Projekt Cape Epic: So lief die zweite Etappe

Foto: Sam Clark/Cape Epic/SPORTZPICS Auch die zweite Etappe beim Cape Epic 2017 war eine Hitzeschlacht.

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Der dritte Tag beim Cape Epic war ein historischer. Wegen der sengenden Hitze verkürzte die Rennleitung erstmals eine Etappe. Der dreifache Cross-Weltmeister Mike Kluge und unser Chefredakteur Jens Vögele sind am Start und erzählen, wie's lief.

Es war nicht die schönste Nachricht auf meinem Telefon heute Morgen. Aber definitiv die zweitschönste. "Die Etappe wird auf 62 Kilometer verkürzt." Uff!

Nach der ultraharten ersten Etappe mussten schon viele Hobbyteams beim Cape Epic die Segel streichen, das medizinische Team hatte alle Hände voll zu tun. Und auch wenn sich die Organisatoren für das Verständnis für die Entscheidung bedankten - ich gehe mal davon aus, dass niemand so wirklich unglücklich über die Verkürzung war.




Trotzdem hart

Mike war es auf jeden Fall nicht. Und ich erst Recht nicht - weil mir die Hitzeschlacht vom Vortag noch mächtig in den Knochen steckt. Und 62 Kilometer Cape-Epic-Terrain bei mehr als 40 Grad sind trotzdem noch krass. Mitten in der sengenden Sonne gab es eine Bergwertung. Ein Kilometer lang. Von oben dröhnte Musik runter, irgendwann kam das Schild: Noch 200 Meter. Das Problem war nur, dass es nach dem Torbogen auf der Kuppe nochmal ungefähr 500 Meter weiter hoch ging.

Wenigstens waren die Trails auf der Abfahrt der Hammer. "Ich bin kein Radfahrer", sagte eine der beiden Wuchtbrummen, die irgendwo am Straßenrand standen und uns mit ihren Gartenschläuchen abkühlten und unsere Trinkblasen auffüllten: "Aber ihr braucht Wasser". Er hatte dagegen einen ordentlichen Becher Whisky-Cola in der Ablage seines Campingstuhls stehen. Und Mike hat sich, während meine Trinkblase gefüllt wurde, davon einen Schluck unbemerkt gegönnt. Und ich hab's Mike gegönnt, weil er auch heute wieder geduldig mit mir war. Der Gartenschlauch der Wuchtbrumme hat mir heute das Leben gerettet und meine Körpertemperatur während einer langen Dusche darunter wahrscheinlich ungefähr halbiert.

Foto: Mike Kluge Unser Chefredakteur Jens Vögele beim Cape Epic.

Abkühlung per Wasserschlauch. Anwohner füllten an der Strecke unsere Trinkblasen auf und versorgten uns mit kalten Duschen.

Glück gehabt

"Es sind noch 18 Kilometer ins Ziel, aber die werden sich wie 100 anfühlen", prognostizierte die Wuchtbrumme - und ganz ehrlich, nach dem demoralisierenden Etappenfinale von gestern waren wir auf so ziemlich alles gefasst. Aber dann: Eine lange Schotterstraße - endlich rollt es mal. Mike nimmt mich in den Windschatten und wir fliegen fast Richtung Ziel. Von den Kindern, die auf der Abfahrt auf der Strecke tobten, lief ein Mädchen plötzlich Mike vors Bike. Aber irgendwie haben wir's geschafft vorbeizukommen. Das war knapp.

In Caledon, wo die verkürzten Etappe endet, liegt das Ziel sichtbar links oben am Hang. Aber die Strecke führt erstmal drei Kilometer in die andere Richtung. Und dann auf einem ruppigen Trail wieder zurück. Wer sich drüber beschwert, kriegt von erfahrenen Epic-Teilnehmern hier aber nur die lapidare Antwort: "That's the epic".

Cape Epic 2017: So lief die 2. Etappe bei den Profis

Foto: privat Mike Kluge und Jens Vögele fahren zusammen das Cape Epic

MOUNTAINBIKE-Chefredakteur Jens Vögele und der dreifache Cross-Weltmeister Mike Kluge fahren zusammen das Cape Epic und berichten von ihren Eindrücken.




21.03.2017
Autor: Jens Vögele
© MOUNTAINBIKE