Mountainbikes im Test: 10 All-Mountains um 2.500 Euro (Modelljahr 2016)

MTB-Test: 10 All-Mountain-Bikes um 2.500 Euro


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Test All-Mountain-Bikes
Foto: Manfred Stromberg

 

Bulls Wild Mojo 1
Foto: Manfred Stromberg

 

MountainBIKE Canyon Spectral AL 6.0
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MountainBIKE Carver Drift CPS 27,5"
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MountainBIKE Cube Stereo 140 HPA Race 27.5
Foto: Manfred Stromberg
All-Mountain-Fullys mit 140–150 mm Federweg und 27,5"-Laufrädern versprechen den idealen Mix aus Potenz bergab und Effizienz bergauf. Dieser Test beweist: Richtig viel Fahrspaß gibt es schon ab 2300 Euro – richtig viel Gewicht aber oft auch.
Zu den getesteten Produkten

Wie viel Bike braucht der Mensch? Die Frage ist so alt wie das MTB selbst. Wobei: Am Anfang war’s ja überschaubar. Die ersten Bergräder waren Bikes für alles. Nicht, weil sie alles beherrschten – es gab schlicht keine Differenzierung. Und: Vieles, was heute locker überrollt wird, galt in den 80er Jahren noch als unfahrbar.

Inzwischen sind Mountainbikes einerseits deutlich potenter geworden, andererseits gibt es Spezialisten für jede Facette – vom federleichten Race-Hardtail bis zum 200-mm-Downhill-Bomber. Von E-MTBs ganz zu schweigen.

Mittendrin ist die für die meisten „normalen“ Biker wohl interessanteste Kategorie: All-Mountain. Fullys mit 140–150 mm Federweg. Genug, um es bergab brodeln zu lassen, um Steilstücke und Steingärten zu meistern.

Aber auch nicht zu viel: Lange, steile Anstiege sind mit einem All-Mountain im Gegensatz zu einem schweren Enduro kein Akt, auch die meisten Alpencrosser vertrauen auf ein „AM“ – zumal so ein 150-mm-Fahrwerk berghoch deutlich mehr Komfort und Traktion bietet als ein Fully mit weniger Federweg oder gar ein bockiges Hardtail. Was All-Mountain dann auch zur begehrtesten Kategorie aller Umsteiger vom Hardtail zum Fully macht.

Schön, dass die All-Mountains zudem das „Laufradchaos“ überwunden haben. 27,5 Zoll ist als Maß etabliert, bietet einen idealen Kompromiss aus Laufruhe und Agilität. 26 Zoll ist passé, 29 Zoll in diesem Federwegsbereich nur noch Nischengröße.

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Preisspanne der Test-Bikes: 2299 bis 2899 Euro

Okay, ein All-Mountain soll es sein. Nur: Was darf es kosten? Was muss dran sein? Wie erkenne ich, dass ich einen Alleskönner kaufe – und keinen Etikettenschwindler?

Für diesen Test haben wir eine vermeintlich attraktive Preisklasse ausgewählt: Um 2500 Euro kosten die Testräder, beginnend beim Canyon Spectral AL 6.0 aus dem Online-Versandhandel für 2299 Euro, endend beim 2899 Euro teuren Cube Stereo 140 HPA Race 27.5. Zehn Hersteller folgten der Einladung – alles Marken, die aus Deutschland stammen oder teilweise (Merida) dort sitzen.

Kein Zufall: Die meisten hiesigen Hersteller bieten aus diversen Gründen ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Namhafte US-Marken wie Cannondale, Specialized oder Trek sind in dieser umkämpften Preisklasse nicht konkurrenzfähig. Oder führen gar kein Rad in diesem Preissegment.

Das zeigt aber auch, dass es beim Neukauf nicht viel günstiger geht. Zwar werden auch All-Mountain-Fullys unter 2000 Euro angeboten, die Kompromisse, die der Käufer dabei eingeht, sind aber zu hoch: minderwertige Federelemente, Billig-Schaltungen, extrem hohes Gewicht – da kommt kaum Fahrspaß auf.

In Sachen Gewicht enttäuscht allerdings auch das Gros der Testbikes. Viel mehr als 13,5 Kilo muss ein AM dieser Klasse unserer Meinung nach nicht wiegen. Das schaffen nur vier der zehn Bikes, der Rest bringt es auf über 14 Kilo!

Das schwerste Rad, das Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT, wiegt fast 15 Kilo – ein, Pardon, Steinzeitwert. Eine gewichtige Schuld tragen die Rahmen. Die sind fraglos solide, je aus Aluminium, gut verarbeitet, wiegen im Schnitt inklusive Federbein aber zünftige 3500 g. Wirklich leicht sind nur die Konstrukte von Canyon (Spectral AL 6.0) und Giant (Trance 1.5 LTD).

Parts und Fahrleistung der getesteten All-Mountain-Bikes

Und die Parts? Ebenfalls voller Unterschiede. So schaltet am Carver Drift CPS 27,5", dem Cube Stereo 140 HPA Race 27.5 und dem Giant Trance 1.5 LTD eine komplette Shimano-XT-Gruppe, 2016er Jahrgang mit 2 x 11 Gängen – das Optimum dieser Preisklasse. Der Rest verbaut einen mal mehr, mal weniger wilden Mix aus Shimanos Einsteigergruppe Deore, Mittelklassen-SLX, alter XT-Gruppe, Raceface-Kurbeln und/oder KMC-Ketten.

Immerhin je mit sinnvoll übersetzten 2 x 10 Gängen. Ausnahme ist das Merida One-Forty 7.600 mit Sram-1 x 11-Schaltung, die vielen (Alpen-)Bikern zu wenig Bandbreite liefern wird.

Gut: Bis auf das Giant Trance 1.5 LTD sind alle Räder „gescheit“ bereift, auch die Laufräder und Lenker/Vorbauten sind von solider Machart. Abgesehen vom Müsing Petrol 5 haben alle Bikes eine praktische Vario-Sattelstütze an Bord. Darunter aber ein paar Billigheimer (Cube Stereo 140 HPA Race 27.5, Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT, Stevens Whaka 27,5"), teils mit zu wenig Hub.

Abgesehen von den vielen hohen Gewichten und zwar stimmigen, aber wenig hochwertigen Parts waren wir von den Fahrleistungen der zehn AMs angetan.

Auf dem knackig-anspruchsvollen Tschilli-Trail im MTB-Paradies Latsch überzeugten vor allem die Fahrwerke inklusive der verbauten Federelemente (ausgenommen die Magura-Gabel im Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT): sensibel ansprechend, schluckfreudig mit Reserven, im Uphill nicht zu wippig – top.

Und dank der fast an allen Bikes sehr gelungenen Geometrien ist der Fahrspaß auch für rund 2500 Euro inklusive: Faszinierend, wie potent, wie abfahrtsstark diese Kategorie geworden ist, ohne bergauf zu schwächeln.

Wirklich leichtfüßig ziehen aber nur das Canyon Spectral AL 6.0, das Cube Stereo 140 HPA Race 27.5 und das Giant Trance 1.5 LTD gen Gipfel. Kein Wunder, dass dies die drei besten, die wahren Alleskönner im Test sind.

Die Gewichte der Test-Bikes

Die mit Präzisionswaagen ermittelten Einzelgewichte zeigen, wo die Pfunde stecken. Enttäuschend, dass außer dem Canyon Spectral AL 6.0, dem Cube Stereo 140 HPA Race 27.5, sowie dem Giant Trance 1.5 LTD und auch dem Merida One-Forty 7.600 alle Bikes über 14 Kilo wiegen.

Zu schwer sind vor allem das Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT und das Müsing Petrol 5. Auch die Rahmen des Bulls Wild Mojo 1 und des Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT haben hohes Übergewicht.

 

MountainBIKE 0516 All-Mountains Gewichte
Foto: MountainBIKE

Die Lenkkopfsteifigkeiten der Test-Bikes

Eine hohe Lenkkopfsteifigkeit sorgt für ein präzises Handling – das Bike tanzt quasi nicht aus der Reihe. Werte über 60 Nm/° definiert MountainBIKE auch für schwere Fahrer als ausreichend.

Gut: Alle Bikes in diesem Testfeld erreichen den grünen Bereich, das Drössiger XRA 650B 3 und das Kreidler Straight 27,5" Alu 1.0 XT jedoch eher knapp. Extrem steif ist das Bulls Wild Mojo 1.

 

MountainBIKE 0516 All-Mountains Lenkkopfsteifigkeiten
Foto: MountainBIKE

Punktevergabe und Benotung der Test-Bikes

Jedem MountainBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punkteberechnung zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Punktetabelle seit dieser Saison zum Nachlesen.

Zusätzlich haben wir die Bewertungskategorien zur 2016er Saison reformiert, die Punktevergabe verschärft – um der aktuellen MTB-Generation gerecht zu werden und diese differenzierter zu beurteilen.

Das bedeutet auch: Es gibt jetzt weniger „überragende“ Bikes, und ein „ gutes“ Bike ist wirklich „gut“. Es bedeutet aber auch: Ein „sehr gutes“ Bike mit beispielsweise 220 Punkten ist spürbar besser als ein ebenfalls „sehr gutes“ Rad mit 200 Punkten. In Summe maximal 250 Punkte vergeben wir, aufgeteilt in zwölf Bereiche.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, ändern wir von Test zu Test. Nur so lassen sich Bikes innerhalb der komplett unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. So ist bei einem Marathon-Bike das Gewicht ungleich wichtiger als bei einem Enduro-Fully. Letzteres muss dafür etwa im Downhill stärker glänzen.

Die Bepunktung der All-Mountain-Fullys in diesem Test ist relativ „ausgeglichen“, da Bikes dieser Kategorie als Alleskönner glänzen sollen. Rund die Hälfte der Punkte (Gewicht Bike, Gewicht Rahmen, Rahmensteifigkeit, Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultiert aus Laborergebnissen oder aus der Analyse unserer Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den (hier nicht abgebildeten) Einzelnoten der vier erfahrenen Testfahrer aus dem Praxistest.

Logo, das punktbeste Bike erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen Tipp für Bikes mit besonders gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

MountainBIKE 0516 All-Mountains Testergebnisse und Benotung
Foto: MountainBIKE Punktevergabe und Benotung der Test-Bikes (für Großansicht auf die Grafik klicken)

Mehr 2016er All-Mountains im Test:

Fotostrecke: 8 Allround-Fullys ab 2.600 Euro im Test

8 Bilder
MountainBIKE Bergamont Contrail 8.0 Foto: Drake Images
MountainBIKE Centurion Numinis 2000.29 Foto: Drake Images
MountainBIKE Cube Stereo 120 HPC Race Foto: Drake Images

Fotostrecke: Echte Allrounder: 15 All-Mountains im Test

15 Bilder
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MountainBIKE BMC Speedfox 03 Trailcrew Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Canyon Spectral CF 9.0 Foto: Benjamin Hahn

Fotostrecke: 3 All-Mountain-MTBs mit 27,5-Plus-Reifen im Test

12 Bilder
MountainBIKE Rotwild R.X1 FS 27,5+ EVO Foto: Det Göckeritz
MountainBIKE Rotwild R.X1 FS 27,5+ EVO DT-Swiss-Felge Foto: Det Göckeritz
MountainBIKE Rotwild R.X1 FS 27,5+ EVO Heckachse Foto: Det Göckeritz

17.05.2016
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2016