreichendes Ergebnis. Top: die Werte von Cube, Ghost und Votec.

Die Gesamtgewichte der 26er liegen zwischen leichten 11,9 Kilo (Cannondale und Radon) und 12,9 Kilo am Votec. Schwer geht es bei den 29ern zu. Die meisten Bikes liegen oberhalb der 13-Kilo-Marke, das Bulls wiegt sogar satte 13,8 Kilo. Leicht hingegen: das Canyon mit 12,7 Kilo.

Riesige Unterschiede zwischen 29" und 26"

Vergleichbar sind die beiden Testfelder in der Praxis kaum. Alle 29er übertreffen bergab mit hoher Sicherheit die Fahreigenschaften der 26-Zoll-Brüder und bieten teils sogar All-Mountain-Performance. So sind die Bikes von Ghost und Giant zwar keine Leichtgewichte, liefern bergab aber dank moderner, agiler Geometrien Fahrspaß pur.

Zudem sorgen die Fahrwerke an Canyon, Cube, Giant und Ghost, wenn auch teils mit etwas weniger Hub, für satten Komfort. Aber auch in der Auffahrt zeigen die mit langen Kettenstreben versehenen 29er-Fullys Stärken, wie das leichte Canyon Nerve AL 29 mit ordentlicher Traktion und geringem Gewicht beweist. Mit seinen schweren Laufrädern ist das 29er-Bulls jedoch bergan spürbar zu träge.

Ein leichter 26-Zoll-Tourer kann hingegen sogar bei Marathon-Rennen an den Start gehen. Vor allem die Flitzer von Cannondale und Radon untermauern diese Ambitionen. Ein weiterer Vorteil der 26er: Wieselflink rocken diese Bikes dank kurzer Radstände den Trail, vor allem das Cannondale tut sich in dieser Disziplin eindrucksvoll hervor. Stark in der Abfahrt ist das Bergamont mit seiner hohen Front, dennoch bieten die Twentyniner mehr Sicherheit als 26“-Tourenfullys.

Den Testsieg bei den 26-Zoll-Fullys schnappt sich das leichte, rennorientierte Radon Skeen. Canyon holt mit dem Nerve AL 29 den 29er-Sieg.


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Die Mountainbikes im Test:

21.08.2013
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 08/2013