MTB-Bundesliga: Absalon und Neff triumphieren beim Auftakt in Bad Säckingen

Julien Absalon Bad Säckingen 2016
Foto: EGO Promotion/Küstenbrück
Doppel-Olympiasieger Julien Absalon und Weltcup-Gesamtsiegerin Jolanda Neff haben in Bad Säckingen den Auftakt zur KMC MTB-Bundesliga gewonnen. Der Franzose schlug im ewigen Duell Weltmeister Nino Schurter aus der Schweiz, Maxime Marotte (Frankreich) wurde Dritter. Bei den Damen gewann Neff vor der Schwedin Jenny Rissveds und der Polin Maja Wloszczowska. Sabine Spitz wurde Achte.

Es war das erwartete Duell zwischen den beiden Top-Stars der Mountainbike-Szene, doch es war an diesem sonnigen Tag in Bad Säckingen keines auf Augenhöhe. Nino Schurter (Scott-Odlo) war am Morgen mit Halsweh aufgewacht und konnte seinem langjährigen Rivalen auf dem 3,9 Kilometer langen Kurs nicht Paroli bieten.

Absalon (BMC Racing) sprengte eingangs der dritten von acht Runden eine große Spitzengruppe und es war nur Nino Schurter, der ihm folgen konnte.

„Da ging es noch, aber als Julien richtig angegriffen hat, da habe ich es gar nicht mehr richtig versucht“, erklärte Schurter zur Attacke von Absalon in der fünften Runde.

Er habe dann nur noch versucht durchzukommen, ohne sich extrem zu belasten. „Ich hoffe, den Infekt bekomme ich noch in den Griff bevor es nach Australien geht“, so Schurter. Spaß hatte der Weltranglistenerste dennoch.

Er war dennoch in der Lage die große Verfolgergruppe und am Ende auch Maxime Marotte auf Distanz zu halten und mit 39 Sekunden Differenz auf Rekord-Weltmeister Absalon (1:34:56) Zweiter zu werden.

Julien Absalon zog vorne unaufhaltsam seine Kreise und war sichtlich sehr erfreut über den Sieg. „Nino war vielleicht nicht bei hundert Prozent heute, aber dennoch gibt der Sieg mir Selbstvertrauen für Cairns. Ich hatte zuhause emotional eine schwierige Woche und bin deshalb sehr glücklich.“

Maxime Marotte zeigte sich als stärkster Verfolger, nachdem Lukas Flückiger (BMC Racing) seine Chance durch einen Defekt eingebüßt hatte.
„Als Julien attackiert hat, bin ich der Gruppe drin gesteckt. Ich denke, heute hätte meine Form für mehr reichen können“, meinte Marotte, der mit 46 Sekunden Rückstand das Ziel erreichte.

Die deutschen Biker waren nicht unter den besten Zehn zu finden. Markus Schulte-Lünzum (Haltern, Focus XC) belegte im Weltklasse-Feld Rang 16 und war damit nicht unzufrieden. „Es geht aufwärts. Ich denke, das ist beim Weltcup ein Top-30-Ergebnis wert und damit kann ich für heute leben“, meinte Schulte-Lünzum (+3:27).

Markus Bauer (Kirchzarten) wurde 21. (+4:57), während sein Kreidler-Teamkollege Moritz Milatz (Freiburg) am Start Pech hatte, als sich direkt vor ihm ein Sturz ereignete, so dass er nur als 42. aus der ersten Runde kam und am Ende als 26. (+5:50) das Ziel erreichte.

Damen: Jolanda Neff nicht zu schlagen – Sabine Sitz beste Deutsche

Jolanda Neff (Stöckli Pro Team) wurde ihrer Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. Die Weltranglistenerste setzte sich bereits in der ersten Runde alleine an die Spitz, ließ ihre letzte Begleiterin Jenny Rissveds (Schweden, Scott-Odlo) zurück und surfte mit Eleganz durch den 3,9 Kilometer langen Kurs.

„Ich bin dann meinen Rhythmus gefahren“, erklärte Jolanda Neff, die sich in der Folge eigentlich nicht mit der Konkurrenz, sondern nur mit dem Kurs beschäftigen musste. „Es war ja mein erstes Mal hier, aber die Strecke hat echt Spaß gemacht, das konnte ich richtig genießen. Es ist sicher nicht das letzte Mal, dass ich hier war.“

Neff musste nicht alles aus sich herausholen, überquerte aber die Ziellinie mit 52 Sekunden Vorsprung auf Jenny Rissveds, die ihren zweiten Rang souverän verteidigte. Ex-Weltmeisterin Maja Wloszczowska drehte in der zweiten Hälfte des Rennens auf und fuhr von Rang sieben noch auf den dritten Platz nach vorne.

Beste Deutsche war Sabine Spitz. Die Olympiasiegerin von 2008 hatte lange um ihren Start gebangt, hatte sie Anfang der Woche doch noch eine Schwellung im Knie. Sie verlor zwar den Anschluss an eine Verfolgergruppe, verteidigte dann aber ihren achten Platz gegen Elisabeth Brandau, die immer wieder bis auf wenige Sekunden aufschließen konnte.

„Lisa war sicher sehr motiviert“, lachte Sabine Spitz, „aber man kämpft ja um jeden Platz.“ Mit dem Knie habe sie keine Probleme mehr gehabt. „Es ist jeden Tag besser geworden und mir war es hier vor heimischem Publikum schon sehr wichtig, dabei zu sein. Mein Handicap ist eher, dass ich seit der Cape Epic wegen eines Infekts und jetzt wegen der Verletzung im Knie mein geplantes Training nicht durchziehen konnte“, so Spitz, die mit 2:51 Minuten Rückstand das Ziel erreichte.

Zehn Sekunden hinter ihr wurde Elisabeth Brandau Neunte. „Sabine hatte im technischen Bereich Vorteile, aber ich bin mit mir ganz zufrieden. Hier hat es bei mir bisher ja noch nie geklappt“, meinte die Schönaicherin vom Radon-EBE Racing Team. Die Deutsche Meisterin Helen Grobert (Remetschwiel, Ghost Factory Racing) wurde Zehnte (+3:39) „Heute war es schon besser als in Mailand. Ich bin ganz zufrieden und bis zum Weltcup bleiben ja noch zwei Wochen“, so Grobert.

U23 Herren: Däne Carstensen holt sich den Sieg

Bereits in der zweiten Runde setzte sich der Däne Sebastian Carstensen Fini (CST Superior Brentjens) aus der Spitzengruppe ab. „Ich habe am Asphalt-Anstieg Tempo gemacht und dann bin ich Vollgas gefahren“, erklärte Fini.

Er baute seinen Vorsprung immer weiter aus, blieb aber immer kontrolliert. „Ich habe geschaut, dass ich für die letzte Runde noch was übrig lasse. Der Sieg freut mich sehr. Das ist ein super Start in mein neues Team“, so der Elfte der U23-WM 2015. Hinter ihm gewann Short-Race-Sieger Emil Linde (Schweden) das Duell gegen den Belgier Kevin Panhuyzen.

Die deutschen U23-Fahrer konnten in den Kampf um die Podiums-Plätze nicht eingreifen. Der Deutsche Meister Georg Egger (Lexware Mountainbike Team) fühlte sich „noch nicht so richtig frisch“ und belegte schließlich Rang neun. „Ich habe mir schon mehr vorgestellt, aber es war jetzt auch nicht schlecht“, erklärte Egger.

Direkt hinter ihm erreichte Martin Frey (Team Bulls) das Ziel. Er war gut ins Rennen gestartet, fiel dann kurz in ein Leistungsloch und musste dann in der zweiten Runde auch noch einen Ast aus dem Rad entfernen. „In der vierten Runde habe ich mich erholt, dann lief es richtig gut“, meinte Frey, der von einer Allergie allerdings immer noch leichte Atemprobleme hat.

Junioren: Schweizer Doppelsieg

Mit Vital Albin und Nick Burki dominierten zwei Schweizer das Junioren-Rennen. Albin hatte sich bereits einen Vorsprung heraus gearbeitet, ließ aber seinen Landsmann wieder heran kommen. „Ich habe gesehen, dass er nur fünf, sechs Sekunden hinter mir ist“, erklärte der Schweizer Junioren-Meister.

In der vorletzten Runde griff er dann aber wieder an und setzte sich ab, so dass er mit 40 Sekunden Vorsprung den Sieg feiern konnte. „Coole Strecke“, lachte Albin.

Bester Deutscher wurde Alex Bregenzer (Haibike-KMC) aus Lohr am Main, der sich in der letzten Rund mit einer Attacke aus der Verfolgergruppe lösen konnte. „Die letzten beiden Rennen musste ich krankheitsbedingt aussteigen. Deshalb hatte ich am Anfang Mühe in meinen Rennrhythmus reinzukommen. Aber zum Schluss lief es super“, so Bregenzer, der mit 55 Sekunden Rückstand das Ziel erreicht.

Juniorinnen: Anna Saier auf dem Podest

Bei den Juniorinnen waren die Podiumsplätze schnell geklärt. Ida Jansson, die WM-Vierte im Jahr 2015, biss sich ab der ersten Runde auf dem ersten Platz fest. Sie legte über die insgesamt 4 Runden einen beachtlichen Start-Ziel-Sieg hin und baute ihren Vorsprung auf die Zweitplatzierte Anna Spielmann immer mehr aus.

„Alles war perfekt, ich hatte ein gutes Gefühl und sogar die Sonne scheint. Da habe ich mein eigenes Ding durchgezogen und nicht mehr auf die anderen Mädels geachtet“ sagte sie nach dem Rennen. Auch für Anna Spielmann (Haibike-Ötztal), der man heute neben dem zweiten Platz auch zum Geburtstag gratulieren konnte, lief das Rennen gut und es war ein toller Erfolg. "Heute ist es echt gut gelaufen", meinte Anna Spielmann strahlend.

Beste Deutsche war Anna Saier (Lexware Mountainbike Team), die sich von ihren Magenkrämpfen in Rivera ganz gut erholt zeigte.
„Es war mal wieder richtig schön. In der dritten Runde wurde es schon richtig schwer, aber die schöne Strecke ließ die schmerzenden Beine vergessen lassen“ schilderte sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht. „Es gibt noch Potenzial, aber es hat sich einigermaßen gut angefühlt. Deshalb bin ich jetzt glücklich.“

Fazit: Ein geiler Event

Unterm Strich zog man beim Veranstalter ein positives Fazit. Etliche tausend Zuschauer säumten die Strecke und genossen Weltklasse-Sport. Von Weltmeister Schurter gab es ein knappes, aber treffendes Statement ab: „Ein geiler Event.“

11.04.2016
Autor: PM MTB-Bundesliga/Erhard Goller
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