MTB-Bundesliga: Vogel und Dahle-Flesjaa siegen in Heubach

MTB-Bundesliga 2016 Heubach Dahle-Flesjaa
Foto: EGO Promotion/Küstenbrück
Vorjahres-Sieger Florian Vogel und MTB-Legende Gunn-Rita Dahle-Flesjaa haben die zweite Runde der KMC MTB-Bundesliga in Heubach gewonnen. Bei der 16. Auflage des BiketheRock gewann vor vielen tausend Zuschauern der Schweizer vor den beiden Franzosen Victor Koretzky und Julien Absalon, während die Norwegerin vor der Mexikanerin Daniela Campuzano und Helen Grobert aus Freiburg triumphierte.

Florian Vogel ließ sich vom begeisterten Publikum feiern. 47 Sekunden vor Victor Koretzky hatte er die Ziellinie überquert. „Ich fahre einfach gerne in Heubach, ich mag dieses Rennen und solche Bedingungen kommen mir entgegen“, genoss Vogel die Ovationen der Zuschauer.

Bis zur letzten Runde blieb das Herren-Rennen spannend. Doppel-Olympiasieger Julien Absalon hatte auf matschigen Untergrund da schon entscheidend an Boden verloren und es lief auf ein Duell zwischen dem 34-jährigen Florian Vogel und dem 21-jährigen Koretzky hinaus.

Wie so oft in Heubach hatte sich das Rennen wie ein Pendel entwickelt. Am 1,5 Kilometer langen Anstieg entpuppte sich Florian Vogel als der beste Kletterer, im Downhill waren Koretzky und Absalon besser. So verlor der Schweizer seinen herausgefahrenen Vorsprung jeweils wieder bis er den Zielbereich in der Heubacher „Stellung“ erreicht hatte.

Absalon musste als Erster einen bedeutenden Rückstand hinnehmen. „Ich habe nach dem Weltcup in La Bresse eine Pause gemacht und muss jetzt erst wieder in den Wettkampf-Rhythmus kommen. Florian war am Berg super stark, ein paar Runden konnte ich im Downhill die Lücke wieder schließen, aber irgendwann ist das natürlich nicht mehr möglich den Rückstand am Berg so klein zu halten. Ich bin aber sehr zufrieden mit meinem dritten Platz“, so Absalon, der im Ziel nach sechs Runden 1:20 Minuten Rückstand auf Vogel (1:30:39) hatte.

Koretzky, Weltcup-Dritter von La Bresse (Fra) und U23-Europameister zeigte, warum ihn die Franzosen für die Olympischen Spiele nominiert haben. Er hatte als Test für die Weltmeisterschaften zum ersten Mal ein Full-Suspension-Bike eingesetzt. „Das ist hier nicht ideal, aber es war für mich einfach die Lücke im Downhill zu schließen“, erklärte Koretzky.

Erst im letzten Anstieg schlug Vogel ein derart hohes Tempo an, dass Koretzky nicht mehr folgen konnte. „Er hatte einen Gang mehr“, meinte Koretzky lachend, „aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen.“
Florian Vogel gab das Kompliment auf andere Art zurück. „Victor war im Downhill wahnsinnig schnell. Ich wusste, dass ich es am Berg machen muss. Ich hatte super Beine und denke, die Form kann für die WM nicht schlecht sein.“

Auf den Plätzen vier und fünf landeten die Spanier David Valero (+1:59) und Pablo Rodriguez (+2:14), die sich im Verlauf des Rennens immer weiter nach vorne geschoben hatten.

Bester Deutscher wurde Moritz Milatz. Der Freiburger ist noch nicht in der Verfassung von 2014, erkannte aber nach einem durchwachsenen Frühjahr trotzdem eine Aufwärtstendenz. „Das war Durchschnitt“, meinte er zu seinem neunten Platz (+3:32). „Aber ich glaube, ich muss erst mal zufrieden sein, nach diesem Frühjahr.“

Damen: Fünfter Sieg für Dahle-Flesjaa

Die Damenkonkurrenz geriet zur Solo-Show der norwegischen Legende Gunn-Rita Dahle-Flesaa. Die 43-Jährige baute ihr Heubach-Palmares auf fünf Siege aus und zwar in eindrucksvoller Manier.

Bereits aus der ersten von fünf Runden brachte die Rekord-Weltcupsiegerin einen Vorsprung von 25 Sekunden mit. „Es war ein super schönes Gefühl heute. Ich liebe es in Heubach zu fahren, ich mag den Anstieg und die Abfahrt. Der Regen vor dem Rennen hat mir in die Karten gespielt“, erklärte Dahle-Flesjaa.

Am Ende sammelten sich nach 1:30:33 Stunden 3:26 Minuten Vorsprung an. „Ich liebe es zu gewinnen und ich liebe Rekorde“, sagte sie lachend auf ihre Rolle als fünffache BiketheRock-Siegerin angesprochen.

So einsam das Rennen der Gewinnerin war, so spannend war der Kampf um Platz zwei. Gleich fünf Fahrerinnen kämpften um die Position bei der Siegerehrung rechts neben Dahle-Flesjaa. Mit darin verwickelt war – etwas überraschend – Helen Grobert (Freiburg).

Die Deutsche Meisterin ging als Zweite in die letzte Runde, doch ihre Verfolgerinnen hatten nur wenige Sekunden Rückstand.
Oben auf der flacheren Passage kam es dann um den Kampf, wer als Erste in den Downhill gehen konnte. „Da war Daniela ein klein wenig schneller“, erklärte Grobert, wie es zu ihrem dritten Platz kam.

Die Mexikanerin Daniela Campuzano jagte den glitschigen Downhill hinunter und nahm Helen Grobert zwölf Sekunden ab. „Es hat super Spaß gemacht heute“, nickte Campuzano.Grobert (+3:39) aber rettete im Sprint den dritten Rang vor der Belgischen Meisterin Githa Michiels (+3:41).

„Ich musste zwischendrin aufs Wattsystem schauen, dessen Auswertung nachher der Bundestrainer bekommt“, erklärte Grobert. „Eigentlich wollte ich Heubach ja gar nicht fahren, aber jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Super, dass ich hier auf dem Podium stehen darf.“

Weitere zwei Sekunden hinter Michiels wurde U23-Weltmeisterin Ramona Forchini (Schweiz) noch Fünfte (+3:43), nachdem sie mit der besten Schlussrunde noch an Sabrina Enaux aus Frankreich vorbeigeschossen war.

Adelheid Morath aus Freiburg, die man zu den Favoritinnen gezählt hatte, war nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. „Am Samstagmorgen war auf einmal die Stimme weg“, erzählte sie in kratziger Tonlage. „Schade, ich habe mich auf das BiketheRock gefreut. Deshalb bin ich trotzdem gefahren.“

Ein Trainingssturz vom Samstag war dann ein zusätzliches Handicap. So reichte es nur zu Rang acht (+5:02).
Elisabeth Brandau aus Schönaich hatte wegen Krankheit verzichten müssen.

U23: Knapper Sieg für Frischknecht

Die U23-Fahrer lieferten den Zuschauern ein packendes Rennen. Eingangs der letzten von fünf Runden wurden fünf Fahrer innerhalb von 25 Sekunden gemessen. An dieser fünften Stelle lag Max Brandl. Der Junioren-Vizeweltmeister aus Lohr am Main vom Vorjahr tilgte seinen Rückstand bis zum höchsten Punkt und duellierte sich dann mit dem Schweizer U23-Meister um die erste Position bei der Einfahrt in den Downhill.

„Ich habe nicht voll dagegen gehalten weil ich keinen Crash riskieren wollte“, bekannte Brandl, der aber mit seinem zweiten Rang sehr zufrieden war. „Es waren ja ordentliche Namen hier“, meinte Brandl.

Andri Frischknecht hatte im steilsten Teil des Anstiegs jeweils etwas Mühe. „Oben auf der Fläche habe ich dann immer wieder Lücken geschlossen“, erklärte Frischknecht. „Und in der Abfahrt war ich huara schnell“, meinte er im Schweizer-Deutschen Dialekt zu seinen Downhill-Qualitäten. „Ich habe wegen den Punkten für das U23-Rennen gemeldet“, sagte Frischnkecht und grinste: „Elite-Rennen kann ich ja noch zehn Jahre fahren.“

Er siegte mit 3,8 Sekunden Vorsprung auf Max Brandl und 4,9 Sekunden auf Kevin Panhuyzen, der den Sprint gegen den Deutschen knapp verlor. Panhuyzen war als Erster in die letzte Runde gegangen.

Junioren: Kolumbianischer Sieg

Im Duell zwischen dem Braunsbacher Niklas Schehl behielt Wilson Pena aus Kolumbien die Oberhand. Der Siebte der Weltmeisterschaften 2015 war am Berg der Stärkere, distanzierte Niklas Schehl in der dritten Runde im langen Anstieg und holte einen so großen Vorsprung heraus, dass der Deutsche im Downhill nicht mehr aufschließen konnte.

„Ich musste mein Tempo weiter fahren und wollte es sicher zu Ende bringen“, erklärte Schehl, der am Ende 1:04 Minuten Differenz aufwies. Dritter wurde David List (Friedrichshafen), der in der dritten von vier Runden seine Begleiter in der Verfolgergruppe zurücklassen konnte und mit 1:47 Minuten Rückstand das Ziel erreichte.

Juniorinnen: Leonie Daubermann auf Rang zwei

Die Schwedin Ida Jansson brillierte in Heubach bei den Juniorinnen. Jansson setzte sich gleich in der erste Runde ab und kontrollierte das Rennen von der Spitze. In 56:29 Minuten siegte Jansson souverän mit 1:44 Minuten Vorsprung auf Leonie Daubermann.

„Es war fantastisch. Ich liebe die Bundesliga-Rennen, das macht so viel Spaß“, kommentierte die EM-Dritte aus dem Vorjahr. Hinter ihr hatte sich Leonie Daubermann (Gessertshausen) mit der US-Amerikanerin Haley Batten auseinander zu setzen, die nach einem Sturz am Start wieder nach vorne gefahren war.

Daubermann konnte sich aber von Batten absetzen und trotz Sturz in der letzten Runde mit einem Vorsprung von 37 Sekunden auf Batten den zweiten Platz einfahren.

„Hinter Ida kann man Zweite werden“, lachte Daubermann. „Ich habe nach meinen beiden Infekten nicht gedacht, dass es heute so gut läuft. Ich musste im Training schon ein Stück weit wieder von vorne anfangen.“

Trial: Noch zwei Weltrekorde

Zum Abschluss des 16. BiketheRock gab es noch zwei Weltrekorde. Im „Platform to Platform Bicycle Jump“ setzte zuerst Weltmeister Vincent Hermance mit dem 26-Zoll-Bike eine Marke, die es bis jetzt noch nicht gab. Mit Anlauf überwand er auf zwei Meter Höhe 3,23 Meter Distanz.

Jan Kocis und Rick Koekoek verbesserten vor einem faszinierten Publikum den bisher bestehenden Weltrekord für 20-Zoll-Bikes. Beide übertrafen den bisherigen Rekord von 4,07 Meter deutlich. Doch am Ende war es Rick Koekoek, der wie schon am Vortag beim „Bar to Bar Bicycle Jump“ zum Weltrekord-Halter aufstieg. Mit 4,40 Meter wird der Niederländer ins Guiness Buch der Rekorde eingetragen.

20.06.2016
Autor: PM MTB-Bundesliga/Erhard Goller
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