Welches Bike liegt im Gewichts-Ranking ganz vorne, welches bei den Testnoten? Jetzt mit neuen 2012er-Modellen. mehr ...
Glücksdrogen aus dem Bikeshop
Elf Racefullys im Test
Schnell, edel, effizient - Highend-Racefullys verleihen Flügel. MountainBIKE hat elf Bikes getestet. Zu den getesteten Produkten
Biken voll auf Speed? Ohne Dopingtest, ohne schädliche Nebenwirkungen? Wo gibt's die nötigen Drogen?
Nein, diese Glücksmacher gibt es nicht auf Rezept beim freundlichen Apotheker. Aber es gibt sie. Im Bikeshop. Fragen Sie einfach nach den brandneuen Cross-Country- und Marathon-Fullys. Oder noch besser, lesen Sie zunächst diesen MB-Test. Denn hier sind sie, elf brandneue Race-Fullys des Jahrgangs 2008.
Leichteste Materialien, erlesene Parts, sportlicher Verkaufspreis – MountainBIKE wählte die Topmodelle der Hersteller. Diese Biker-Träume aus Kohlefaser und Scandium zeigen die Evolutionsrichtung, buhlen als erste beim Händler um Käufergunst und sind Image- sowie Technologieträger für die folgenden Volumenmodelle.
Was die Entwickler an Leidenschaft und Know-how in die Highend-Fahrwerke stecken, spürt auch Otto Normalbiker! Und es sind Bikes, die Geschichte schreiben. Denn 2008 ist das Jahr der Olympischen Spiele. Was Kurschat & Co. in Peking bewegt – die MB-Tester wissen es bereits. Was Feierabendbiker und Hobby-Racer zugleich erfreut: Der Fuhrpark der Cross-Country-Weltelite ist käuflich. Davon können Formel-eins-Fans nur träumen!
Racefeeling kombiniert mit Fahrspaß
Die neue Rennklasse steckt zudem voller Fahrspaß. Waren die Race-Fullys ehedem meist reichlich humorlose Gesellen, so zauberten jetzt selbst die ruppigsten Stellen des Testparcours ein fettes Grinsen in die Gesichter der MB-Testcrew. Aber keine Angst, liebe Cross-Country-Racer und Marathonisti – die aktuellen Rennfeilen haben im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen kein Jota an Vortriebslust oder Klettertrieb verloren. Ganz im Gegenteil, alle elf Kandidaten präsentierten sich als superbe Sportskanonen, die jeden kleinsten Anstieg zur Attacke nutzten. Effizienz steht neben geringem Gewicht im Lastenheft der Hersteller weiterhin ganz oben. Einige Modelle, stellvertretend das Giant Anthem, positionieren sich auch 2008 als knallharte, kompromisslose Rennmaschinen, ganz und gar auf Sieg gedrillt.
Die Race-Fullys 2008 sind vielseitiger geworden. Geschwindigkeitsrausch in allen Lagen. Bergauf, bergab. Zwar wollen diese rassigen Rennfeilen immer noch von geschulter Hand gezähmt werden, doch ihre Fahrwerke verzeihen auch Fehler. Und sie spucken den Fahrer am Downhill-Ende ohne Parkinson-Symptome aus. Torsten Marx, MB-Gasttester und Profi beim Team Alb-Gold: „Mehr und mehr Profis merken, dass Rennen nicht durch stupides Treten gewonnen werden. Wer entspannt die Abfahrten meistert, spart Körner!“
So äußert sich die neue Breitbandigkeit. 100 mm Federweg an der Front und 90 bis 110 mm am Heck sind die Race-Regel, die 80-mm-Forke am Giant Anthem bildet die Ausnahme. Profi Torsten Marx bestätigt: „Gabeln mit 100 Millimeter haben sich durchgesetzt. Auch im Weltcup.“
Sofort ins Auge sticht der Weg zur Entspannung bei Sitzposition und Cockpit. Klar, in dieser Kategorie ist eine deftige Sattelüberhöhung immer noch Pflicht. Ebenso wie eine sportlich-gestreckte Position auf dem Bike, um das Pedal mit voller Kraft zu penetrieren. Aber die Zeiten des Streckbank-Feelings sind vorbei.
Revolution am Cockpit
Langer Vorbau plus schmaler Lenker – diese Formel gilt nicht mehr. Vorbauten um 100 mm und breite Lenker (oft mit moderatem Rise) um 640 mm setzen sich durch. Im Testfeld wie im Rennen. „Die Schweizer und US-Amerikaner haben diese aufrechte Sitzposition im CC-Weltcup-Zirkus etabliert. Und immer mehr Fahrer kopieren sie“, so Torsten Marx. Der MB-Gasttester hat sein Cockpit inzwischen ebenfalls umgestellt. Der Dritte der Marathon-DM 2007: „So habe ich einfach viel mehr Kontrolle. Wichtig auf den immer technischer werdenden Cross-Country-Kursen!“
Ganz klar, wer sich die Luxusmodelle aus diesem Test leisten will, muss über ein reichlich gefülltes Portmonee verfügen. Aus diesem Grund geben die MB-Experten am Ende der Testseiten einen Überblick der erhältlichen Modellvarianten und empfehlen Ihnen günstige Alternativen. Denn diese wundervolle Effizienz der Rennmaschinen, gepaart mit einer dicken Dosis Fahrspaß, dieser Rausch der Geschwindigkeit im Up- wie Downhill, der darf nicht nur einem elitären Kreis mit Dagobert Duckschen Einkommensverhältnissen vorbehalten sein!
Ihren exorbitanten Preis rechtfertigen die Rennmaschinen außer durch ihre Hightech-Fahrwerke auch mit ihrem Minimalgewicht. Effizient und leicht – das verlangen Racer! Zwischen 9,6 und 11,2 kg wiegen die elf Testräder – und haben im Vergleich zum Vorjahrestest damit rund 500 Gramm abgespeckt. Die Diätmaßnahmen: Die Hersteller verbauen immer leichtere Edelparts wie Federgabeln mit Carbon-Casting oder Rennbremsen mit 140er-Scheibe. In acht von elf Bikes kommen in diesem Test Carbonrahmen zum Einsatz, zwei weitere verwenden Scandium. Wobei die Konstrukteure manchen Rahmen einem weiteren Gewichtstuning unterzogen. Ergebnis aus dem MB-Labor: Neue Carbon-Wunderwerke wie das Simplon Stomp rücken dem alten wie neuen Platzhirsch Scott Spark immer dichter auf die Kohlefaserpelle.
In Sachen Federung bietet das Testfeld die komplette Palette der Rahmenkinematik. Eingelenker, abgestützter Eingelenker, Viergelenker, Mehrgelenker. Und so verschieden die Philosophien der Hersteller sind, so einig zeigten sich die Testfahrer über das, was im wahrsten Sinne des Wortes hinten rauskommt. „Unglaublich, welch massiven Vortrieb diese Raketen generieren. Da tritt man sich ja schon bergauf in einen Rausch“, keuchte MB-Techniker Chris Pauls, sonst eher den Enduro- und All-Mountain-Mikes zugeneigt, begeistert nach einem der unzähligen Sprintduelle.
Vielfalt der Systeme
„Schuld“ daran sind vor allem die Hinterbauten, die ihr Tagewerk größtenteils erstaunlich schluckfreudig verrichten – die MB-Tester stellten ihre Popometer extra auf Stufe „Super-Sensibelchen“. Aber war da überhaupt etwas fühlbar? Kaum. Die Fahrwerke filtern negative Antriebseinflüsse nahezu vollständig weg, jede Pedalumdrehung setzen sie zu hundert Prozent in Vortrieb um.
Wippen im Wiegetritt? Fehlanzeige. Wegsackendes Heck an grimmigen Rampen? Keine Spur, die Plattformdämpfer heben den Fahrer spürbar an. Somit verändern sich auch die Winkel der Rahmengeometrie nicht. Störender Pedalrückschlag? In dieser Klasse ein Relikt früherer Fully-Tage. Umso faszinierender deshalb, wie diese Edelfahrwerke plötzlich von bretthart auf hochsensibel umschalten, jeden Stein förmlich aufsaugen, umgarnen, das Hinterrad an den Boden fesseln und somit satte Traktion erzeugen.
Sieben der Testkandidaten betten in
diese Hinterbauten den Fox-Dämpfer Float FP23, der nur am Storck Adrenalin etwas überdämpft wirkte, sonst aber mit hohem Losbrechmoment, linearer Kennlinie und softer Endprogression beeindruckte. Genau so, wie es Racer lieben. Prima das mittels Drehknopf zu- oder abschaltbare Pro-Pedal in vorher definierter Stärke. Ärgerlich allerdings, wenn der Dämpfer wie beim Cube Sting schwer zugänglich ist. Im Renngetümmel geht der Griff da schnell ins Leere. Auch die DT-Swiss-Federbeine am Centurion Backfire und Rotwild R.R2 überzeugten die MB-Tester. Vor allem Profi Torsten Marx gefielen die Lockout-Hebel am Lenker: „Auf oder zu. Das lieben Racer. Alles andere kostet im Rennen Nerven und damit Zeit!“ Scott, Specialized, und Lapierre vertrauen auf Federbein-Eigenkonstruktionen. Wobei die am Spark und Epic zu den Besten im Test zählen.
Edle Parts an den Rennmaschinen
Gabelseitig dominiert ebenfalls Fox, sieben Hersteller verbauen die US-Edel-Forke. Leicht abgespeckt, umschmeicheln F100 und F80 auch 2008 die Fahrer mit superbem Ansprechverhalten. Vor allem die RLC mit einstellbarer Lockout-Härte harmoniert prächtig mit den Plattform-Systemen der Hinterbauten. Gespannt war die Redaktion auf die neuen DT-Swiss-Forken im Rotwild und Rocky Mountain. „Steif, sensibel, die RLC könnte etwas linearer arbeiten“, vermerkten die Tester. Auch die extrem leichte Manitou R7 (Centurion) und die steife RS Reba WC (Cube) fanden Anklang – ohne ganz das Niveau der Füchse zu erreichen.
Die Ausstattung der Testräder? Kurzum: edel, nahe an der Perfektion. Alles andere wäre in dieser Preisklasse auch inakzeptabel. Wobei das liebevoll dekorierte Storck zwischen all den Carbon- und ShimanoXTR-Parts noch ein Fleißsternchen extra bekommt. Klar, auch beim Adrenalin sind die Komponenten leicht und hochfunktionell, aber zusätzlich garniert mit blau eloxierten Alu-Schräubchen und edlen Syntace-Anbauteilen in Storck-Farben – da waren echte Bike-Liebhaber am Werk, auch das weckt Emotionen!
FAZIT: Dieses Testfeld kürt – anders als ein Rennen – nur Sieger. Und das auf hohem Niveau. Alle Prüflinge setzen in puncto Effizienz und Fahrspaß für diese Klasse neue Maßstäbe. Sie verführen den Fahrer mit ihren ausgereiften High-Tech-Fahrwerken zu fortwährenden Vollgas-Attacken, stechendes Herzflimmern oder rauschhafte Glückszustände inklusive. Am Ende haben allerdings der Testsieger Scott Spark 10 und der Kauftipp Simplon Stomp MR-3 knapp die Nase vorne. Warum? Weil diese beiden Traumräder – die im Übrigen auch im Labor voll überzeugen können, den neuen Cross-Country-Geist perfekt in Carbon gegossen haben. Was nichts anderes heißt als: voller Gier im Antrieb, dabei stets neutral. Voller Emotion im Handling, dabei stets souverän. Feuer frei, lasst den Rausch beginnen!
Centurion
Centurion Backfire LRS Carbon
Cube
Cube Sting XTR
Lapierre
Lapierre X-Race 900
Rocky Mountain
Rocky Mountain Element
Rotwild
Rotwild R.R2 Edition
Scott
Scott Spark 10
Simplon
Simplon Stomp MR-3
Specialized
Specialized S-Works Epic Carbon
Storck
Storck Adrenalin Carbon




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