Waldgesetz in Hessen: Konstruktive Ergebnisse statt Trailverbot - wir wollen Ihre Meinung zum Thema

MB - Lieblingstrails
Foto: Dennis Stratmann
Im Kampf um das umstrittene Waldgesetz in Hessen gibt es nach Gesprächen am Runden Tisch Annäherungen zwischen den beteiligten Interessenvertretungen und erste Erfolge für die Mountainbiker zu vermelden. Wir haben die Einzelheiten und wollen Ihre Meinung zum Thema.

Am vergangenen Montag trafen sich auf Einladung der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich Vertreter der durch das neue hessische Waldgesetz betroffenen Verbände zu ersten Gesprächen. In einem fünfstündigen Gesprächsmarathon wurden Leitlinien zum neuen Waldgesetz formuliert, die es allen Gruppen ermöglichen sollen, den Wald auch weiterhin zu nutzen.

Der Vorsitzende der Deutschen Initiative Mountainbike e.V. (DIMB), Thomas Kleinjohann, zeigte sich zufrieden mit den vereinbarten Leitlinien. „Wir Radfahrer sind insbesondere erleichtert, dass wir den im Rahmen der öffentlichen Diskussion teilweise entstandenen Eindruck revidieren konnten, ohne Rücksicht auf Verluste überall durch den Wald brettern zu wollen", sagte Kleinjohann.

Die vereinbarten Leitlinien zum Waldgesetz lauten wie folgt:

  • Der Wald soll für alle nutzbar sein.
  • Gegenseitige Rücksichtnahme der Nutzer aufeinander und auf die Natur ist unerlässlich. Dem Schwächeren gebührt der Vorrang.
  • Radfahren oder Reiten soll nur auf offiziell angelegten, befestigten oder naturfesten Wegen [dies beinhaltet auch Single-Trails; Anm. d. Red.] möglich sein, auf denen gefahrloser Begegnungsverkehr der Waldbesucher erfolgen kann.
  • Das illegale Anlegen von Wegen ist zu unterbinden.
  • Zur Konfliktlösung ist die Besucherlenkung durch Ausweisung spezieller Reitwege oder Mountainbike-Strecken sinnvoll.
  • Veranstaltungen, die nach Art und Umfang zu einer Beeinträchtigung des Waldes führen können, bedürfen der Zustimmung des Eigentümers. Dies gilt auch für kommerzielle Veranstaltungen.
  • Der Begriff der Beeinträchtigung muss definiert werden.
  • Auf eine Vorschrift, die das Betretungsrecht mehrerer Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks regelt, wird verzichtet.
  • Die beteiligten Verbände streben den Abschluss einer freiwilligen Vereinbarung zur Ausübung des Natursports in hessischen Wäldern an, um die notwendige lokale und regionale Verständigung zu fördern.

Der Gesetzentwurf zum neuen hessischen Waldgesetz sorgte Anfang des Sommers für große Aufregung bei Mountainbikern in Hessen (wir berichteten). Der Grund: Die Neufassung des Gesetzes hätte das Mountainbiken auf Single-Trails in hessischen Wäldern unmöglich gemacht.

Mountainbiken sollte laut dieses Gesetzentwurfs auf Wege beschränkt werden, die „von nicht geländegängigen, zweispurigen Kraftfahrzeugen ganzjährig befahren werden können.“ Das hätte konkret bedeutet, dass Wege mit einer Breite von weniger als drei Metern für Biker tabu sind.

Außerdem sollte das Biken in Gruppen nur erlaubt sein, wenn „nach den örtlichen Gegebenheiten eine Beeinträchtigung des betroffenen Waldgebietes nicht zu erwarten ist". Für Waldbesitzer hätten laut dem Gesetzentwurf zudem geringere Hürden gegolten, Mountainbikern das Fahren im Wald zu verbieten.

Fast 46.000 Mountainbiker unterzeichneten daraufhin eine Petition der DIMB, um gegen den Gesetzentwuf zu protestieren.




24.09.2012
Autor: Sebastian Hohl / Holger Schwarz
© MOUNTAINBIKE