MTB-Weltcup Albstadt: Sensationssieg durch Daniel McConnell - Eva Lechner gewinnt Frauen-Rennen


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MTB-Weltcup Albstadt 2013 Daniel McConnell
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MTB-Weltcup Albstadt 2013
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MTB-Weltcup Albstadt 2013
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MTB-Weltcup Albstadt 2013
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MTB-Weltcup Albstadt 2013
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Der UCI Mountainbike-Weltcup in Albstadt ist mit dem Sensationssieg des Australiers Daniel McConnell zu Ende gegangen. Bei den Damen feierte die Italienerin Eva Lechner den zweiten Weltcup-Sieg ihrer Karriere.

Der erste Cross-Country-Weltcup in Albstadt ist Geschichte - und er hat Geschichte geschrieben. Besser gesagt: der Australier Daniel McConnell hat sie geschrieben. Vor einem begeisterten Publikum gewann er ein turbulentes Rennen, das den Sport in eindrucksvoller Manier präsentierte.

Ein kurzer Regenschauer am Ende des Damen-Rennens beeinflusste auch das Geschehen bei den Herren. In der ersten von sieben Runden war es sehr glitschig, bevor der Boden wieder zu trocknen begann und dadurch zum Problem für Kette und Schaltung wurde.

Opfer waren zwei große Namen. Weltmeister Nino Schurter (SUI) stürzte in der ersten Runde in Führung liegend und dann gleich noch einmal. Er hatte wohl bei der Reifenwahl nicht richtig zugegriffen und wurde nur 18.

Doppel-Olympiasieger Julien Absalon (FRA) übernahm die Führung baute sie in begeisternder Manier bis zur fünften Runde auf 1:30 Minuten aus. Doch dann riss ihm das Schaltwerk ab und der 25-fache Weltcupsieger gab das Rennen entnervt auf. Der Weg zur nächsten Technischen Zone war zu weit.

An der Spitze tauchte Fabian Giger (SUI) auf. Er wurde abgelöst vom spanischen EM-Zweiten Sergio Mantecon, doch in der letzten Runde war plötzlich auch Olympiasieger Jaroslav Kulhavy (CZE) im Spiel und - damit hatte wirklich keiner gerechnet – auch der Australier Daniel McConnell, der bis dato einen 19. Platz als bestes Weltcup-Resultat stehen hatte.

Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel war das Trio zusammen. Gemeinsam bewältigten sie den letzten Anstieg, Kulhavy wollte im letzten Downhill nicht mehr alles riskieren, so dass er den Kontakt verlor.

Nach dem Downhill, etwa 300 Meter vor dem Ziel, jagte Daniel McConnell an Mantecon vorbei und holte sich in 1:42:36 Stunden den ersten australischen Sieg seit Cadel Evans im Jahr 2000. Mantecon wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere Zweiter bei einem Cross-Country-Weltcup und Kulhavy holte sich Rang drei.

Stimmen zum Männer-Rennen:

Daniel McConnell: Ich weiß nicht, was heute passiert ist. Bis jetzt war ich erst einmal in den Top-20 beim Weltcup. Es wird wohl eine Weile dauern, bis ich das realsiert habe. Es ist eine riesige Überraschung. Erst war ich froh in den Top 15 zu sein. Als ich mich in den letzten beiden Runden noch gut fühlte, begann ich nach vorne zu fahren. Normalerweise habe ich als Australier wenig Erfahrung mit Matsch-Rennen.

Sergio Mantecon: Ich habe alles gegeben, was ich hatte, aber Daniel war einfach stärker als ich. In Spanien ist es sehr schwierig in matschigen Bedingungen zu trainieren. Es ist erstaunlich, dass ich meine besten Ergebnisse im Matsch einfahren kann. (Die EM in Moskau war auch ein Matsch-Rennen).

Jaroslav Kulhavy: Für mich war es ein hartes Rennen, weil ich in den letzten Wochen eine Menge Probleme hatte mit zwei Infektionen. Deshalb bin ich sehr zufrieden heute. Ich wollte in der letzten Abfahrt nichts mehr riskieren. Jetzt bin ich in einer guten Position für mein Heimrennen nächste Woche in Nove Mesto.

Damen: Lechners entscheidende Attacke in der letzten Runde

Der Sieg von Eva Lechner im Damen-Rennen über 25,2 Kilometer war keine ganz große Überraschung, doch zu den Topfavoritinnen hatte sie nicht gezählt. Zu Beginn hatten Sprint-Weltmeisterin Alexandra Engen (SWE) und U23-Weltmeisterin Jolanda Neff (SUI) das Kommando übernommen, doch nach der Hälfte der Distanz gruppierte sich eine fünfköpfige Gruppe, nachdem Maja Wloszczowska (POL) vorne angekommen war und gleichzeitig Neff abreißen ließ.

In der vorletzten Runde verlor auch Alexandra Engen den Anschluss und gemeinsam ging das Quartett mit Lechner, Wloszczowska, der Schweizerin Katrin Leumann und der Slowenin Tanja Zakelj in die letzten 4,2 Kilometer. In einem kurzen Anstieg attackierte Lechner, holte ein paar Sekunden Vorsprung heraus und brachte sie auf den restlichen 2,5 Kilometern ins Ziel. Wloszczowska hatte am Ende nicht mehr die Kraft dagegen zu halten, konnte aber Katrin Leumann auf Rang drei verweisen.

Die Freiburgerin Adelheid Morath hatte sich zu Beginn des Rennens auf dem fünften Rang positioniert. In den Anstiegen machte die Freiburgerin einen starken Eindruck, doch in der dritten Runde unterlief ihr ein Sturz im Bullen-Downhill. Sie verbog sich ihre Bremse und die Schuhe gingen auf. Sie versuchte das unterwegs zu richten, weil sie nicht anhalten wollte. "Danach war ich irgendwie blockiert und habe mich unsicher gefühlt. Der richtige Flow hat gefehlt. Aber Platz neun ist ein super Ergebnis, ich bin voll zufrieden. Top fünf bleibt aber für die Saison mein Ziel", erklärte Morath.

Stimmen zum Frauen-Rennen:

Eva Lechner: Ich bin hierher gekommen um in die Top-Ten zurückzufinden. Mein Start war sehr gut und meine Beine super. In den Downhills habe ich kaum Fehler gemacht. Die kurzen steilen Anstiege liegen mir, da konnte ich angreifen. Ich glaube es war heute wichtig, sich in den Downhills gut zu erholen, um in den Anstiegen zu bestehen. Vor dem letzten Downhill hatte ich 17 Sekunden Vorsprung und habe versucht kontrolliert abzufahren. Ich mag den Event, die Strecke ist echt cool und die Stimmung war super.

Maja Wloszczowska: Ich wusste, dass es für mich wegen der schlechten Startposition schwierig würde. Ich war mental darauf eingestellt und habe versucht mein Tempo zu fahren. Als ich vorne angekommen bin, habe ich schon gespürt, dass die Beine müde waren. Einmal habe ich attackiert, aber ich glaube die anderen haben gar nicht gemerkt, dass ich attackiert habe (lacht). In der letzten Runde hatte ich Krämpfe im Downhill und im Anstieg, das war sehr riskant. Ich bin glücklich mit dem zweiten Platz, das ist ein gutes Comeback.

Katrin Leumann: Ich wusste, dass ich gut in Form bin, aber dass ich so in der Spitze mitfahren kann, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe nie überdreht. In der vorletzten Runde wusste ich, dass es für Platz eins bis drei reichen kann. In der letzten Runde begann es leicht zu regnen, so dass das Terrain extrem rutschig wurde. Ich hatte sehr viel Respekt vor der letzten Abfahrt und bin froh, dass es aufgegangen ist. Es war nicht mehr kontrollierbar.

Junioren: Bertsch verpasst den Sieg nur hauchdünn

Die Junioren zeigten am Sonntagvormittag ein hoch interessantes Rennen und für das heimische Publikum war erfreulicherweise auch ein Deutscher in der Spitzengruppe mit von der Partie. Philipp Bertsch (Abensberg) war jederzeit auf der Höhe des Geschehens. Als der Franzose Neilo Perrin-Ganier Ende der vierten von fünf Runden eine Attacke wagte und zehn Sekunden Vorsprung heraus fuhr, war es Bertsch, der die Lücke wieder schloss.

Fünf Fahrer waren zwei Kilometer vor dem Ziel noch im Kampf um den Sieg, im letzten Anstieg blieben noch drei übrig. Bertsch nahm einen Vorsprung mit in die letzte Abfahrt, doch die Franzosen Raphael Gay und Neilo Perrin-Ganier schlossen die Lücke im Mazda-Downhill wieder. 250 Meter vor dem Ziel ging Gay in einer Kurve auf der Wiese in der äußeren Linie an Philipp Bertsch vorbei und ließ sich die Führung auch auf der Zielgeraden nicht mehr abjagen. Zeitgleich siegte Gay vor Bertsch, Perrin-Ganier wurde eine Sekunde dahinter Dritte. Der Deutsche Meister Lukas Baum (Neustadt/W.) fuhr ein großartiges Rennen, das er von 110. Startposition auf einem fast sensationellen siebten Rang beendete.

„Ich musste aus einer schlechten Startposition ins Rennen gehen, aber ich habe mich sehr gut gefühlt. Ich habe mich in dieser Kurve bewusst für die Außenlinie entschieden, weil ich da Geschwindigkeit mitnehmen konnte“, erklärte Gay.

Philipp Bertsch war knapp geschlagen, aber fast überwältigt von seinem Rennen. „Mein Ziel war Top 15, jetzt bin ich Zweiter, das hätte ich nie gedacht. Ich hatte super Beine und das Publikum war der Wahnsinn. In der letzten Runde haben alle nur noch geschrien. In der Kurve habe ich kurz nicht aufgepasst und er ist vorbei“, kommentierte Bertsch.

Fazit

Mehr als 10.000 Zuschauer säumten am Sonntagnachmittag die Strecke, trotz der schlechten Wettervorhersage. „Wir können mehr als zufrieden sein. Das Albstädter Publikum hat uns nicht im Stich gelassen“, erklärte Stephan Salscheider von der organisierenden SKYDER SPORTPROMOTION. „Wir hoffen auf eine zweite Auflage 2014.“

Video: MTB-Weltcup Albstadt 2013 - die Highlights vom Männer-Rennen

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Video: Red Bull
19.05.2013
Autor: Pressedienst UCI Mountainbike Weltcup Albstadt/Erhard Goller
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