Mountainbikes im Test: 8 Tourenfullys von 3.700 bis 4.700 Euro (Modelljahr 2015)

Allrounder im Test: 8 Tourenfullys in 27,5 Zoll


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Test Tourenfullys
Foto: Manfred Stromberg

 

MountainBIKE Cannondale Trigger 27.5 Carbon 2
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Ghost Riot 7 LC
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Giant Anthem SX Advanced
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE KTM Lycan 27 Prime
Foto: Benjamin Hahn
Fullys mit 120 bis 130 mm Federweg gehören zu den vielseitigsten Mountainbikes. Und die neuen, noch verspielteren 27,5"-Tourenfullys räubern inzwischen gar im All-Mountain-Segment. Sind sie also mittlerweile Alles- oder eher Nichts-richtig-Könner? MountainBIKE hat 8 Modelle getestet.
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Leichtfüßig und emsig berghoch, sportlich in der Ebene, verspielt um Kurven, sicher und satt im steilen Downhill – nur ein Allround-MTB darf den Anspruch erheben, all diese Eigenschaften in sich zu vereinen.

Allround_MTB? Ein großes Wort ... Was die Sache noch komplizierter macht: Welche Bike-Kategorie kommt diesem Alleskönner-Anspruch am nächsten? Die Tourenfullys? Die All-Mountains? Auch diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten.

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Der Grund: Durch die neuen Laufradgrößen 27,5" und 29" lassen sich die Kategorien weniger scharf trennen als zu seeligen 26-Zoll-Zeiten. Denn die 29"-Laufräder verwandelten die 120-mm-Tourenfullys in Sicherheitsboliden, in „laufstarke“ Langstreckler.

Was auf der Strecke blieb? Die Verspieltheit. Hier hinterließen die 26er, als sie (zumindest von Herstellerseite) den Wald verließen, eine Lücke. (MountainBIKE Laufradgrößen-Finder: in wenigen Klicks zur passenden Größe)

Touren-MTBs in 27,5" auf dem Prüfstand

Und eben diese will die neue Kategorie der 27,5"-Touren-Mountainbikes schließen. Die „kleineren“ Tourenfullys sind wendiger und versprechen mehr Spaß auf den Trails. Kein Wunder, dass sie in den USA als „Trailbikes“ feilgeboten werden.

Im Detail sieht das dann so aus: Das neue Cannondale Trigger 27.5 Carbon 2 fegt mit 20 mm mehr Federweg bergab, als es noch das 26"-Trigger tat (120 mm). Viele ziehen nach, die Mehrheit schließt mit 130 mm Federweg die Lücke nach „oben“. Dadurch gerät plötzlich eine ganz andere Kategorie unter Druck: All-Mountains mit 140–150 mm Federweg werden sich der 27,5"-Trail- und -Tourenfullys erwehren müssen!

Spannende Zeiten also, die durch die acht Test-MTBs, die sich im Charakter stark unterscheiden, noch spannender werden. Und es zeigt, dass die Hersteller diese junge Kategorie noch sehr unterschiedlich auslegen. Spöttisch gesagt: Vom aufgeblasenen Cross-Country-Racer bis hin zum degradierten Enduro ist alles dabei ...

Fotostrecke: 8 Tourenfullys mit 27,5-Zoll-Laufrädern im Test

8 Bilder
MountainBIKE Cannondale Trigger 27.5 Carbon 2 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Ghost Riot 7 LC Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Giant Anthem SX Advanced Foto: Benjamin Hahn

Auf hohem Niveau: die Parts an den Testbikes

Erwartungsgemäß – bei strammen Preisen bis zu 4700 Euro – sind alle Testbikes sehr ordentlich ausgestattet. Auch das vergleichsweise günstige Scott Spark 710 leistet sich eine komplette XT-Schaltung. Das Rose Ground Control 650B 3 sowie das KTM Lycan 27 Prime glänzen gar mit XTR-Parts.

Besonderheit im Feld: Am Giant Anthem SX Advanced schaltet eine 1 x 11-X01, die dem Marathon-Ursprung dieses Mountainbikes entspricht, für Tourenbiker aber zu geringe Bandbreite liefert. Top: Als Bremsen spezifizieren fast alle Teilnehmer Shimanos preisgekrönten XT-Stopper. Nur Giant vertraut auf (ebenfalls potente) Guide-Bremsen von Sram.

Beim genaueren Hinsehen fallen jedoch Unterschiede auf: Während am Ghost Riot 7 LC, dem Rose Ground Control 650B 3, sowie dem Simplon Kibo Carbon TRA-20 jeweils 180-mm-Discs vorne und hinten verbaut wurden, rotiert am KTM Lycan 27 Prime sogar vorne nur eine 160er – nicht gut!

Die sportlich Leichten von den potenten Groben trennt noch ein Anbauteil: Das KTM Lycan 27 Prime, das Scott Spark 710 und das Simplon Kibo Carbon TRA-20 besitzen keine Vario-Stütze, was vor allem im hügeligen Gelände nervt. Beim Simplon Kibo Carbon TRA-20 wurde immerhin ein Schnellspanner an der Stütze verbaut, bei den zwei anderen ist ein Tool nötig.

Auch in Sachen Bereifung überzeugte nicht jedes der getesteten MTB-Modelle. So kritisierten alle MountainBIKE-Tester die rutschigen Mavic-Pneus am sonst so bergabverliebten Cannondale Trigger 27.5 Carbon 2. Achten Sie bei den Schwalbe-Reifen zudem auf die Kürzel! „TLE“ (Tubeless Easy) wiegt bei einem Nobby-Nic-Reifen circa 30–40 Gramm mehr als „LS“ (Liteskin“), bietet aber auch deutlich mehr Pannenschutz!

Die Bikes im Labor- und Praxistest

Der MountainBIKE-Labortest brachte erstaunliche Ergebnisse. Der Rahmen des KTM Lycan 27 Prime zeigt sich deutlich zu nachgiebig, aber auch einige andere der federleichten Carbon-Rahmen kratzen nahe an der bedenklichen 60-Nm/°-Grenze. Anders das Rose Ground Control 650B 3: Der einzige Alu-Rahmen im Test ist klar der schwerste, aber auch der steifste – für weniger „schlanke“ Alpencross-Aspiranten mit schwerem Rucksack vielleicht die bessere, weil stabilere Wahl!

Beim Praxistest im Vinschgau begeisterten die satt liegenden Trailstars, das Trek Fuel EX 9.8 650B und das Cannondale Trigger 27.5 Carbon 2 die Tester am meisten. Doch sind sie auch die besten Allrounder? Das erfahren Sie in den ausführlichen Beschreibungen in den Testbriefen.


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Die Mountainbikes im Test

09.02.2015
Autor: Max Hilger
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 2/2015