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Exklusiv: Das neue Scott Genius im ersten Fahrtest
Geniestreich
Scott schickt sein komplett überarbeitetes Genius zur neuen Saison mit 150 mm Federweg auf die Trails. MB hat das Marathonfully als erstes Magazin getestet.
Echt? 150 Millimeter? Ein Freerider schaut ungläubig aus seinem Vollvisierhelm heraus und mustert unsere Bikes kritisch. Auf der Downhill-Strecke herab vom Gurten – Berns Hausberg – hält er sich mit schwerem Gerät, fettem Federweg und Protektoren für perfekt ausgerüstet und ist sichtlich erstaunt darüber, dass auch wir unseren Spaß haben – mit einem Cross-Country-Bike.
Viel Federweg, noch mehr Vortrieb und dabei verdammt leicht – das sind die drei wesentlichen Eigenschaften des nagelneuen Scott Genius, das zur kommenden Saison in Serie auf den Markt kommt. MountainBIKE bekam das spektakuläre Fully jetzt schon zu sehen und nutzte die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Praxischeck – mit Downhill-Einlage am Gurten hoch über Bern.
Doch Scott hat dem Genius nicht nur mehr Federweg spendiert, sondern auch die Geometrie überarbeitet. Und: Das neue Genius hat im Gegensatz zum Vorgängermodell den Horst-Link verloren und kommt somit als Mehrgelenker auf den Markt. Grund: In den USA wird dieser patentrechtlich keine Probleme bereiten.
„Unser Ziel war es, das leichteste Marathonfully der Welt zu entwickeln“, sagt Ingenieur Benoit Grelier (siehe Interview auf der folgenden Seite). Heraus kam dabei ein bis auf Wippe und Tretlagerbereich komplett aus Carbon konstruierter Rahmen, der in Größe M nach Angaben von Scott 1840 Gramm wiegen wird.
Hinzu kommen 410 Gramm für den komplett neu entwickelten Pull-Shock, der mit zwei Positivkammern und einer Negativkammer die Anmutung eines Spaceshuttles hat. Der in Zusammenarbeit mit DT Swiss enwickelte OTS-Dämpfer (Oil Transfer System) lässt sich über zwei Ventile und zwei Zugstufenregler einstellen. In Kombination mit einer 150-mm-Talas-Federgabel, die Fox 2009 exklusiv für Scott baut, ergibt sich ein äußerst harmonisches Fahrwerk, das immense Reserven für technisch anspruchsvolle Passagen bieten soll.
Aber das Genius will nicht nur schnell bergab fahren, sondern auch bergauf punkten. Nicht zuletzt deshalb, weil Legende Thomas Frischknecht, der 2003 mit dem ersten Genius in Lugano Marathon-Weltmeister wurde, maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war.
Wie bisher lässt sich der Hinterbau mittels Lenkerhebel in drei Modi einstellen: ganz offen im Full Mode, deutlich progressiver im Traction Mode mit 95 Millimetern Federweg und schließlich ganz blockiert. Im Traction Mode klettert das Genius wie eine Gämse.
Perfekt: Der straffe Hinterbau schluckt keine Energie, die vom Piloten aufs Pedal gebracht wird, dafür aber Schläge vom Untergrund und schafft somit einen klasse Kompromiss aus tollem Vortrieb und voller Traktion. Auch das Gesamtgewicht, das beim Topmodell um die 10,5 Kilo liegen soll, trägt einen erheblichen Teil zur Kletterfreudigkeit des Genius bei.
Scotts Geniestreich wird in sechs Versionen und als Ladymodell erhältlich sein. In den vollen Carbon-Genuss kommen die Fahrer der Modelle Limited, 10 und 20. Das Genius 30 ist mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Schwinge ausgestattet, das Genius 40 und 50 komplett mit Alurahmen. Wie viel die Bikes kosten und ab wann genau sie erhältlich sind, steht derzeit noch nicht fest. Nur, dass sie bestimmt zu den Highlights der neuen Saison gehören werden.
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