Mountainbikes im Test: Neun All-Mountains um 2.000 Euro

Neun All-Mountain-Bikes um 2.000 Euro im Test


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Test All-Mountain-Bikes
Foto: Dennis Stratmann

 

MountainBIKE Bergamont Threesome 6.3
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Bergamont Threesome 6.3
Foto: Manfred Stromberg

 

MountainBIKE Canyon Nerve AL+ 7.0
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Canyon Nerve AL+ 7.0
Foto: Manfred Stromberg
All-Mountain-MTBs erklimmen jeden Gipfel wie Tourenfullys und rocken selbst anspruchsvollste Trails in Enduro-Manier. MountainBIKE hat neun Modelle um 2000 Euro getestet.
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Für All-Mountain-Biker ist die Frage wo fährst du am liebsten?“ ohne Bedenkpause beantwortet: „Überall!“ Bergauf kletterstark und effizient, bestreiten All-Mountain-Bikes Alpenüberquerungen, Marathons und ausgedehnte Genusstouren gleichermaßen. Bergab fahrsicher und komfortabel, lässt es diese Mountainbike-Kategorie auf ruppigen Downhill-Pisten mit hohem Fahrspaß gehörig krachen.

Möglich wird diese Verschmelzung von Uphill- und Downhill-Eigenschaften durch schluckfreudige MTB-Fahrwerke mit 140 bis 150 mm Federweg, die antriebsneutral agieren, oft mals per Gabel-Absenkung oder Plattform an die Fahrsituation angepasst werden können. Ausgewogene Geometrien sorgen zudem für eine tritteffiziente, zentrale Sitzposition und sicheres Handling bergab.

Nicht zuletzt prägen Ausstattung und Gewicht die Allroundqualitäten eines All-Mountain-Fullys maßgeblich, denn nur tadellos funktionierende MTB-Komponenten und uphilltaugliche Gewichte um 13 Kilo sorgen für ungetrübten Bike-Spaß. All-Mountains versammeln somit jede Menge Hightech in und an ihren Mountainbike-Rahmen, bleibt die Frage: Gibt es das auch in „günstig“?

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis liegt bei All-Mountains derzeit um etwa 3000 Euro, die hier getestete 2000-Euro-Liga wendet sich somit vorwiegend an den All-Mountain-Einsteiger. Dennoch finden sich in dieser Preisklasse bereits Top-Features wie Vario-Stützen, hochwertige Laufräder und bissige Bremsen an attraktiven Alu-Rahmen. Grund genug, die Mountainbikes in Labor und Praxis ganz genau unter die Lupe zu nehmen.

Neun Anbieter stellen sich dem MountainBIKE-Test, knapp die Hälfte rekrutiert sich aus dem Lager der Direktvertriebe via Internet. Das Lapierre setzt mit 2300 Euro die Obergrenze, Merida rundet das Testfeld mit dem günstigsten Angebot (1950 Euro) nach unten ab.

Wie hart in dieser MTB-Preisklasse kalkuliert werden muss, zeigt die Tatsache, dass beliebte Marken wie Specialized, Cube, Trek oder Ghost kein Bike in diesem Bereich anbieten – oder sich keinem MountainBIKE-Test stellen wollten.

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Ausgereifte MTB-Rahmen sind der Standard

Alle der hier getesteten 2000-Euro-Mountainbikes besitzen einen Aluminium-Rahmen. Die Gewichtsunterschiede innerhalb des Testfelds sind immens. Satte 820 Gramm liegen zwischen dem 2800 Gramm leichten Rahmen des Giant Reign und dem mit 3620 Gramm zu schwer geratenen Drössiger-Chassis.

Prima: Durch den Einsatz konifizierter Rohre optimieren die meisten MTB-Hersteller Gewicht und Steifigkeit der Rahmen, diese bilden oft mals auch die Basis der Bikes höherer Preisklassen. Die Einsteiger-Preisklasse muss sich mit einem durchschnittlichen Gewicht von recht leichten 3240 Gramm folglich nicht vor der teureren Konkurrenz verstecken.

Drössiger, Lapierre und Merida besitzen 140 mm Federweg am Heck, die übrigen Hersteller bieten 150 mm, das Bergamont bringt es gar auf satte 155 mm Hub. Doch mehr ist nicht automatisch besser, vielmehr entscheiden Federwegsnutzung, Ansprechverhalten und Progression über den Hinterbaukomfort auf dem Trail.

Zudem muss das Heck des Mountainbikes nicht nur sensibel und schluckfreudig, sondern auch antriebsneutral arbeiten, sonst leidet der Vortrieb des Bikes. An der Front verfügen alle MTB-Modelle mit Ausnahme des Merida über eine 150-mm-Gabel mit Steckachse. Aufgrund der zahlreichen Direktanbieter finden sich an vielen Bikes bereits absenkbare Federgabeln, welche die Klettereigenschaften spürbar verbessern können.

Um die Fahrwerke auf Stärken und Schwächen zu prüfen, reiste die Testcrew in das vom ausgedehnten Winter verschonte Örtchen Latsch/Südtirol. Der Praxistest bewies: Nicht die Verstelloptionen der Federelemente sind entscheidend. Eine harmonische Abstimmung von Hinterbau und Gabel macht den Griff zu Plattform- oder Absenkfunktion gar überflüssig. Das Canyon düpiert die Konkurrenz mit perfekter Up- und Downhill-Performance, auch das Giant geht prima bergan und hängt bergab mit seinem sensiblen Fahrwerk tüchtig am Gas.

Das Lapierre, ebenfalls ein echter Trail-Räuber, hat in Flach- und Kletterstücken mit einem wippenden Hinterbau zu kämpfen. Auch die effiziente Federung des Radon erntete Lob, wenngleich die Gabel ihr Potenzial nicht voll ausschöpfte.

Ebenso wichtig wie die Fahrwerks-Performance ist eine ausgewogene Geometrie er Mountainbikes. Da All-Mountains in schroff em Gelände zu Hause sind, sollte der Lenkwinkel 68° nicht überschreiten, sonst fehlt die nötige Laufruhe. Das Lapierre besitzt mit 66° den flachsten Lenkwinkel, verleiht dem Fahrer enorme Sicherheit und Vertrauen ins Bike. Auch mit dem 66,5°-Lenkwinkel des Canyon geht es im Downhill rasant zu.

Für eine ergonomische Sitzposition und effizientes Pedalieren muss der MTB-Sitzwinkel hingegen steil ausfallen. Das Giant besitzt mit 73° einen etwas zu flachen Sitzwinkel, der durch die nach hinten versetzte Sattelstütze noch verstärkt wird.

Unterschiede bei der Ausstattung der Mountainbikes

Erwartungsgemäß sind die Bikes der MTB-Versender üppiger ausgestattet als die Modelle der Fachhandelsmarken. Edle Federelemente und Antriebskomponenten, leichte Laufradsätze und hochwertige Bremsen verleihen den Bikes funktionale Vorteile und reduzieren das Gewicht. Dass die Bikes aus dem Fachhandel ebenfalls nicht „von gestern“ sind, beweist das Giant als leichtestes Bike im Test.

Die meisten MTB-Modelle rollen auf 2,35"–2,4" breiten Reifen, das sorgt für hohe Traktion bei mittlerem Rollwiderstand. Prima: Bei den Bremsen setzen alle Hersteller auf mindestens 180 mm große Scheiben. Kleine Ausstattungsmängel der Fachhandels-Mountainbikes wie die schwache Bremse am Merida lassen sich durch Tuning rasch beheben. Meist kommen 3 x 10-fach-Antriebe von Shimano oder Sram zum Einsatz. Ausnahme: Der 20-Gang-Antrieb mit 24er-Kettenblatt am Giant ist zwar Geschmackssache, bewältigt steile Anstiege jedoch ebenso gut.

Der Blick auf die Testurteile zeigt: Ob Versender oder Fachhandel, für 2000 Euro erhält man sehr gute All-Mountain-Bikes. Canyon baut mit dem Nerve AL+ den besten Allrounder und erringt den Testsieg. Mit super Preis-Leistungs-Verhältnis und hohem Fahrspaß schnappt sich Giant den Kauftipp.


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Die Mountainbikes im Test:

04.06.2013
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2013