Mountainbike-Test: 16 Hardtail-MTBs von 1.500 bis 2.000 Euro (Modelljahr 2015)

16 Hardtails bis 2.000 Euro im Test


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2015er Hardtail-Test
Foto: Manfred Stromberg

 

MountainBIKE BH Ultimate RC 29 8.8
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Bulls Bushmaster 29
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Cannondale F29 5
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Canyon Grand Canyon AL SLX 8.9
Foto: Benjamin Hahn
Sie wollen sich ein Hardtail-MTB kaufen und zwischen 1.500 und 2.00 Euro ausgeben? MountainBIKE hat 16 Hardtails in dieser Preisklasse getestet.
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Hochgezüchtete Mountainbike-Rahmen, elektronische Schaltungen, „mitdenkende“ Fahrwerke – die Entwicklung des MTBs steht niemals still. Vor lauter Innovation bleibt da oft das Wesentliche auf der Strecke.

Doch um das geht es eigentlich im MTB-Sport: Strecke machen, Spaß haben, nicht viel darüber nachdenken. Es wäre allerdings ein Irrglaube, dass das Hardtail-Mountainbike in seiner Entwicklung stehen geblieben wäre.

Kaum ein neues Hardtail-MTB rollt noch auf den einst konkurrenzlosen 26"-Laufrädern. Und dank der großen 29"-Rundlinge ist das Einsatzgebiet breiter, sind die Hardtails schneller geworden. Dennoch haben sie nichts von ihrem ursprünglichen Charme verloren: zeitlose Optik, kein langes Einstellen des Fahrwerks, kaum Kraftverlust, niedriges Gewicht, geringer Wartungsaufwand.

Eben nur der Mountainbiker, sein Rad und die Natur. Und: An einem Hardtail funkelt – anders als bei vielen Fully-MTBs – noch immer eine gescheite Ausstattung zu seriösem Preis.

Aber gilt das auch für die 2015er Hardtails? Wie viel Mountainbike gibt es wirklich für knapp 2.000 Euro? Und was ist möglich mit so einem Hardtail-MTB?

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Fotostrecke: 16 Hardtail-MTBs bis 2.000 Euro im Test

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MountainBIKE BH Ultimate RC 29 8.8 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Bulls Bushmaster 29 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Cannondale F29 5 Foto: Benjamin Hahn

Labor- und Praxis-Test: Harte Probe für die Hardtails

Um diese Fragen zu beantworten, lud die MountainBIKE-Redaktion 16 Hardtails zum Test nach Tramin und Latsch, beides in Südtirol, Italien. Mit dabei: zwölf Hardtail-MTBs aus dem Fachhandel mit einer Preisspanne von 1899 bis 1999 Euro. Zusätzlich schickten vier Hersteller mit Direktvertrieb ihre Hardtails für maximal 1700 Euro ins Rennen.

Vier MountainBIKE-Tester mit unterschiedlichem Background – vom CC-Racer über den Tourenfan bis hin zum Enduristen – nahmen die Mountainbikes unters Gesäß. Die Testrunde war so vielschichtig wie das Einsatzgebiet der Hardtail-MTBs: Schotterpisten, Wurzeltrails, Geröllpassagen, lange Anstiege, flotte Abfahrten und steile Stiche reihten sich aneinander.

Zusätzlich wurden alle Hardtails aus dem Testfeld in der MountainBIKE-Werkstatt auseinandergebaut, gewogen und vermessen. Die Lenkkopf- und Tretlagersteifigkeiten flossen genau wie die Gewichte in die Gesamtnote ein.

Hardtails: Gute Ergebnisse bei Labor-Messungen

Die Laborergebnisse können sich sehen lassen. Alle Hardtails glänzen mit hoher oder gar höchster Verwindungsarmut im Steuerkopf- und Tretlagerbereich. Selbst die Kandidaten mit „weicherem“ Lenkkopf erzielen sehr gute 100 Nm/°, der Großteil erreicht gar Spitzenwerte weit darüber. Das ist nicht unwichtig für schwerere Fahrer, aber auch alle anderen freuen sich über ein direktes und präzises Handling. Im Tretlagerbereich übertreffen alle Kandidaten die 100-N/mm-Grenze. Die Kraft aus den Beinen kommt also im Rad an.

Im Test versammeln sich zehn Carbon-Boliden und sechs Alu-Hardtails. Erstaunlich: Die Kohlefaser-Rahmen wiegen im Schnitt circa 250 Gramm weniger. Bemerkenswert: Sowohl das leichteste (Silverback Storm 29 XT) als auch das schwerste Hardtail aus dem Test (BH Ultimate RC 29 8.8) setzen auf eine Carbon-Basis. Mit dem Cannondale F29 5 gibt es wiederum einen robusten Alu-Rahmen, der nur ein paar Gramm mehr als die meisten Carbon-MTBs wiegt.

Dies nährt den Verdacht, dass in dieser Preisklasse die Anbauteile entscheidender als das Rahmenmaterial sind. Wo hier die Pfunde stecken, ist nicht immer leicht zu erkennen. Deshalb hat MountainBIKE die wichtigsten Einflussgrößen einzeln gewogen.

Das Gesamtgewicht liegt im Schnitt bei für diese Preisklasse guten elf Kilo, die Spitze markiert das Silverback Storm 29 XT mit asketischen 10,4 Kilo. Einzig das über zwölf Kilo schwere BH Ultimate RC 29 8.8 fällt im Vergleich deutlich ab.

Die meisten Hersteller legten sich ins Zeug, um die Hardtails-MTBs sowohl leicht als auch sorglos auszustatten – schließlich ist die Wartungsarmut ein wichtiges Argument unter Hardtail-Fans. Häufig werden Shimano-XT-Parts verbaut, oft im Mix mit genauso soliden SLX-Teilen. Einige Mountainbikes aus dem Testfeld bieten gar volle „XT-Dröhnung“.

Hardtail-Test: Oft schwache Bremsen verbaut

Gespart wird dagegen oft an der Bremse. Beim BH Ultimate RC 29 8.8 und dem Merida Big.Nine Carbon XT wurden billige Shimanos unter Deore-Niveau verbaut und auch die Einsteiger-Modelle C1 von Formula am Canyon Grand Canyon AL SLX 8.9 und Magura MT2 (Focus Black Forest 29R 1.0 Factory) konnten nicht überzeugen. Ganz im Gegensatz zu den ebenfalls nicht besonders teuren, aber kräftig zupackenden und fein dosierbaren Shimano-Deore-Stoppern.

Immerhin verbauen alle Teilnehmer standesgemäß eine 180er-Scheibe vorne und bremsen am Heck mit einer 160er-Disc. Das Bulls Bushmaster 29, das Drössiger HTA 29 1, sowie das KTM Aera 29 Pro bieten mit 180-mm-Rotoren am Heck noch mehr Reserven.

Je nach (vom Hersteller vorgesehenen) Einsatzgebiet fällt die Bereifung unterschiedlich aus. Schwalbes Racing Ralph und Rocket Ron heißen die Allrounder im Feld – am besten in Breite 2,25" und in der pannensicheren „TLE“-Ausführung wie am Rose Mr. Big 1. Schwalbes Thunder Burt (am Superior XP 969 CRB 29) ist eher etwas für trockene Rennen, Michelins Country Grip’R (BH Ultimate RC 29 8.8) und der Maxxis Crossmark (Merida Big.Nine Carbon XT) bieten zu wenig Grip speziell im Matsch.

Federgabeln mit (fast) durchweg guter Leistung - Laufräder weniger gut

Gut: Fast alle Gabeln dämpfen auf hohem Niveau. Reba und SID von Rock Shox gefielen den MountainBIKE-Testern am besten, aber auch die verbauten Federgabeln von Fox und die Cannondale Lefty sind klasse.

Negativer Ausreißer: Die Manitou Marvel (Fuji SLM 29 2.1 LE) werkelt wenig feinfühlig. Außer am Votec VC Pro 29 lässt sich bei allen Gabeln per Lenkerfernbedienung das Wippen im Wiegetritt unterbinden. Am Canyon Grand Canyon AL SLX 8.9 stellt sich die Fox Terralogic unauffällig selbst auf den Untergrund ein.

Weniger gut: Viele Laufräder wiesen nach den „nur“ vier Testfahrten Seiten- oder Höhenschlag auf. Von kleinen Achtern bis zu ordentlichen Krümmungen zeigten dieses Problem mehr als die Hälfte aller Testkandidaten. Auch wenn die Teststrecke die Laufräder forderte, sollten solche Probleme in dieser Häufigkeit nicht auftreten. Einige Räder müssen sich vielleicht erst „setzen“, ein guter Händler zentriert in diesem Fall meist kostenlos nach. Wer sein Hardtail-MTB beim Versender gekauft hat, stößt da schon auf erheblich größere Probleme.

Doch nicht nur im Fußball gilt: Die Wahrheit liegt auf dem Platz respektive Trail. Und? Die Hardtails beschleunigen nicht nur fast alle leichtfüßig und direkt, sie machen auch abseits von geschotterten Pisten Spaß. Ausgewogene Geometrien umschmeicheln den Vielfahrer, dank steiler Sitzwinkel klettert es sich behände.

Gleichzeitig spornen die getesteten Hardtail-MTBs immer wieder zu sportlicher Fahrweise an. Vom ambitionierten Racer bis hin zum komfortsuchenden Tourer findet unter den Probanden deshalb jeder sein passendes Hardtail – die Spitze beherrscht gar beides.

Hardtail-Testfeld auf hohem Niveau

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Hardtails unter 2000 Euro bieten viel fürs Geld – zwölf Mal die Note „sehr gut“ spricht eine klare Sprache.

Das Fuji SLM 29 2.1 LE, das Merida Big.Nine Carbon XT, als auch das Superior XP 969 CRB 29 kämpfen mit diversen Problemen, das BH Ultimate RC 29 8.8 rutscht aufgrund mangelhafter Ausstattung auf die Note „befriedigend“.

An der Spitze kämpfen folgende Bikes um die Hardtail-Meisterschaft: Cannondale F29 5, Canyon Grand Canyon AL SLX 8.9, Cube Reaction GTC SL 29, KTM Aera 29 Pro, Radon ZR Race 29 8.0 und das Votec VC Pro 29. Das auch optisch herausstechende Cube Reaction GTC SL 29 sichert sich den Testsieg und erhält die Note „überragend".

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Fotostrecke: 12 Hardtails um 1.500 Euro im Test

12 Bilder
MountainBIKE Bulls Copperhead 29 Plus Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Canyon Grand Canyon AL SLX 7.9 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Carver PHT CPS 29" Foto: Benjamin Hahn

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10.03.2015
Autor: Max Hilger
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 3/2015