Test: 20 MTB-Schuhe - Herren- und Damen-Modell um 130 Euro (2014)

20 Mountainbike-Schuhe im Test


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Test MTB-Schuhe
Foto: Dennis Stratmann

 

20 Mountainbike-Schuhe im Test
Foto: Benjamin Hahn

 

20 Mountainbike-Schuhe im Test
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Mountainbike Schuhe im Test
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20 Mountainbike-Schuhe im Test
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Leicht, steif und vielseitig: Moderne MTB-Schuhe vereinen die Features teurer Highend-Race-Schuhe mit Allround-Eigenschaften für den Toureneinsatz. MountainBIKE prüfte 20 aktuelle ­Damen- und Herrenmodelle um 130 Euro.

Vom entspannten Tourenfahrer bis zum aggressiven Enduro-Racer – Klick-Schuhe mit klassischem Klett- und Ratschenverschluss haben Anhänger in allen Disziplinen des Mountainbike-Sports. Aus gutem Grund.

Die Mehrheit der Mountainbiker wünscht sich einen MTB-Schuh, der die Beinkraft verlustfrei auf das Pedal überträgt und zugleich hohen Tragekomfort für lange Ausfahrten bietet.

Darüber hinaus verlangen MTB-Touren in technischem oder in unbekanntem Terrain nach guten Geheigenschaften und griffigen Sohlenprofilen. Denn gelegentliche Schiebe- und Tragepassagen gehören zum Mountainbiken einfach dazu.

Kaufklasse-Schuhe: das Beste aus zwei Welten

Mit steifen Nylonsohlen ausgestattet, erzielen MTB-Schuhe der Preisklasse um 130 Euro bereits eine sehr effiziente Kraftübertragung. Der Steifigkeitsunterschied zu edlen Highend-Modellen mit Carbon-Sohle dürfte für die meisten Mountainbiker kaum spürbar sein.

Das mit einem Kaufklasse-Schuh gesparte Geld jedoch umso mehr, denn teure HighEnd-Schuhe kosten nicht selten doppelt so viel wie die preiswerten Allrounder. Doch auch der Tragekomfort spricht für die günstigeren Racer, denn die Carbon-Sohlen spezieller Race-Schuhe geben Stoßbelastungen kaum nach.

Schläge und Erschütterungen werden daher auf die Füße des Mountainbikers übertragen, wodurch diese schneller ermüden. Außerdem: Dank handlicher Ratschen- und Klettverschlüsse lassen sich die Allrounder schneller als geschnürte MTB-Tourenschuhe an den Fuß anpassen.

Und auch diese Forderung erfüllen sie: Mit ihren komfortabel abrollenden, griffig profilierten Sohlen sind sie für kurze und mittellange Schiebe- und Tragepassagen gut geeignet.

Um herauszufinden, welcher MTB-Schuh hohe Kraftübertragung, ergonomischen Tragekomfort und gute Geheigenschaften perfekt vereint, lud MountainBIKE 20 Modelle um 130 Euro zum Praxis- und Passform-Test.

MTB-Schuhe von 90 Euro bis 160 Euro im Testfeld

Das untere Ende der Preisskala markiert der MTB-Schuh von Versender Rose für 90 Euro, die Obergrenze des Testfelds stecken das Damen- und Herrenmodell von Specialized für 160 Euro ab. Damit die hier getesteten Modelle Sie auf Tritt und Schritt perfekt begleiten sowie die Kraft souverän aufs Pedal übertragen, muss der Schnitt zu Ihrem Fuß passen.

Um die Passform der Testkandidaten zu ermitteln, schlüpfte die MountainBIKE-Testcrew, "gesegnet" mit normalen, schmalen, breiten sowie Platt- und Senkfüßen, in sämtliche Schuhe und prüfte deren Schnitte im direkten Vergleich.

Die Ergebnisse finden Sie als grafische Darstellung in den Testergebnissen weiter oben auf der Seite. Vor dem Kauf ist eine individuelle Anprobe jedoch Pflicht. Tipp: Mit Ausnahme der acht als Damenmodelle gekennzeichneten MTB-Schuhe sind die übrigen zwölf beinahe durchgängig Unisex-Modelle. Ladys, die mas­kulines Design nicht abschreckt, können hier bedenkenlos zugreifen.

Mit Gewichten um 720 Gramm (Größe 42) wiegen Kaufklasse-Racer nur etwa 40 Gramm mehr als Highend-Modelle. Spitzenreiter in der Gewichtswertung, die mit 25 Prozent in die Endnote einfloss, sind die Modelle von Giro und Mavic mit weniger als 700 Gramm Paargewicht.

Viele MTB-Schuhe liegen auf einem sehr guten Niveau. Die massive, schwere Gummisohle des Lake drückt allerdings aufs Gewicht, bewirkt im Gegenzug aber eine super Geh-Performance. Mit seiner dicken, steifen Kunststoffsohle erreicht der Vittoria starke Kraftübertragung, das Gesamtgewicht von knapp 840 Gramm ist jedoch zu hoch.

Power to the pedal: Das Mountainbike hat zwei Gaspedale!

Verlustfreie Kraftübertragung (35 Prozent der Endnote) und geringes Gewicht vereinen die MTB-Schuhe von Giro, Shimano, Bontrager und der Herren-Scott. Sie sind mit extrem steifen Sohlen ausgestattet. Nicht zuletzt besitzen sie eine ausgereifte Passform, die einen effizienten Kraftfluss unterstützt.

Prima: Alle ­Modelle liegen auf sehr gutem Niveau, einzig der preisgünstige Rose-Schuh erzielt "nur" einen guten Wert – seine mittelfeste Sohle, die mäßige Fixierung des Fußes durch sein weiches Obermaterial und eine recht flache Einlegesohle sorgten bei ­einigen Testern für einen rutschigen Sitz.

Ähnlich einer Blattfeder absorbiert das Fußgewölbe einen Teil der Beinkraft beim Pedalieren, wodurch der Fuß im Schuh "arbeitet". Diese Bewegung kann zu Beschwerden wie brennenden Fußsohlen oder Taubheitsgefühlen führen. Eine Unterstützung des Fußgewölbes (15 Prozent der Endnote) durch ergonomisch geformte Einlegesohlen und ein gewölbtes Fußbett unter der Einlegesohle helfen, die Bewegungen des Fußes aufzufangen. Eine bessere Kraftübertragung ist der gewünschte Nebeneffekt.

Testnote setzt sich aus unterschiedlich gewichteten Faktoren zusammen

Top: Die Mountainbike-Schuhe von Scott besitzen ab Werk Einlegesohlen, die auf Wunsch mit verschiedenen Keilen unterlegt und an die individuelle Fußform angepasst werden können. Auch das Herrenmodell von Specialized fand die Zustimmung der Tester. Kritik ernteten die flachen Fußbetten der Schuhe von Diadora, Rose und Vaude. Für eine bessere ­Fixierung des Fußes im Schuh sollten diese Modelle mit ergonomischen Einlegesohlen aufgerüstet werden.

Die Bedienung der Verschlüsse wurde mit 15 Prozent gewichtet. In dieser Preisklasse ist das System mit Ratsche und zwei Kletts verbreitet und erzielt meist sehr gute Ergebnisse. Simpel gelingt der Einstieg dank handlicher Ratsche und weitem Einstieg an den Shimano-Modellen.

Das Boa-System an den MTB-Schuhen von Specialized und die angenähte Zunge sorgten für top Sitz, machten den Einstieg aber zur Geduldsprobe. Der Herren-Vaude besitzt eine ­hakelige Ratsche, welche die Anpassung erschwert, das Damenmodell besitzt recht schwergängige Kletts, die den Fuß nicht stark genug fixieren.

Die Gehleistung der getesteten MTB-Schuhe (10 Prozent der End­note) ist aufgrund steifer Sohlen schlechter als bei klassischen Tourenschuhen, weshalb kein Modell die volle Punktzahl erhielt. Sämtliche Testkandidaten bieten jedoch mindestens gute bis sehr gute Geheigenschaften. Schiebe- und Tragepassagen von etwa 15 Minuten können mit ihnen ohne Weiteres bewältigt werden.

Mit geringem Gewicht und top Kraftübertragung erringen die race-lastigen Schuhe von Giro den Testsieg. Beide Shimano-Modelle überzeugen mit besten Allround-Eigenschaften zum günstigen Preis – Kauftipp!

 

20 Mountainbike-Schuhe im Test
Foto: MountainBIKE Schuh mit normal dimensionierter Zehenbox, breitem Mittelteil und enger Ferse.

MTB-Schuhe im Passform-Check

Gelb: Fallen die Schuhinnendimensionen normal aus, ist der Schuh gelb markiert. Im Schaubild sehen Sie die beispielhafte Darstellung eines Schuhs, dessen Zehenbox normal dimensioniert ist. Zehen brauchen Bewegungsfreiheit. Ist die Zehenbox zu flach, leidet der Tragekomfort. Im Extremfall können sogar schmerzhafte Druckstellen entstehen.

Grün: Einen weiten Schuhbereich erkennen Sie leicht an der grünen Färbung. Biker mit hohem Spann und breitem Fuß sollten einen Schuh mit großem Ballenmaß wählen.

Orange: Besonders enge Schnitte sind orange eingefärbt. Das Schaubild zeigt einen Schuh mit besonders enger Ferse. Für perfekten Sitz darf der Schuh hier nicht zu weit ausfallen, sonst leidet die Kraftübertragung – der Fuß "schwimmt" im Schuh. Die Fersenkrümmung verhindert, dass der Fuß beim Gehen herausrutscht.

Tipps zu Cleats und Pedalen:

Fotostrecke: MTB-Klickpedale: Cleats am Mountainbike-Schuh richtig befestigen

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Cleats am MTB montieren Foto: Benjamin Hahn
Cleats am MTB montieren Foto: Benjamin Hahn
Cleats am MTB montieren Foto: Benjamin Hahn

Fotostrecke: MTB-Pedale demontieren und montieren – so funktioniert’s

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Mountainbike-Pedale richtig demontieren Foto: Benjamin Hahn
Mountainbike-Pedale richtig demontieren Foto: Benjamin Hahn
Mountainbike-Pedale richtig demontieren Foto: Benjamin Hahn
13.06.2014
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 04/2014