12 Softshell-Jacken für Mountainbiker im Test

Test: 12 Softshell-Jacken für Mountainbiker


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Softshell-Jacken im Test
Foto: Benjamin Hahn

 

Craft Active Bike Siberian Jacket
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Craft Active Bike Siberian Jacket
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Softshell-Jacken im MountainBIKE-Test

 

Gonso Thermo-Active-Jacke Antony
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Softshell-Jacken sorgen bei kalten Temperaturen für Wohlfühlklima auf dem MTB. Welches Modell bringt Sie perfekt durch die kalten Tage? MountainBIKE hat 12 Jacken getestet.

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Dank Softshell-Bekleidung muss heutzutage kein Mountainbiker befürchten zu erfrieren oder im eigenen Saft zu garen. Rollten winteraktive Mountainbiker lange Zeit mit einer zwar wärmenden, aber schwitzig-stickigen Kombination aus Unterhemd, Wintertrikot und Regenjacke über die Trails, so haben moderne Soft­shell-Jacken das Zwiebelprinzip aus mehreren Bekleidungsschichten inzwischen abgelöst.

Durch seinen mehrlagigen Aufbau vereint Soft­shell-Material die Vorteile von winddichter und wetterfester Bike-Bekleidung mit den wärmenden Eigenschaften eines Fleece: Ein imprägnierter Oberstoff lässt leichten Niederschlag abperlen und schützt die darunter liegende wind- und wasserdichte Membran vor Abrieb.

An der Innenseite ist ein Futter mit der Membran verklebt, welches ein wärmendes Luftpolster bildet. Anders als Regenjacken oder Hardshells aus starrem Material sind Softshell-Jacken elastisch und bieten Bewegungsfreiheit sowie körpernahen Sitz.

Mountainbiken in Unterwäsche: das Zwei-Lagen-Prinzip

Je nach Dicke und Dichte des Futters muss unter der Softshell-Jacke selbst bei Temperaturen bis minus zehn Grad nur ein langes Funktionsunterhemd getragen werden. Doch welche Softshell vereint hohe Wärmeleistung und schwitzfreies Klima-Management am besten? Um das herauszufinden, lud MountainBIKE zwölf aktuelle Jacken für Männer und Frauen im Preisbereich zwischen 100 und 200 Euro zum großen Praxistest.

Die Testanforderung: Die Jacken sollen in Kombination mit einem Funktionsunterhemd zum Biken bei Temperaturen zwischen minus zehn und plus fünf Grad geeignet sein. Damit bei solchen Bedingungen ein Auskühlen des Körpers samt anschließender Erkältung verhindert wird, muss die Jacke hohe Wärmeleistung bieten sowie winddicht sein. Als wichtigstes Testkriterium floss der Kälte-/Windschutz mit 35 Prozent in die Endnote ein.

Auf vielen Trail-Kilometern spürte das MountainBIKE-Testteam jedes Schlupfloch für Fahrtwind und Kälte an den Jacken bei Temperaturen um null Grad auf. Der durch den Fahrtwind hervorgerufene "Windchill-Effekt" bewirkte, dass die gefühlte Temperatur auf nur noch etwa minus fünf Grad sank.

Winddichte Jacken bieten besten Schutz

Den Schutz vor Kälte und Wind meistern winddicht konstruierte Jacken mit flauschigem Innenfutter wie das Herren- und Damen-Modell von ­Gore perfekt. Zwar sind auch die Modelle von Craft und Sugoi winddicht, sie besitzen jedoch ein dünnes Futter und lassen den Fahrer rasch auskühlen.

Die Damen-Vaude ist ebenfalls winddicht, besitzt jedoch einen weiten Kragen, der Fahrtwind eindringen lässt. Damit das Klima einer Jacke nicht zu schwitzig-feucht wird, verarbeiten viele Hersteller luftdurchlässige Stretch-Materialien. Diese sitzen meist am Rücken, den theo­retisch nur wenig Fahrtwind erreicht.

Der Praxistest widerlegt dies jedoch: An den Modellen von Gonso und Protective besteht fast der gesamte Rücken aus Stretch, wodurch bei Fahrten ohne Rucksack die Kälte zum Körper gelangt. Weniger windanfällig sind kleinere Belüftungseinsätze wie bei der allerdings nur dünn gefütterten Löffler.

Solche unter den Armen wie bei Mavic und dem Herren-Modell von Vaude lassen kälteempfindliche Biker ebenfalls frösteln. Besser macht es die Pearl Izumi für Herren: Doppeltes, gelochtes Material dient hier als "Schleuse" und lässt Wind nur langsam eindringen.

Damit der Körper bei Belastung nicht überhitzt, produziert er Schweiß, um den Organismus zu kühlen. Ein gutes Klima-Management der Jacke (20 Prozent der Endnote) durch dampfdurchlässige Membranmaterialien und im Idealfall Belüftungsreißverschlüsse ist daher Pflicht, sonst kann es rasch unangenehm feucht oder gar klamm werden.

Schwitzfrei, aber auch recht kühl ist das Klima in den Modellen von Löffler und Protective. Diese Modelle sind nur in Kombination mit einem dicken Unterhemd fürs Biken mit hoher Belastung noch geeignet. Obgleich sehr warm, bietet das Softshell-Material der Jacken von Gore, Pearl Izumi und Vaude sehr guten Feuchtigkeitstransport.

Perfekt: Die Herren-Gore kann bei Bedarf mittels Unterarmreißverschlüssen belüftet werden, hält ansonsten dicht gegen Wind und Kälte. Die Damen-Jacken von Gore und Vaude besitzen keine Belüftungsoptionen. Das Membranmaterial der Jacken von Gonso und Mavic "atmet" schlecht, die Belüftungseinsätze sorgen jedoch für Klimaregulierung. Auch bei Craft und Sugoi sammelt sich Schweiß im Material, gelangt aber mangels Belüftung kaum nach außen.

Die Passform der Testkandidaten gewichtete MountainBIKE mit 20 Prozent. Ein zu weit geschnittener Kragen oder ausladende Ärmel wie an den Modellen von Vaude können Fahrtwind eindringen lassen. Eine Beschreibung der Passform finden Sie in den Testbriefen.

Die Palette reicht vom äußerst sportlichen Schnitt der Mavic bis zu beinah unsportlich-bequem (Vaude). Die goldene Mitte treffen Gore, Löffler und Pearl Izumi. Ihre Jacken bieten Bewegungsfreiheit, dichte Abschlüsse an Kragen, Armen und Bund sowie einen körpernahen Sitz.

Abriebtest dokumentiert Materialverschleiß

Der durchschnittliche Kaufpreis der Testkandidaten liegt bei 158 Euro – nicht gerade ein Schnäppchen! Damit Sie lange Zeit Freude an Ihrer Softshell haben, erweiterte MountainBIKE den Verarbeitungs-Check um einen Abriebtest, der den Materialverschleiß dokumentiert (zusammen 15 Prozent der Endnote).

Der Abriebtest hinterließ bei den Jacken von Vaude keinerlei Spuren. Craft, Gonso, Protective und Sugoi zeigten hingegen stark aufgerautes Material und/oder Fadenzug. Die Jacken von Gore, Löffler, Mavic sowie das Damenmodell von Pearl Izumi hielten länger stand und erzielten ein sehr gutes Ergebnis.

Prima: In puncto Verarbeitung liegen fast alle Jacken auf sehr gutem Niveau. Leichter Fadenzug war an der Damen-Gore, Craft und Sugoi zu erkennen. Enttäuschend: An zwei Craft-Jacken löste sich die Membran durch mehrere Waschgänge vom Obermaterial. Alle übrigen Jacken überstanden den Waschmarathon unbeschadet.

Softshelljacken sollen Regenschauer standhalten

Zwar ließ MountainBIKE den Regenschutz nicht in die Bewertung einfließen, einem kurzen Schauer sollte die Jacke jedoch standhalten. Alle Modelle mit Belüftungseinsätzen (Gonso, Löffler, Mavic, Protective, Vaude [Herren], Pearl Izumi [Damen]) lassen Regen schnell zum Körper vordringen.

Die Damen-Gore, Pearl Izumi (Herren), Sugoi sowie die Herren-Vaude liefern passable Ergebnisse. Erneut punktet die Herren-Gore mit top Schutz, besitzt im Schulterbereich gar getapete Nähte.

Die Ausstattung der Jacken floss mit zehn Prozent in die Endnote ein. Eine Reißverschlusstasche an der Front, eine Anpassung von Bund oder Kragen, Belüftungsoptionen und Reflektoren sollten bei jeder Softshell im Pflichtenheft stehen.

Top: Die Herrenmodelle von Gore und Vaude verwöhnen mit üppiger Ausstattung. Weniger top: Der Craft muss in Sachen Ausstattung nahezu überall passen. Die Fusion Tool von Gore bietet darüber hinaus top Kälte-/Windschutz, angenehmes Klima, und prima Haltbarkeit. Auch bei den Damenmodellen siegt die Gore. Den Kauftipp sichern sich die beiden weitgeschnittenen Jacken von Vaude.


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05.02.2014
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 02/2014