Neun All-Mountain-MTB um 2.200 Euro im Test

Intensive Tests in Praxis und Labor

Um die Qualität der Probanden zu ermitteln, fühlte das Testteam den Rädern auf der abwechslungsreichen Testrunde im württembergischen Tübingen bis aufs hinterste Ritzel.
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Fotostrecke: Neun All-Mountain-Bikes um 2.200 Euro im Test

9 Bilder
Bergamont Threesome 7.1 Foto: Benjamin Hahn
Bulls Wild Mojo 2 Foto: Benjamin Hahn
Cube Stereo Pro  Foto: Benjamin Hahn

Kurvige Trails, lange Up- und grobe Downhills sollten das Potenzial der Bikes herauskitzeln. Ebenso akribisch erfolgte die Laborpüfung, bei der die Räder zunächst gewogen und anschließend zerlegt wurden, um Rahmen- und Gabel-Gewichte sowie -Steifigkeiten zu ermitteln.

Die Theorie: Ein leichter Rahmen um 3000 Gramm trägt zu einem „mageren“ Bike bei. Etwas Statistik: Mit 3140 Gramm sind die Rahmen im Mittel 332 g schwerer als ihre Oberklasse-Pendants (MB 1/2011). Um satte 640 Gramm differieren das leichteste Chassis von Giant (2760 Gramm) und das Test-Schwergewicht von Cube (3400 Gramm).

Neben dem Giant unterbieten die Chassis von Bulls und Fatmodul die 3-Kilo-Marke. Giant demonstriert zudem mit top Gewicht bei guten Steifigkeiten, dass eine Alu-Konstruktion durchaus mit Carbon mithalten kann.

Beruhigend zu wissen: Die Steifigkeitswerte liegen allesamt auf gutem Niveau, wobei sich die geringe Lenkkopfsteifigkeit des Bulls bei den leichtgewichtigen MB-Testern nicht negativ auswirkte. Mit dem steifsten Lenkkopf wartet Stevens auf (94 Nm/°), das steifste Tretlager-Segment baut Fatmodul. Kombiniert mit dem „durchtrainierten“ Rahmen siegt das Ant auch in der SGI-Wertung (Steifigkeits-Gewichts-Verhältnis).

Aber: Ein gutes Laborrad macht noch keinen Trail-König! Und das AM-Anforderungsprofil ist hoch: Trotz langhubiger Federwege darf die Tempoarbeit in der Ebene nicht zum Kraftakt, lange, alpine Anstiege nicht zur Quälerei werden, weil etwa der Hinterbau nicht antriebsneutral genug ist oder das Fahrwerk im Wiegetritt wegsackt.

Toughe Downhills verlangen nach einem traktionsstarken, schluckfreudigen Fahrwerk und einer Geo­metrie, die Laufruhe mit Wendigkeit paart. Und? Die Leistungen unterscheiden sich stark! Eine gelungene Liaison aus ausgewogener Geo metrie und sattem Fahrwerk gehen Giant, Fatmodul und Bergamont ein. Zwar zeigen auch ihre traktionsstarken Hinterbauten leichte Antriebseinflüsse, es gelingt aber ein Kompromiss aus effektiver Pedalierbarkeit bergauf und „hungriger“ Federung bergab.

Anders das Hai­bike: Bergauf kos­tet der stark wippende Hinterbau Kraft, im Downhill muss der Fahrer durch die hohe Endprogression früh vom Gas. Verbesserungswürdig auch der straffe Fuji-Hinterbau. Das gute Bulls-Fahrwerk lebt sein Können durch die nervöse Geometrie nicht aus, der „leblose“ Cube-Hinterbau beschneidet das Bergab- und Spaßpotenzial.

Dass Biker keine Ausstattungswunder erwarten dürfen, überrascht nicht. Dennoch schmerzt es, wenn der Rotstift regiert und die Funktion einschränkt. Die Front des Fuji liegt hoch, weshalb eine Vario-Gabel hier zweckmäßig wäre – preisbedingt fällt sie aber aus der Kalkulation. Ärgerlich ist die schwache Shimano-Bremse an Fuji und Merida, kontrolliertes All-Mountain-Biken ist damit eine Herausforderung. Grenzwertig sind die 14 Kilo von Cube und Hai – das Gewicht raubt den Bikes spürbar Dynamik.

Erstaunlich ist die stark unterschiedliche Ausrichtung der Räder. Giant, Fatmodul und Bergamont verfügen über satte Reserven bergab – sie lassen sich von Brachialo-Aus- und Abfahrten nicht einschüchtern. Bikes à la Stevens, Merida oder Fuji trumpfen hingegen mit mehr Spritzigkeit und Kletteraffinität auf, empfehlen sich hierdurch als Tourer mit Reserven. Mit den besten Allround-Fähigkeiten und starken technischen Werten siegt das Fatmodul – zieht aber den Preis- und Ausstattungs-Joker des Direktanbieters.

Fotostrecke: Positive und negative Details an den neun All-Mountain-Testbikes

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All-Mountains Bikes - Haibike Foto: André Schmidt
All-Mountains Bikes - Bergamont Foto: André Schmidt
All-Mountains Bikes - Merida Foto: André Schmidt


Die 9 All-Mountain-Bikes in diesem Test:

27.09.2011
Autor: Florian Storch
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2011