26 Zoll gegen 29 Zoll: 16 Hardtail-MTBs um 1.000 Euro im Test

26 Zoll gegen 29 Zoll: 16 Einsteiger-Hardtails im Test


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Test Einsteiger-Hardtails
Foto: Dennis Stratmann

 

MountainBIKE 26er Bulls Copperhead 3
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE 26er Bulls Copperhead 3
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MountainBIKE 29er Bulls Copperhead Supreme 29
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MountainBIKE 29er Bulls Copperhead Supreme 29
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Welches ist das beste Hardtail-Mountainbike in der Einsteigerklasse um 1000 Euro? Acht Hersteller legten die Karten auf den Tisch. Ob dabei die 26-Zoll-MTBs oder die 29-Zoll-Konkurrenz die besseren Trümpfe ausspielte, das fand MountainBIKE in diesem Test heraus.
Zu den getesteten Produkten

Hinweis für MTB-Einsteiger: Hier haben wir für Sie jede Menge Tipps für Ihren Einstieg auf dem Mountainbike zusammengestellt

Frische Luft durchströmt die Lunge, Steinchen wirbeln auf, Wolken streifen schroffe Gipfel, sanfte Hügel ruhen in der Ferne – Biken lässt den Alltag vergessen und tankt die Seelenakkus auf. Und Biken ist relativ voraussetzungsfrei: Sie müssen kein Vermögen investieren. Alles, was Sie brauchen, ist ein geländetaugliches Bike. Wichtig dabei: ein gesunder Mix aus Leichtigkeit und Funktionalität – dieser sollte Ihnen rund 1000 Euro wert sein.

Egal ob Sie MTB-Novize, Alltags-Pendler, Tourenfan oder Marathon-Rookie sind oder gar eine Alternative zum Rennrad suchen: Sie sollten vor dem Kauf genau überlegen, was Ihnen wichtig ist. Denn in der 1000-Euro-Klasse tummeln sich nicht nur Hardtails mit 26-Zoll-Laufrädern, sondern auch Bikes mit 29-Zoll-Bereifung. Die Bikes mit den rund drei Zoll größeren Laufrädern (ca. 7,5 cm) versuchen seit einigen Jahren, das bewährte 26"-Hardtail vom Markt zu verdrängen.

Im Rennsport ist ihnen der Siegeszug dank besserer Rollqualitäten und sicherem Bergabverhalten bereits geglückt. Doch dienen gerade diese Vorzüge nicht allen Bikertypen? Für MB ein guter Grund, Bikes beider Laufradgrößen der beliebten Einsteiger-Preisklasse von 900 bis 1100 Euro zum Duell zu laden. Acht namhafte Hersteller – darunter Versender wie Radon und Canyon sowie Traditionsmarken wie GT und Centurion – schickten jeweils ein 26er- und ein vergleichbares 29er-Hardtail zum Test.

MountainBIKE wollte aber nicht nur wissen, welche Laufradgröße die Kaufklasse dominiert, sondern auch herausfinden, bei welchem Hersteller sie besser das 26er- oder das 29er-Bike kaufen.

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Basiswissen: 26er versus 29er

Ist das klassische 26"-Hardtail noch zeitgemäß? Dazu zuerst ein paar Fakten, die die Testgruppen charakterisieren. Die 26er-Hardtails sorgen mit kleineren Laufrädern für geringes Gewicht und bieten somit eine bessere Beschleunigung, was dem Biker beim Pedalieren Kraft spart. Zudem ist der Radstand aufgrund der kleinen Räder kompakter, wodurch sich ein wendigeres Handling einstellt.

Wendiger kann aber auch heißen, dass es nervös wirkt – was vor allem Einsteiger verunsichern kann. Die „Big Wheels“ bedingen einen längeren Radstand und sorgen somit für mehr Laufruhe, aber auch ein trägeres Kurvenverhalten. Zudem rollen die großen Laufräder spürbar sicherer über Kanten und Wurzeln.

Und: Der Fahrer sitzt auf einem 29er integrierter im Rad, da das Tretlager unterhalb der Radachse liegt. Der große Nachteil sind hohe Laufradgewichte, die für eine schlechtere Beschleunigung sorgen. Zudem verwinden sich die großen Räder etwas mehr als die kleinen, steiferen 26"-Laufräder.

Ein Blick ins Labor verrät, ob die kleineren Bikes in puncto Gewicht tatsächlich die Nase vorn haben. Die Unterschiede zwischen den Laufrädern liegen im Schnitt bei rund 400 g – zu Gunsten der 26er. Große Ausnahme: Die Räder des Canyon-29er wiegen inkl. Reifen, Disc und Kassette nur 4200 g, und sind somit leichter als viele Wheels der 26"-­Bikes. Die leichtesten Laufräder bietet das 26er-Radon (4116 g). Deutlich zu schwer, mit über fünf Kilo, sind indes die Räder der beiden Conways.

Auch die Rahmen mussten sich dem Laborvergleich stellen. In Sachen Steifigkeits- und Komfort-messung liegen diese mittlerweile auf ähnlichem Niveau (siehe Kästen). Die ausschließlich aus Aluminium bestehenden Rahmen trennen auch bei den Gewichten im Schnitt nur noch zarte 50 g. Die Rahmengewichte insgesamt unterscheiden sich um üppige 400 Gramm. Bei den Gesamtgewichten reichen die Unterschiede sogar von leichten 11,1 Kilo (Canyon 26 Zoll) bis hin zu übergewichtigen 13,7 Kilo am Centurion-29er.

Mitverantwortlich fürs Gewicht sind unter anderem die Anbauteile. Hier präsentieren sich die 26er durchweg mit wertigen Komponenten und bieten insgesamt eine etwas bessere Ausstattung als die 29"-Hardtails – oder sind obendrein günstiger – siehe GT, Giant, Centurion und Canyon. Der Grund: Die Hersteller ordern (noch) zu geringe Stückzahlen der 29"-Bikes.

Deshalb verlangen die Zulieferfirmen mehr für Bauteile wie Rahmen, Laufräder und Gabeln. Bulls etwa investiert die Einsparung umgehend in eine komplette Shimano-XT-Gruppe an seinem 26-Zöller, am 29-Zoll-Copperhead gibt‘s einen weniger wertigen SLX/XT-Mix. Wie so oft punkten die Versenderfirmen bei der Ausstattung: Canyon spendiert seinem 29er leichte Mavic-Wheels, solide Shimano/Sram-Parts und eine edle Rock-Shox-Reba-Gabel mit Steckachse – die für mehr Steifigkeit sorgen soll.

Die traditionellen Marken Centurion, Conway und GT bieten in der 1000-Euro-Liga eher schwere Parts wie zum Beispiel gruppenlose Kurbelgarnituren mit Octalink-Innenlager. Etwas ernüchternd: Bis auf Centurion setzt kein Hersteller an den 29ern auf 180er-Bremsscheiben. Schade, denn der größere Hebel der Räder bringt ein hohes Drehmoment auf die Bremse.

Kritikpunkt Reifen: Der oft verbaute, preisgünstige Rapid Rob von Schwalbe und die schwach profilierten Maxxis-Reifen (GT) sorgen für wenig Grip. Positiv: Die insgesamt sehr hochwertig ausgestatteten Bikes von Radon, Canyon und Bulls (nur 26er) setzten auf griffige „Evo“-Reifen von Schwalbe.

Die Duellanten im großen Praxisvergleich

Die Trails am Gardasee dienten als Schauplatz der Duelle. Die spannende Frage: Können die 26er ihren Vorsprung aus dem Labor verteidigen? Auf einer für Hardtails prädestinierten Teststrecke fuhren vier Tester die „ungleichen Brüder“ im direkten Vergleich hintereinander.

Anschließend musste sich jeder entscheiden: 29 oder 26 Zoll? Beim Handling zeigten alle 26er den spürbar verspielteren Charakter, während die 29er etwas behäbiger in den Kurventanz gingen, den Fahrer dafür aber sicherer gen Tal chauffierten. In der Gegenrichtung dann ein anderes Bild: Die 26er nutzen ihre Leichtfüßigkeit und beförderten die Piloten in der Regel etwas schneller zum Gipfel. Nur leichte 29er wie von Canyon und Radon konnten Schritt halten.

Und wie sieht die Sache in der Summe aus? Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Unterschiede zwischen der Herstellern fallen einfach zu groß aus. Selbst bei den Duellen von Bikes derselben Marke ergibt sich kein einheitliches Bild. Umso wichtiger wird der Blick in die Testbriefe auf den folgenden Seiten.

Wer hier Gewichte, Ausstattung und Fahreigenschaften miteinander vergleicht, seine Prioritäten zwischen den Eckpunkten Wendigkeit und Laufruhe setzt und das Ganze in ein Preis-Leistungs-Verhältnis bringt, findet garantiert das richtige Bike. Wer sich diese Arbeit ersparen will, vertraut ganz einfach den MountainBIKE-Siegeln „Kauftipp“ und „Testsieger“.



Die Mountainbikes im Test:

16.05.2013
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2013