Mountainbikes im Test: 9 All-Mountain-MTBs unter 2.000 Euro (Modelljahr 2015)

Test: 9 All-Mountain-Bikes unter 2.000 Euro


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All-Mountain-Test
Foto: Manfred Stromberg

 

MountainBIKE Canyon Spectral AL 6.0
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Centurion No Pogo 800.27
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Cube Stereo 140 HPA 27,5
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Giant Trance 2 LTD
Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE hat neun vollgefederte MTB-Modelle mit Federwegen zwischen 140 und 150 Millimetern getestet - und ging dabei der Frage nach: Gibt's unter 2.000 Euro schon vollen, oder nur halben Bike-Spaß?
Zu den getesteten Produkten

MountainBIKE hat neun All-Mountains getestet. Die neun eingeladenen MTB-Modelle der beliebten All-Mountain-Kategorie mit 140–150 mm Federweg durften die 2000-Euro-Marke nicht überschreiten. Auch die Marken mit Direktvertrieb erhielten die gleiche Preisvorgabe. Denn nur so kann die Frage grundsätzlich beantwortet werden: Wie viel Fully bekomme ich für maximal 2000 Euro?

Zwei "Grenzwerte" in Sachen Preis haben sich bei Mountainbikes durchgesetzt: Liegt der Preis für ein seriöses, sprich voll geländetaugliches Hardtail-MTB bei rund 1000 Euro, muss für ein Fully, ein Mountainbike mit Vollfederung, eher das Doppelte gerechnet werden. Das ist sehr viel Geld – und doch rechtfertigen aufwendige Kinematiken (der Aufbau der Hinterradfederung) und wertige Federelemente die Investition.

Denn: Ein Fully-MTB macht nur dann Spaß und vor allem Sinn, wenn es auch funktioniert. Minderwertige Hinterradfederungen, die etwa bergauf wippen und bergab bocken, sorgen hingegen nur für Verdruss.

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MTB-Kauf: Im Internet oder beim Händler?

Doch was bedeutet Vertriebsweg überhaupt? Canyon, Radon und Rose vertreiben ihre Mountainbikes „direkt“: Der Hersteller versendet das MTB nach der Bestellung an den Kunden, ein Händler ist nicht zwischengeschaltet. Das spart die Händlermarge. Dadurch können „die Versender“ ihre Räder preisaggressiver anbieten respektive besser ausstatten.

So verlockend das klingt, der Online-Kauf birgt auch Nachteile: Eine Probefahrt ist, wenn überhaupt, nur am Firmensitz möglich. Die ist aber – gerade bei einem Erstkauf – sehr empfehlenswert. Setup, persönliche Optimierung und Service muss der Mountainbike-Käufer selbst durchführen. Die Garantieabwicklung bei Defekten funktioniert zwar meist unkompliziert und reibungslos, der Aufwand (Verpacken, Versand, Mailkontakt etc.) ist aber hoch.

Beim kompetenten MTB-Händler nebenan spart man sich in solchen Fällen Zeit und Nerven, womöglich stellt er für die Zeit der Reparatur auch ein Ersatzrad. Auch Lieferprobleme sind leider immer wieder Alltag bei Canyon & Co. – das gilt für viele Fachhandelsmarken aber ebenso. Die Vor- und Nachteile sollten gerade Anfängern, aber auch Fortgeschrittenen bewusst sein und in die Entscheidungsfindung mit einfließen.

Zur Kategorie All-Mountain generell: Unter einem „All-Mountain“ versteht MountainBIKE ein MTB, das sich vor allem durch Allround-Fähigkeiten auszeichnet. Es ist bergauf nicht so schnell wie ein Marathon-Fully (oder Hardtail), aber doch effizient genug, um „über alle Berge“ zu fahren. Alpencross inklusive. Bergab versprechen Fahrwerke mit 140–150 mm Federweg im Verbund mit den angesagten 27,5"-Laufrädern hohen Komfort, viel Fahrspaß und sehr viel Sicherheit. Mehr als bei einem Tourenfully (120 mm), weniger als bei einem dafür auch schwerfälligeren Enduro-Mountainbike (160 mm).

All-Mountains: Die Testbikes auf dem Prüfstand

Unter der Leitung von MountainBIKE-Werkstatt-Chef Haider Knall wurden alle getesteten MTB-Modelle vermessen, gewogen und auf ihre Lenkkopfsteifigkeit hin überprüft.

Auffälligkeiten zeigten sich schon bei der Demontage: Im Steppenwolf Tycoon AM 50 waren Metallspäne im Tretlager, das Rock Machine Blizzard 70 - 27 missfiel mit verrostetem Steuerlager. Diese beiden bilden auch die Schlusslichter im Gewichtsranking: Während das Steppenwolf Tycoon AM 50 mit einem für diese Preisklasse noch vertretbaren Gewicht von 14 Kilo aufwartet, ist das Rock Machine Blizzard 70 - 27 mit fast 15 Kilo viel zu schwer für ein All-Mountain-MTB. Das leichteste Mountainbike im Test – Giant Trance 2 LTD – wiegt fast zwei Kilo weniger!

Das Canyon Spectral AL 6.0 und das Cube Stereo 140 HPA 27,5 zeigen, dass Spitzengewichte auch inklusive einer sogenannten Vario-Stütze (zum schnellen Auf/Ab des Sattels) möglich sind. Erfreulich: Alle getesteten MTB-Modelle erzielten auf dem MountainBIKE-Prüfstand gute bis sehr gute Lenkkopfsteifigkeiten. Die Basis der meisten Räder scheint also aktuellen Ansprüchen zu genügen. Zeitgemäße Geometrien mit flacherem Lenkwinkel und längerem Oberrohr/Reach sowie solide Verarbeitung zeichnen ebenfalls (fast) alle Räder aus.

Noch mehr 2015er All-Mountains im Test:

Fotostrecke: 14 Allmountain-Bikes um 3.000 Euro im Test

14 Bilder
MountainBIKE Bergamont Trailster 8.0 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Canyon Spectral AL 8.0 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Centurion No Pogo 2000.27 Foto: Benjamin Hahn

In Sachen Antrieb und Schaltung findet sich bei den Test-Mountainbikes ein bunter Mix aus Shimano-Anbauteilen. Hier gilt: Alles ab der Güteklasse „Deore“ ist völlig okay, MTB-Parts mit dem Zusatz „SLX“ sind sehr gute Mittelklasse, „XT“-Komponenten kratzen schon am High-End-Segment. Letztere sind am Radon Slide 27,5 8.0 sogar durchgehend verbaut! Bei den Mountainbike-Bremsen sollte es ebenfalls mindestens Shimano Deore sein. Erneut fallen das Rock Machine Blizzard 70 - 27 und das Steppenwolf Tycoon AM 50 durchs Raster, deren Billigbremsen an einem All-Mountain-MTB nicht akzeptabel sind.

Machen sich die unterschiedlichen Anbauteile in der Praxis bemerkbar? MountainBIKE testete auf einer definierten MTB-Strecke, die die erforderlichen Ansprüche an ein All-Mountain stellte. Vor allem in Extremsituationen (steiler Anstieg, Steinpassagen, kleinere Sprünge oder Drops) machten die MountainBIKE-Tester deutliche Unterschiede aus. Weniger etwa in der Schaltperformance, vielmehr erwiesen sich die Federelemente als „Achillesferse“ der Fullys.

Am Beispiel der Rock-Shox-Gabeln wird dies deutlich: Das preisgünstige Modell Sektor im Rock Machine Blizzard 70 - 27 und dem Silverback Slider 2 bietet zwar (gerade für Anfänger) ein feinfühliges, angenehmes Ansprechverhalten, eine Revelation-Gabel verfügt aber über wesentlich mehr Reserven in ruppigem Gelände. An die Leistung der Pike im Rose Granite Chief 1 kommen beide nicht heran – was zumindest für den All-Mountain-Neuling aber auch nicht zwingend ist.

Riesige Qualitätsunterschiede bei den MTB-Modellen im Test

Solch ein weit gestreutes Testergebnis gab es bei MountainBIKE noch nie, die Spanne reicht vom „schwach“ bis zum „überragend“. Das Ergebnis kommt zum einen durch das neue, strengere Testprozedere von MountainBIKE zustande zustande, zum anderen durch die bewusst gewählte Preisschwelle.

Die Hersteller kalkulieren anscheinend sehr unterschiedlich, vor allem die MTB-Versender gehen an diese „Eckpreislage“ sehr aggressiv heran. Canyon (Canyon Spectral AL 6.0), Radon (Radon Slide 27,5 8.0) und Rose (Rose Granite Chief 1) bieten nicht nur sehr moderne Mountainbike-Rahmen, sie verbauen auch Federelemente und Antriebsparts, die teils gar in der 3000-Euro-Liga zu finden sind.

Der Lohn: Das spielerische Canyon Spectral AL 6.0 gewinnt den Test, das Radon Slide 27,5 8.0 und das Rose Granite Chief 1 erhalten ein "sehr gut", was bedeutet das sie für jede All-Mountain-Schandtat bereit sind. Als einzige Fachhandelsmarke kann Cube (locker!) mit seinem Cube Stereo 140 HPA 27,5 mithalten. Das Centurion No Pogo 800.27 und das Giant Trance 2 LTD bestehen den Check mit guten Noten, auch wenn es hier und da mangelt.

Gerade im Bezug auf das MTB-Fahrwerk lohnt der Blick auf die „großen Brüder“: So kostet das Centurion No Pogo 800.27 rund 500 Euro mehr, bietet aber viel bessere Federelemente. Beim Giant Trance 2 LTD ist der Sprung nach oben mit 1000 Euro leider groß. Beim Silverback Slider 2, dem Steppenwolf Tycoon AM 50 und dem Rock Machine Blizzard 70 - 27 sind die Abstriche etwa beim Fahrwerk zu erheblich für eine „gute“ Bewertung. Das Rock Machine Blizzard 70 - 27 ist zudem in Sachen Gewicht und Geometrie nicht zeitgemäß.



05.08.2015
Autor: Max Hilger
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 8/2015