Mountainbikes im Test: 10 Enduros der Oberklasse

10 Enduro-Bikes der Oberklasse im Test


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Test Enduro-Mountainbikes
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Centurion Trailbanger Ultimate 2
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MountainBIKE Centurion Trailbanger Ultimate 2
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MountainBIKE Centurion Trailbanger 800
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Kona Process DL
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Mit Spaß bergab, effizient bergauf: das sind die Anforderungen an ein Top-Enduro. Welchem Bike gelingt dieser Spagat am besten? MountainBIKE hat zehn 2013er Enduros um 5.000 Euro getestet.
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Warum die Preisklasse von 4.500 bis 5.200 Euro? Ganz klar: Hier liefern die Hersteller den besten Kompromiss aus Leichtfüßigkeit und Bergab-Potenz. Bei günstigeren Enduro-MTBs stimmt zwar meist der Bergabspaß, aber hohe Gewichte schmälern die Uphill-Performance und somit die Allround-Eignung.

Der Namenspatron dieser Kategorie zeigt, wie leicht ein Mountainbike in dieser Preisklasse sein kann: Erstaunliche 12,7 kg wiegt das Specialized Enduro. An diesen Wert kommt nur das neue Radon Swoop mit 13 Kilo heran – bei 180 mm Hub mit dicker Fox-36er-Gabel nicht minder beachtlich. Alle weiteren Test-MTBs liegen ober- oder knapp unterhalb der 14-Kilo-Marke.

Rotwild bringt mit dem R.E 1 sogar 14,7 Kilo auf die Waage. Das liegt unter anderem am schweren Alu-Chassis, das mit 3820 Gramm (g) auch in der Rahmenwertung die rote Laterne hält. Das Gros der Enduro-Mountainbikes kommt indes mit soliden Alu-Rahmen, die um 3,5 Kilo wiegen.

Scott und Specialized setzen auf Kohlefaser. Auch bei langhubigen Federwegen ist das nicht verwerflich: Die Zugfestigkeit von Carbon fällt bei richtiger Verarbeitung wesentlich höher aus als die von Alu, zudem schützen Klebefolien und Aluplättchen den Rahmen vor Steinschlag und Kettenklemmern.

Specialized drückt das Rahmengewicht mit 2800?g sogar auf All-Mountain-Niveau. Scott kann die Gewichts­vorteile von Carbon nicht ausspielen: Samt schwerem Pull-Shock-Dämpfer liegt der Kohlefaser-Rahmen mit 3495 g nur im Mittelfeld.

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Geschwindigkeit bringt Sicherheit

Während All-Mountain-Geometrien bergauf und bergab gleichermaßen Spaß bringen sollen, steht bei den Enduros die Downhill-Eignung im Vordergrund. Langer Radstand, flacher Lenkwinkel und eine zentrale Fahrerposition sind essenziell für ein Mountainbike, das im groben Geläuf überzeugen muss.

Centurion, Merida, Kona, Radon, Rotwild und Specialized verwöhnen dank langem Radstand mit viel Lauf­ruhe. Bikes, die zudem kurze Kettenstreben bieten, wie Kona (427 mm) und Specialized (419 mm), zirkeln trotz der Länge agil durch Kurven. Kompaktere Enduro-MTBs wie die von Norco, Rocky und Scott fordern zu spielerischen Manövern geradezu auf. Für hohe Laufruhe sorgen Lenkwinkel um 66°.

Da der Endurist die Berge vornehmlich im Stehen hinabdonnert, spielt bei Enduros der sogenannte Reach eine besondere Rolle. Der horizontal gemessene Abstand zwischen Tretlagermitte und der Steuerrohrmitte verrät, wie der Pilot auf dem Bike steht – mehr Infos siehe „Die Enduro-Geometrie“.

Ein Beispiel: Am Kona fällt das Oberrohr 17 mm länger aus als am Specialized. Schuld daran ist der 3° flachere Sitzwinkel, dieser wird im Stehen aber zur Nebensache und hat keinen Einfluss auf den Reach. Und genau dieser ist am Kona kürzer, das Mountainbike bietet dem Fahrer also eine kompaktere Standposition.

Trotzdem darf die Sitzposition an einem Enduro nicht vernachlässigt werden, da sie bergan die Tritt­effizienz beeinflusst. Mit steilen Sitzwinkeln um 75° sorgen die Bikes für eine zentrale und vorwärtsorientierte Sitzposition. Mehr Infos zur Geometrie finden Sie im Kasten unten auf dieser Seite.

Darüber hinaus müssen Enduros den Spagat zwischen effizientem Hinterbau bergauf sowie Komfort bergab meistern. Scott liefert via Lenkerhebel die Möglichkeit, Gabel und Heck offen, straff oder blockiert zu fahren. Das neue Radon Swoop geht indes auch ohne Verstellmechanik antriebsneu­tral voran. Bergab donnern die Hinterbauten von Specialized und Rotwild fehlerverzeihend über Geröll hinweg. Etwas zäh agieren die Fahrwerke mit Rock-Shox-Dämpfer, der an den Hinterbauten von Rocky und Kona zudem unsensibel auf Schläge anspricht.

Neu für 2013 ist die Enduro-Gabel Fox 34, die mit 34-mm-Standrohren an den 160er-Bikes von Merida, Norco, Specialized und Trek verbaut ist. Die Longtravel-Enduros von Centurion, Radon und Rotwild setzen weiterhin auf die bewährte Fox-Forke mit 36-mm-Standrohren. Um die Steifigkeit zu prüfen, schickte MountainBIKE beide Gabel-Varianten ins Labor. Das Resultat: Die Bremssteifigkeit der 36er-Fox fällt ganze 29 Prozent steifer aus.

Bei der Verdreh- und Seitensteifigkeit liegt die neue Fox nur 14 beziehungsweise 13 Prozent hinter der 36er. Für den „normalen“ Enduro-Alltag ist die Fox 34 dennoch tauglich, das zeigte auch der Praxistest auf der mit Anliegern, Drops und ruppigen Steinfeldern gesäumten Teststrecke in der südfranzösischen Provence. Wer jedoch maximale Steifigkeit sucht, sollte zur Fox-36-Gabel greifen. Kona, Rocky und Scott bieten mit der Gabel Rock Shox Lyrik ebenfalls ordentlich Spurtreue.

Worauf sollten Biker beim Kauf eines Enduros in Sachen Ausstattung besonders achten? Der Antrieb an einem Enduro muss nicht superleicht, sondern vielmehr höchst robust sein, so dass er auch im harten Einsatz tadellos funktioniert. Dafür sorgt etwa eine Kettenführung. Sie verhindert im ruppigen Terrain effektiv Kettenklemmer. Leider fehlt diese bei Centurion, Kona und Scott. Bergab sorgt eine Vario-Stütze im Nu für mehr Beinfreiheit. Einzig das Rotwild kommt ohne dieses Feature.

Versender Radon strebt ein niedriges Gewicht an, spendiert dem Swoop einen Shimano-XTR-Antrieb und teure DT-Swiss-Carbon-Laufräder. Die Magura-MT8-Bremse ist jedoch zu viel des Gewichts-Tunings: Die Race-Bremse bietet zu wenig Power. Bissiger sind die Stopper von Avid und Shimano mit 200-mm-Scheibe vorne und mindestens 180-mm-Disc am Heck. In puncto Reifen bietet der Schwalbe Hans Dampf in der Trail-Version einen guten Kompromiss aus Leichtlauf und Kurvenhalt.

Alle Enduro-MTBs in diesem Test liefern ein gelungenes Gesamtbild ab – und lassen Kritik nur im Detail zu. Schwächen wie fehlende Kettenführung oder kleine Bremsscheiben können schnell beseitigt werden. Das vielseitigste und leichteste Mountainbike im Test ist das Specialized Enduro und wird souverän Testsieger. Der Kauftipp geht an das ebenfalls leichte und top ausgestattete Radon Swoop.


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Die Mountainbikes im Test:

20.02.2013
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 02/2013