Schaltungen komplett im Test

Dauertest: Sram XX1 Eagle

Sram XX1 Eagle
Foto: Benjamin Hahn
Sind 1x12 Gänge das neue Maß der Dinge in Sachen MTB-Schaltung? Wir haben die Sram XX1 Eagle fünf Monate lang getestet. Hier gibt's den Testbericht.

Was uns gefällt

  • 1-fach-Gruppe mit ausreichender Bandbreite – auch für die Alpen
  • Exzellente Schalt-Performance
  • Keinerlei Probleme im bisherigen Dauertest über 1500 km
  • Kein ungewöhnlicher Verschleiß

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Der Adler ist gelandet! Kaum eine Schalt-/Antriebsgruppe hat je für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie die seit Sommer 2016 erhältliche Sram Eagle, die es als CC-/Marathon-optimierte XX1- sowie als etwas stabilere X01-Gruppe gibt.

Dabei ist die Eagle „nur“ die konsequente Fortsetzung dessen, was Sram seit über einem halben Jahrzehnt verfolgt: vorne nur ein Kettenblatt, fort mit Umwerfer und zweitem Schalthebel.

Die Vorteile sind geringeres Gewicht, simple Schaltlogik, cleane Optik und weniger Defekte, da einige Bauteile sowie die strapazierenden Schaltwechsel an der Kurbel wegfallen. Dennoch setzten sich die bisherigen 1 x 11-Gruppen flächendeckend nur in Randbereichen (CC, Enduro) durch.

Zumindest in Europa. Denn den meisten Touren- und All-Mountain-Bikern mangelte es schlicht an Bandbreite, speziell im Alpinen. Das soll mit Eagle passé sein, am Hinterrad rotiert eine fast kurios groß aussehende Kassette mit zwölf Ritzeln und einer Abstufung von 10–50 Zähnen. Die Gesamtbandbreite beträgt dadurch satte 500 Prozent, vergleichbar mit 2 x 10 Gängen, minimal weniger als bei 2 x 11.

Klar, dass ich es kaum erwarten konnte, eine der ersten Seriengruppen an mein Rad zu schrauben. Das heißt: Zunächst wanderte die Sram XX1 Eagle an mein 29"-Tourenfully, später an mein 29"-Racefully.

Rund 1500 km konnte ich der Eagle aufzwingen, das meiste davon im alpinen Gelände während eines zweimonatigen Aufenthalts in Ost- und Südtirol. Höhepunkt: Die doppelte Bewältigung des Stoneman-Dolomiti-Trails mit über 230 km und 8000 Hm – quasi nonstop in 25 Stunden.

Probleme mit der Eagle waren dabei Fehlanzeige. Kein Kettenklemmer- oder -abwurf, kein Ketten- oder Seilzugriss, keine springenden Gänge, nicht mal ein Verschalter. Zudem begeisterte mich die Eagle mit ultrapräzisen, Sram-typisch knackigen, dabei dennoch leichtlaufenden Gangwechseln. Das ist Mechanik auf allerhöchstem Niveau, Chapeau!

Der im Vergleich zu den 11-fach-Gruppen neu gestaltete Trigger liegt gut am Finger, der kleine, obere Drücker könnte für mich aber etwas länger sein. Die Bandbreite? Für mich ideal. Selbst übel steile Stiche waren am Tourer vorne mit einem 30er-Blatt kein Problem, am Racer auch mit 32er-Blatt gut zu bewältigen.

Bleiben die spürbar größeren Gangsprünge: Für mich nicht störend, wer stets die perfekte Kadenz treten mag, muss sich aber wohl umstellen.
Klasse: Bei unserem Werkstatt-Check konnten wir noch keinen ungewöhnlichen Verschleiß feststellen. Die in der Tat schmale (um 0,5 mm außen schmaler als 11-fach) Kette hat sich um 0,75 % gelängt – normal für die Laufleistung, hier wäre ein Tausch aber ratsam.

Kettenblatt und Kassette zeigen übliche Gebrauchsspuren, sind wohl noch für die doppelte Laufleistung gut. Wie am ersten Tag funktioniert die Mechanik von Hebel und Werfer.

 

André Schmidt
Foto: Benjamin Hahn André Schmidt, MOUNTAINBIKE-Testchef

Das sagt unser Testchef André Schmidt zur Sram XX1 Eagle:

„Wer noch Vorbehalte gegenüber 1-fach-Gruppen hegt, sollte die Eagle unbedingt testen.“

Technische Daten des Dauertest: Sram XX1 Eagle

Preis: ca. 1200 Euro (ohne Innenlager)
Gesamtgewicht: * 1467,5 g

* Gruppe mit Hebel, Schaltwerk, Kassette, Kette (114 Glieder), Kurbelarme mit BB30-Welle und 30er-Kettenblatt. Ohne Schaltzug, ohne Innenlager


14.02.2017