Neun Regenhosen für Mountainbiker im Test

So funktioniert der Dampfdurchlass

Wenn der Körper „heiß läuft“, ist schwitzen überlebenswichtig. Aber wie dringt der entstehende Wasserdampf durch die „Dichte“ Regenhose? MountainBIKE erklärt Aufbau und Funktion der Beinschützer.

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MountainBIKE Regenhosen Dampfdurchlass
Das Material von Regenbekleidung ist aus mehreren Lagen aufgebaut.

Wer sich körperlich anstrengt, produziert Schweiß. „Schuld“ daran trägt das Bio-Kraftwerk Mensch: Zur Energiegewinnung verbrennt unser Organismus Nährstoffe – ein energetisch eher ungünstiger Prozess, bei dem nur 20 bis 25 Prozent der chemischen Energie in mechanische Energie umgewandelt werden.

Aus dem Rest entsteht als Abfallprodukt Wärme. Damit der Körper dabei nicht überhitzt, produziert er Schweiß, der auf der Haut kühlend verdunstet und die Körpertemperatur konstant hält. Schon in einer Stunde moderaten Bikens verdampfen, je nach Veranlagung, 1 bis 1,5 Liter Flüssigkeit auf der Haut. Ohne das geniale Kühlsystem würde sich der Körper bei dieser Belastung um 10 bis 15 Grad erwärmen – das wäre tödlich!

Und was hat der Regenschutz damit zu tun? Eine Menge, denn der bei der Schweißverdunstung entstehende Wasserdampf muss „ins Freie“ – sonst würde der Biker buchstäblich im eigenen Saft garen. Um diesen Abtransport zu ermöglichen, setzen viele Hersteller auf eine einlaminierte, mikroporöse Membranschicht (2). Diese sitzt an der Innenseite des Oberstoffs, besteht meist aus PTFE (Teflon) und besitzt pro cm2 circa 1,4 Milliarden(!) Poren.

Letztere sind 20 000 Mal kleiner als ein Wassertropfen und halten damit den Regen fern. Gleichzeitig gelangen die erheblich kleineren Wasserdampfmoleküle durch die Membran nach außen: Die Hose ist dampfdurchlässig oder „atmend“.

Der oft gebrauchte Begriff Atmungsaktivität ist streng genommen falsch, da der Transport „passiv“ verläuft: Die meisten Membranen benötigen ein Druckgefälle zwischen Innen- und Außenseite – die Wasserdampfmoleküle werden zum niedrigeren Druck durch die Membran geleitet. Je größer das Temperaturgefälle zwischen Körper und Umgebung, desto besser klappt‘s.

Zum Aufbau einer 3-Lagen-Regenhose gehört ferner eine abriebfeste, meist DWR-(durable water repellant)imprägnierte Außenlage (1). Diese schützt die Membran und lässt Regen bereits abperlen. Eine dritte, körpernahe Innenschicht (3), häufig ein Leichtgewebe aus Futterstoff , bewahrt die empfindliche Membran vor aggressivem Schweiß, verteilt diesen und sorgt für ein angenehmes Tragegefühl.

2,5-Lagen-Hardshells besitzen statt des Innenfutters einen feinen Schutzfilm etwa aus Carbon – dies macht die Hose meist noch leichter und kompakter, aber weniger robust und weniger bequem.


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27.02.2014
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 11/2013