Welches Bike liegt im Gewichts-Ranking ganz vorne, welches bei den Testnoten? Jetzt mit neuen 2012er-Modellen. mehr ...
Die zehn schnellsten Racefullys der Welt im Test
Temporausch
Leicht, steif und effizient – mit 100-mm-Fullys erliegen Sie der Faszination Geschwindigkeit! Zu den getesteten Produkten
Alles brennt! Muskeln, Lunge, Siegeshunger. Der Cocktail aus Laktat und Adrenalin schmerzt und schmeckt zugleich. Macht heiß, heiß auf den Sieg. Treten, treten, weiter treten. Trance-Zustand. Rasen mit einem Racefully – das ist biken wie im Rausch. Im Temporausch.
Dieser MB-Test zeigt Ihnen, welches Bike das beste Dopingmittel ist – ganz legal natürlich, käuflich bei Ihrem Bike-Händler.
Zehn Highend-Boliden traten an, sollten beweisen, welches das schnellste und beste Racefully aller Zeiten ist. Bikes renommierter Premiumhersteller, die mit Innovationen und kompromisslosen Konzepten glänzen. Die angeführt werden von den überragenden Fullys der Vorsaison: Merida Ninety-Six, Scott Spark und Specialized Epic. Flankiert von wettkampferprobten Racern wie BMC Fourstroke, Cube AMS HPC, KTM Score und Simplon Stomp. Herausgefordert von den Neulingen Corratec Air Tech und Trek Top Fuel.
Hightech-Bikes zu Highend-Preisen – MB wählte das Top- oder Teammodell der Hersteller, um dem Anspruch des Tests gerecht zu werden. Denn diese Edelrenner geben die Evolutionsrichtung vor, werben im Gegensatz zu den Volumenmodellen teils jetzt schon beim Händler um Käufer und Image.
Und das Beste: Die zehn Testkandidaten sind ganz nah an dem Material, das Sauser & Co. im Weltcupzirkus fahren. Klar: Auf Schlauchreifen, selbst gedengelte Parts oder Rennrad-Umwerfer müssen Sie auch im Sinne der Alltagstauglichkeit verzichten – aber Rahmen und Fahrwerk sind echtes Profimaterial für Hobbyracer. Formel-1-Fans können von so was nur träumen!
Ob für 6000 oder 3000 Euro – Anspruch eines Racefullys ist, seinen Piloten so schnell wie möglich von A nach B zu bringen. Geringes Gewicht, hohe Steifigkeit und kinematische Effizienz stehen im Lastenheft der Entwickler ganz oben. In puncto Gewichtsersparnis setzen die Ingenieure gleich mal neue Benchmarks: Lag im Vorjahr nur eines der elf Testbikes unter 10 Kilo, so sind es jetzt sechs, das Mittel sank gar von 10,6 auf 10,0 Kilo!
Möglich machen dies neben edelsten Anbauteilen die in aufwendiger Handarbeit hergestellten Kohlefaser-Konstruktionen. Rahmengewichte inklusive Dämpfer um 1900 Gramm wie bei Merida, Scott und Trek sind überragend, bis rund 2200 Gramm quasi die Norm, nur der einzige Alurahmen im Test (Corratec) liegt darüber. Die nackte Zahl ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Gerade Cannondale und Specialized verstehen ihr Bike als Ganzes und setzen auf Systemintegration.
Specialized etwa laminiert bewusst "übergewichtige" Lagerschalen in den Carbonrahmen. Das erhöht dessen Gewicht zwar um einige Gramm, ermöglicht aber, die darauf angepasste Carbonkurbeln leichter und steifer als eine Shimano-XTR-Kurbel zu bauen.
Auch bei den von MB auf EFBe-Prüfständen ermittelten Rahmensteifigkeiten sind die "systemintegrierten" Kandidaten nicht hundertprozentig erfassbar. So erreicht das Epic einen eher schlechten Wert im Bereich des Steuerkopfs, ist im Verbund mit der haus eigenen Future-Shock-Forke und den auf die Gabel optimierten Laufrädern dennoch fühlbar steif.
Ähnliches gilt für die Kurbel-Tretlager-Einheit beim Trek. An der Spitze der Relation aus Steifigkeiten und Rahmengewicht (SG-Index) tummeln sich indes bekannte Größen: Merida, Scott und Simplon setzen erneut Maßstäbe, stellen dar, was machbar und unter Sicherheitsaspekten unbedenklich ist. Aber ist immer steifer auch immer besser? Analog zum Hardtail-Test kristallisiert sich auch bei den Racefullys ein grüner Bereich heraus: Alle zehn Leichtgewichte bieten für Hobbyracer absolut ausreichende Steifigkeiten.
Lediglich das Corratec wurde von den Testern am Steuerkopf als "weich", aber "Fehler verzeihend" empfunden. Welche Bikes in der Praxis besonders unnachgiebig beschleunigen oder mit der Präzision eines Filetiermessers ums Eck schneiden, das verraten die jeweiligen Testbriefe.
Apropos unnachgiebig: Wer sich für ein Racefully mit rund 100 mm Hub entscheidet, erwartet ein sportlich-knackiges Fahrwerk und keine Sänfte. Dennoch sind die Zeiten bis zum Platzen aufgepumpter Dämpfer selbst im Weltcup passé. Ein moderner Race-Hinterbau liegt im Uphill hart wie ein Brett, spricht dennoch blitzartig an und filtert Kraftspitzen heraus.
Denn wer steile Abfahrten und malträtierende Wurzelpassagen entspannt meistert, spart die Körner, die im Schlussanstieg über Sieg und Niederlage entscheiden! Auf den ersten Blick wirken die Kinematiken fast uniform: Sechs Hersteller lenken den Dämpfer am Oberrohr an, was den Entwicklern zufolge den besten Kompromiss aus Steifigkeit und Gewicht ermöglicht.
Dennoch variieren die Systeme: Vom abgestützten Eingelenker bei Merida und Scott über Viergelenker (Cube, KTM, Simplon, Specialized) hin zum VPP (BMC) oder zu individuellen Lösungen (siehe Testbriefe) bei Cannondale, Corratec und Trek herrscht Artenvielfalt.
Aber: Selbst die beste Kinematik stellt immer nur einen Kompromiss aus Antriebsneutralität und Ansprechverhalten dar. Logisch, dass in dieser Bike-Kategorie die Wippunterdrückung im Fokus steht – zumal störender Pedalrückschlag bei geringen Federwegen kein Problem darstellt. Die meisten Hinterbauten weisen ein leicht erhöhtes Losbrechmoment auf, damit die mühsam antrainierte Wadenkraft nicht mit jedem Antritt buchstäblich verpufft.
Teils zu viel des Guten wie beim mit hoher Druckstufe agierenden Dämpfer im Simplon, dessen enorme Antriebsneutralität zu Lasten der Sensibilität geht. Racer werden dies indes eher verschmerzen als das wenig gedämpfte Federbein im Corratec, das superb anspricht, sich bei Kettenzug aber zusammenzieht. Besser gelingt BMC der Spagat: Der Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt ist auf den großen Blättern wippfrei und feinfühlig, sobald es ruppig wird.
Auch die Kinematiken von Merida, KTM und Trek heimsten viel Lob ein – wie die Hightech-Lösungen von Scott mit via Remote dreifach verstellbarem Federweg und Specialized mit verfeinertem, "mitdenkendem" Brain-Fahrwerk.
Auch bei den Federgabeln stellt sich die Charakterfrage: straff oder soft? Während die im Rennzirkus beliebten Rock Shox SID und Magura Durin mit spürbarer Druckstufe und steil verlaufender Kennlinie direktes Feedback von der Strecke geben, zeigt etwa die Fox F100 eine flach-lineare Kennlinie, wirkt damit im Vergleich komfortabler. Unabhängig von der Performance der Forken kritisierten die MB-Tester das teils unharmonische Zusammenspiel von Gabel und Hinterbau.
Exemplarisch beim KTM, dessen Carbonforke bei schnellen Schlägen die anfängliche Sensibilität verliert und so vor dem aktiv mitgehenden Heck ans Limit kommt.
Dass die Hersteller mit den Parts glänzen, versteht sich angesichts der aufgerufenen Preise. So ist der Antrieb ausnahmslos den Topgruppen Shimano XTR und Sram X.0 vorbehalten. Für Verzögerung sorgen filigrane Stopper wie die neuen Formula R1 und Magura Marta SL oder bewährte Avid Ultimate und Shimano XTR – bei Specialized und Trek extra getunt. Vorbaulängen von 85 bis 110 mm, Lenkerbreiten von 580 bis 670 mm – beim Cockpit zeigt sich Vielfalt.
Zu viel für die MB-Tester, denen die Kombi aus Vorbauten bis 100 mm und minimal gekröpftem Lenker um 620 mm am besten gefiel: ein Kompromiss aus Aerodynamik und Kontrolle, der auch bei Profis immer beliebter wird.
Wie elementar diese Kontrolle auf den technisch stets kniffliger werdenden Weltcup-Kursen ist, zeigen die Fahreigenschaften der Vollblutsportler: Merida, Scott, Specialized und Trek garnieren ihr asketisches Gewicht mit ungemein spritzigem Handling, sind wahre Kurvenstars, bestechen dabei als bis ins Detail optimiertes Gesamtsystem. Und sie machen dank ihrer perfekten Balance auch abseits der Rennstrecke unverschämt viel Spaß, sind alles andere als dröge Sportgeräte!
Racer, die ein unkapriziöses Handling schätzen und schnelle Marathons mögen, finden bei BMC und Cube ihren Traumpartner für ausdauernde Ausritte. Ebenfalls exzellent auf langer Strecke, dabei noch direkter auf Highspeed getrimmt, glänzen die Boliden von Cannondale und KTM. Ohne unangenehmes Streckbank-Feeling empfangen Corratec und Simplon den Piloten, eignen sich so selbst für lange Touren und sind durch ihre Agilität dennoch stets zu knallharter Cross-Country-Action aufgelegt.
FAZIT:
Leicht, steif, effizient – die zehn Racefullys haben die Lizenz zum Temporausch. Dabei ragen Merida, Scott, Specialized und Trek als ein perfekter Mix aus kompromissloser Sportlichkeit und Fahrspaß heraus. Da das Ninety-Six einen Tick radikaler über den Kurs schmettert, gebührt ihm der Titel "schnellstes Fully aller Zeiten".
Mehr 2009er-Bikes im Test:
Vom Hardtail bis zum Enduro: Sieben Sorglos-Bikes im Alpentest Hardtails: 13 Bestseller ab 1.400 Euro im Test 100-mm-Klassse: 14 Fullys bis 1.800 Euro im Test 16 Touren-Fullys bis 2.000 Euro im Test 16 All-Mountain-Fullys im Test Sechs Versender-Hardtails im Test Neun Touren-Fullys im Test All-Mountain-Fullys: Acht Modelle im Familienduell Acht Race-Hardtails im Test
Cannondale
Cannondale Scalpel 1
Corratec
Corratec Air Tech Worldcup
Merida
Merida Ninety-Six Team
Scott
Scott Spark RC
Simplon
Simplon Stomp MR-3
Specialized
Specialized Epic FSR S-Works



