MTB-Bundesliga 2013: Sensationssieg durch Brasilianer Avancini in Münsingen

Der Brasilianer Henrique Avancini hat beim 27. MTB-Frühjahrsklassiker in Münsingen vor mehreren tausend Zuschauern für eine faustdicke Überraschung gesorgt und im Sprint vor Ex-Weltmeister José Hermida sowie Titelverteidiger Rudi van Houts gewonnen. Bei den Damen siegte Maja Wloszczowska vor Adelheid Morath und Alexandra Engen.

Fotostrecke: MTB-Bundesliga 2013 - Impressionen von den Rennen in Münsingen

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MTB-Bundesliga 2013 Münsingen Foto: EGO-Promotion/Marius Maasewerd
MTB-Bundesliga 2013 Münsingen Foto: EGO-Promotion/Marius Maasewerd
MTB-Bundesliga 2013 Münsingen Foto: EGO-Promotion/Marius Maasewerd

Die Experten nahmen es gelassen, als Henrique Avancini (Caloi) das Feld der Herren in die zweite von sieben Runden führte. Der Brasilianer ist international kaum bekannt und man war schon einigermaßen erstaunt, als er auch in der zweiten Runde noch in Führung lag. Da hatte er schon José Hermida und Rudi van Houts (Multivan Merida) im Schlepptau und es schien nur eine Frage der Zeit, wann der Spanier und der Niederländer den Südamerikaner abhängen würden.

Das Bild blieb aber wie es war. Avancini drückte aufs Tempo, Hermida und van Houts schauten sich verwundert an. „Am Anfang habe ich Tempo gemacht, weil all die starken Leute hinter uns waren. Aber irgendwann haben wir gemerkt, dass Avancini super stark ist“, berichtet van Houts. Der wiederum war beflügelt, „mit solchen Weltklassefahrern zusammen in der Spitze zu sein.“ Das habe ihn zusätzlich motiviert.

Vor den Singletrails sprintete er jedes Mal, so dass er als Erster in die enge Passage hinein kam. „Irgendwann dachten wir, dann lassen wir ihn halt“, erzählte van Houts. Als die Situation eingangs letzter Runde immer noch so war, beschloss van Houts für seinen Teamkollegen Hermida zu fahren. Doch es half nichts, nicht zuletzt deshalb, weil Hermida im entscheidenden Moment einen kleinen Fehler machte und aus dem Pedal rutschte.

„Dann bin ich Vollgas gefahren“, berichtete Avancini. Er hatte eine Lücke von fünf Sekunden, die schließlich reichen sollte. Hermida kam noch mal an sein Hinterrad, doch die Zielgerade war zu kurz, um noch vorbei zu sprinten. „Es ist unglaublich, dass ich diese Leute schlagen konnte. Das ist der größte Sieg meiner Karriere“, kam Avancini aus dem Staunen über sich selbst überhaupt nicht mehr raus. „Wir kannten nicht mal seinen Namen“, bekannte Hermida. Ein dritter Platz bei den Panemerikanischen Meisterschaft von vergangener Woche ist in der MTB-Szene noch kein Qualitätsausweis.

„Ich bin nach der Cape Epic noch nicht ganz frisch. Der Einstieg in den Cross-Country-Modus ist ganz gut gelungen. Aber es ist schon ein bisschen peinlich. Jetzt fahre ich seit zehn Jahren für ein deutsches Team und habe noch kein einziges Bundesliga-Rennen gewonnen. Ich muss wohl noch mal zehn Jahre kommen“, erklärte Hermida und lachte. Zwei Zehntel Unterschied wurden gemessen, van Houts hatte 12 Sekunden Rückstand. Auf Rang vier (+0:24) landete der Schweizer Fabian Giger (Giant XC Pro), der sich während des Rennens sukzessive nach vorne schob. Maxime Marotte (BH Suntour-KMC) wurde Fünfter (+0:40).

Bester Deutscher wurde in Abwesenheit von Europameister Moritz Milatz und dem Deutschen Meister Manuel Fumic der Hechinger Torsten Marx (Black Tusk), der als 17. 2:32 Minuten Rückstand aufwies. „Für mich war das eigentlich nicht schlecht“, meinte Marx. Hoffnungsträger Markus Schulte-Lünzum (Focus) stieg in der dritten Runde aus. „Die Beine waren völlig leer“, bekannte er. „Vielleicht habe ich im Training zu viel gemacht“, so Schulte-Lünzum.

Adelheid Morath hält Damen-Rennen lange offen

Maja Wloszczowska machte ihre Ankündigung wahr und gewann gleich beim ersten Auftritt in Münsingen den Klassiker. Ihre Giant-Teamkollegin Jolanda Neff übernahm in der ersten Runde die Spitze, Wloszczowska konnte aufschließen und als U23-Weltmeisterin Neff schwächelte, war die Polin alleine an der Spitze.

Es war ein langes Solo, das mit 24 Sekunden Vorsprung zum Sieg führte, doch es blieb spannend bis in die letzte von sechs Runden hinein. Adelheid Morath hatte sich mit Alexandra Engen auf die Verfolgung gemacht. Die Freiburgerin und die Schwedin arbeiteten zusammen, bis zur Hälfte der Distanz Morath am Berg einfach zu stark war.

Morath schaffte den Anschluss an Wloszczowska und Neff einmal noch kurz, doch in den technischen Passagen waren die Beiden zu stark. Morath überholte zwar Neff, die am Ende Fünfte (+3:09) wurde, aber den Anschluss an die Ex-Weltmeisterin schaffte sie nicht mehr. Die gewann in 1:23:17 Stunden und zeigte sich glücklich. „Ich denke Adelheid war am Berg stärker als ich, aber ich hatte in den technischen Passagen Vorteile. Das macht mich besonders glücklich, weil ich davor am meisten Angst hatte, nach meiner Verletzung. Es ist mein erster wichtiger Sieg seit vergangenen Sommer und ich war ein wenig nervös. Die Besetzung war wie ein kleiner Weltcup“, erklärte Wloszczowska.

Adelheid Morath sprach ebenfalls von „Nervosität“, und zwar wegen der Nummer eins, die an ihrem Lenker klebte. Als Siegerin von Bad Säckingen war ihr dieses Recht vorbehalten. „Zum ersten Mal die Nummer eins. Ich war in den technischen Passagen nicht so konzentriert, da war Maja einfach stärker. Aber ich bin glücklich, dass es so gut gegangen ist“, erklärte die Deutsche Vizemeisterin. Alexandra Engen sicherte sich den dritten Rang. „Ich bin glücklich. Ich konnte die ganze Zeit Druck geben, das war ein gutes Gefühl“, sagte die Olympia-Sechste vom Ghost Racing Team, die 1:29 Minuten Rückstand aufwies.
Irina Kalentieva (Topeak-Ergon) fuhr lange Zeit alleine an Rang fünf, konnte sich aber die 20-jährige Neff noch schnappen. Mit 2:36 Minuten Rückstand wurde sie Fünfte.

Hanna Klein (Freiburg) überzeugte auf Platz sechs (+5:26) und verbuchte damit seit langem mal wieder ein starkes Ergebnis. Das Rennen wurde ein wenig überschattet vom schweren Sturz der Olympiasiegerin Julie Bresset (Frankreich), die nach 500 Metern in einen Massensturz verwickelt wurde. Sie konnte als einzige nicht weiterfahren. Erste Untersuchungen im Krankenhaus gaben Entwarnung: Vermutlich ist nichts gebrochen.

MTB-Bundesliga 2013 - noch mehr Impressionen:

Fotostrecke: MTB-Bundesliga 2013: Impressionen vom Auftaktrennen in Bad Säckingen

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MTB-Bundesliga 2013 Bad Säckingen Foto: Armin M. Küstenbrück
MTB-Bundesliga 2013 Bad Säckingen Foto: Erhard Goller
MTB-Bundesliga 2013 Bad Säckingen Foto: Armin M. Küstenbrück
15.04.2013
Autor: MTB-Bundesliga/Erhard Goller
© MOUNTAINBIKE