MOUNTAINBIKE-Leser Martin Schmidt am Start beim HERO Südtirol Dolomites 2016

Reportage: MOUNTAINBIKE-Leser Martin Schmidt am Start beim HERO Südtirol Dolomites 2016

HERO Südtirol Dolomites
Foto: Martin Schmidt
So traumhaft schön die Dolomiten auch sind, beim HERO Südtirol Dolomites haben die Teilnehmer wenig übrig für die gigantische Gebirgskulisse. So erging es auch MOUNTAINBIKE-Leser Martin Schmidt, der in diesem Jahr den MTB-Marathon mit 86 Kilometern und 4.500 Höhenmetern rund ums Sella-Masiv absolviert hat. Hier sein Erfahrungsbericht:

“The World’s Toughest Mountain Bike Marathon!” Na, das wird schon nicht so schwer sein. „Ist doch nur reines Marketing!“ denke ich mir. Von wegen. Ich und meine große Klappe…

Aber von vorne: Seit zwei Jahren liebäugele ich mit dem Rennen. Ich mag die Dolomiten, diese sensationellen Berge mit ihren schroffen Felsen. Und Südtirol. Es ist Italien, aber ich kann überall Deutsch sprechen, und die Menschen sind durchweg offen und freundlich. Ich habe dreifache Alpencross-Erfahrung. Beim letzten Cross vor drei Jahren mit Etappen durch die Dolomiten kam ich auf den Sellaronda HERO, wie das Rennen bis zum letzten Jahr noch hieß. Es fand sofort Eingang in meine Bucket List.

Heuer fand dieser Mountainbike-Marathon, der Mitte Juni stattfindet, einen guten Platz in meinem Wettkampfkalender zwischen den geplanten Triathlon-Rennen. Triathlon ist für mich Ernst, aber der HERO ist Just for Fun. Natur, Berge, coole Trails, Kletterpartien, rasante Abfahrten. Reiner Genuss! Dachte ich… Ab wann ist ein Mountainbike-Rrennen eigentlich ein Marathon? Wir sprechen über nur 86 km. Allerdings mit 4.500 Höhenmetern!

Meine Recherche im Web brachte vor allem nette Imagefilmchen mit traumhaften Aufnahmen früherer Rennen hervor. Dazu verschiedene, leicht unterschiedliche Grafiken über das Profil. Egal, alles kein Problem. Jetzt weiß ich ja, worum es geht. Am besten gleich los und kurz 86 km und 4.500 hm abrocken.

Start- und Zielort für das Rennen rund um die Sella-Gruppe und um die Lankofel-Gruppe ist Wolkenstein im Val Gardena. Als ich zwei Tage vor dem Wettkampf dort ankomme, schlägt mein Herz fast oben zum Hals heraus. Überall HERO-Banner und HERO-Flaggen, HERO-Feeling pur. Der gesamte Ort hat sich nur für uns Biker herausgeputzt. Athletenmotivation pur. Selbst das Ironman-M mit dem Punkt schafft es nicht, noch mehr Emotionen freizusetzen. Es ist, wie das Transparent über der Halle zur Startnummernabholung sagt: Welcome HEROes your adventure starts here.

Zwei Tage zum Akklimatisieren sollte man sich ruhig gönnen. Die Athletenstimmung genießen, auf der kleinen Messe die neuesten Produkte ansehen und mit aller Art Nationalitäten fachsimpeln, was das Zeug hält. Noch eine kleine Ausfahrt zum Beine lockern und zur Muskelaktivierung.

Meine Pension liegt einen Kilometer den Berg hinauf über Wolkenstein. (Wie soll ich da eigentlich nach dem Rennen noch hochkommen?) Am Vorabend stehe ich auf dem Balkon. Es blitzt und donnert und schifft ohne Ende. Na super, beste Voraussetzungen für das Rennen morgen. Wie verhält man sich eigentlich oben am Berg bei Gewitter? Ist in dem Fall Carbon einem Alurahmen vorzuziehen? Wenn das morgen noch so nass ist, dann bleibe ich einfach im Bett liegen.

Raceday. Wecker um sechs Uhr. Traumhaftes Wetter, keine Wolke am Himmel. Geht doch. Aber ganz schön kalt so früh am Morgen. Was anziehen? Es sollen nachmittags knapp 20 Grad werden – im Tal. Ich entscheide mich für kurze Hosen, keine Füßlinge und oben drei Lagen: Windstopper-Shirt, Windstopper-Trikot, einfaches Trikot. Gibt doppelte Taschenkapazität, dafür kein Rucksack. Dazu Armlinge, der Helm ohne weitere Kopfbedeckung und – etwas artfremd - meine Motocross-Handschuhe. Für alle Fälle noch eine dünne Windjacke. Am Sattel die kleine Werkzeugtasche – nie mehr ohne Kettenniete und Ersatzschaltauge! – und darunter mit Tape am Rahmen befestigt ein Schlauch. Damit sind die Trikottaschen frei für Futter und das obligatorische Handy. Fotos für das Ego und für die Lieben zu Haus…

Den Start der Profis um 7:10 Uhr beobachte ich völlig entspannt vom Balkon aus mit Blick runter ins Dorf. Startschuss mit violettem Rauch, ein Heißluftballon steigt auf. Tolle Stimmung. Zwei Helikopter kreisen in der Luft. Das Rennen wird zum ersten Mal in Teilen live auf Eurosport 2 übertragen. Die insgesamt 14 Startgruppen gehen alle 5 bis 10 Minuten ins Rennen. Ich starte in der vorletzten Gruppe um 8:40 Uhr. Das wird die HERO-Rookie-Gruppe sein. Kein Stress.

8:10 Uhr, ich rolle den Berg herunter zum Start. Es ist saukalt, trotz übergeworfener Windjacke. Wird schon, der erste Berg kommt gleich nach dem Start. Wer nicht rechtzeitig in seinem Startblock ist, muss nach ganz hinten. Käme bei mir nicht besonders drauf an, muss aber nicht sein. Es gibt drei feste Cut-Zeiten: auf der Strecke um 12:30 und 16:00 Uhr und am Ende im Ziel. Wer nach 19:15 Uhr ankommt, ist zu spät. Ich habe oft genug gerechnet. Kein Problem, alles easy. Da war sie wieder, die große Klappe…

8:30 Uhr, wir rollen vor zur Startlinie. Gute Stimmung im Startblock, gefühlt sind alle Nationen vertreten. Ich quatsche mit Chris aus England. Er ist ebenfalls Triathlet. Langdistanz. Lange Tage kennen wir. Punkt 8:40 Uhr geht es los. Das Feld rollt locker, alle wissen um den langen Tag heute. Großes Blatt, aber schon recht kleiner Gang. Erst mal warm werden. Die ersten 6 km geht es unter der Seilbahn rund 750 Meter hinauf zum Dantercepies auf 2.300 m. Schotterweg, Sonne, gute Stimmung. Biken ist schön.

Der Weg zieht sich, Kurve um Kurve, die ersten kleinen Rampen mit stärkerer Steigung zecken in die Beine. Der blockweise Start funktioniert, es ist voll, aber nicht überlaufen. Trotz der vielen Biker kann man ganz gut fahren. Ab und zu ein Hinweis auf Deutsch oder Englisch, wenn der Vordermann kurz quer zieht. Es läuft rücksichtsvoll, Fair Play.

Die Berge sind traumhaft, eine gigantische Kulisse. Kurz vor dem Pass passiere ich einen Biker mit Kinderanhänger. Krasse Leistung, Respekt. Und was macht das Kind auf der Abfahrt? Oben angekommen fix ein Selfie und schnell bei Facebook gepostet. Ich bin auf dem Weg, ein Held zu werden. Das darf doch keiner verpassen… Konzentration! Abwärts mag und kann ich. Rock’n’Roll. Es geht über den Passo Gardena runter nach Corvara. Anfangs breiter Schotter, ein Stück auf der Straße und dann rechts ab auf einen Trail durch die Wiesen. Der Pfad ist weich vom Regen am Vorabend, die Wiese noch weicher. Und meine einzige echte Befürchtung beim HERO bewahrheitet sich: Stau!

Sicherlich darf ich nicht erwarten, nur Downhill-Junkies vor mir zu haben. Aber ein bisschen Radbeherrschung darf es schon sein. Der Trail schlängelt sich die Wiesen herunter, einige Biker kürzen ab. Querfeldein talwärts. Ich auch. Ich will Spaß. Das Einfädeln zurück auf den Trail wie auf der deutschen Autobahn: böse Blicke, enges Auffahren, bloß keine Lücke lassen. Rainer - aus Deutschland - tut seinen Unmut laut kund. Vordrängeln. Der Ärmste, sein Glas ist halb leer und meines halb voll an diesem schönen Tag. Recht hat er dennoch, nur anders. Wenn nur 10% der Biker abkürzen, ist die Wiese des Bauern hin. Und die Genehmigung für den HERO 2017 um eine Diskussion reicher.

Unten in Corvara ist die erste Verpflegungsstelle. Gedanklich war ich auf das eingestellt, was ich vom Triathlon kenne: im Vorbeiflug Flaschen anreichen, Riegel und Bananen. Und hier? Entspannter RTF-Charakter. Überall stehen und liegen die Bikes, an den Ständen gibt es Wasser, Iso, Kuchen und Obst. Also die eine Flasche, die ich nur mit habe, aufgefüllt, eine schnelle halbe Banane und los zum nächsten Anstieg. Rauf zum Pralongià, 8 km und 600 hm. Ich rechne, denn auf der nächsten Abfahrt bei km 25 ist das erste Time-Limit gesetzt. Ich möchte dort eine Stunde vorn sein. Für den Anstieg jetzt brauche ich eine Stunde, ich bin in der Zeit jetzt schon leicht zurück. Notiz an mich selber: runter kann es auch dauern, ohne dass du etwas dafür kannst. Wird schon. Weiter!

Erneut auf Schotterwegen, die sich den Berg hochschlängeln. Noch eine Kurve, und da ist sie auf einmal: die erste taktische Schiebepassage. Wir haben gerade 15 km auf der Uhr, 71 to go. Schieben ist keine Schande, wertvolle Körner verbraten aber Dummheit. Einige fahren, viele andere und ich nicht. Oben angekommen erneut das obligatorische Selfie. Zwei von vier ganzen plus zwei halben Bergen sind geschafft. Mir geht es gut. Indikator ist das nach wie vor bestehende Aufmerksamkeitsbedürfnis bei Facebook. Was ich jetzt noch nicht weiß: das wird sich noch ändern heute.

 

HERO Südtirol Dolomites
Foto: Martin Schmidt Schieben ist keine Schande. Und Zunge rausstrecken? Na ja!

Auf der Abfahrt nach Arabba geht es mit kleinen Zwischenanstiegen und über schöne Trails durch den Wald über den Passo Campolongo. 11:10 Uhr, ich bin 50 Minuten vor der Cut-Zeit und 10 Minuten hinter meinem Plan. Läuft. Runter nach Arabba wird es krass. Vor uns haben mindestens dreiviertel der insgesamt viertausend Biker dafür gesorgt, dass der Boden eine einzige Rutschbahn ist. Matschepampe pur. Am Anfang in großen Teilen noch fahrbar – ein Hoch auf meine Vario-Sattelstütze – gibt es später Abschnitte, auf denen wir beim bergab!!! schieben und dabei knöcheltief in den Brei einsinken. Wir sehen inzwischen eh alle aus wie Sau, aber nasse Füße mag ich überhaupt nicht.

Im Ort dann die nächste Verpflegungsstation. Wasser, Iso, Obst, Kuchen, Hochdruckreiniger. Hochdruckreiniger? Die stehen tatsächlich dort und kärchern ihr Bike. Die Spinner! Essen, Flasche auffüllen und weiter talwärts. Straße, Speed. Läuft. Der Schlamm, der am Bike klebt, spritzt mir um die Ohren. Vielleicht doch schlau, diese Spinner? Nach 200 Tiefenmetern beginnt auf 1.400 m der größte Anstieg auf der Runde. Das Meisterstück heute, rund 10 km und 950 hm hoch zum Sourasass. Die Straße wird etwas steiler, ist aber immer noch gut fahrbar. Ich rechne wieder, quatsche mit Mitstreitern. Um 13:30, spätestens 14 Uhr werden wir dann oben sein. Es sollte noch später werden.

Die Straße schlängelt sich durch ein malerisches Dörfchen, dann biegen wir rechts ab. Rauf. Taktisches Schieben. Es fängt an zu nieseln. Egal, Regenjacke brauchst Du nicht, hört bestimmt gleich wieder auf. Kurz fahren, dann wieder schieben. Alle schieben. Und es hört nicht auf. Der Weg, der Regen, das Schieben. Der Schotterweg ist mehr ein Steinweg, steil und dazu mit technischem Anspruch. Im Grunde kein Problem, aber ohne Körner in den Beinen? Ich lerne Axel kennen. Aus Sachsen. Wir quatschen über die Stoneman-Runde im Erzgebirge, die ich zur Vorbereitung für den HERO gefahren bin. Und schieben. Ob die Profis hier hochgefahren sind? Kaum vorstellbar. Am Ende dauert es eine geschlagene dreiviertel Stunde, bis ich wieder auf dem Sattel sitze. Es geht weiter hinauf, über die Baumgrenze. Hier gibt es noch Schneefelder, aber die Wege sind frei. Dafür nass und matschig. Dazu wird es kälter. Biken ist… ich weiß nicht.

Oben auf dem Sourasass ist es ungemütlich. 2.351 Meter über dem Meer. Dort ist tatsächlich eine Verpflegungsstation aufgebaut. Flasche füllen. Riegel essen. Bike waschen! Es gibt von irgendwo her einen Wasseranschluss mit zwei Schläuchen. Ich wasche mein Bike auch, genauer: die Ecken am Bike, die sich mit der Zeit mit Schlamm zugesetzt haben. Schaltung und Bremse sollten dann doch reibungslos funktionieren. Kurzer Blick zur Uhr, die Zeit wird langsam knapp. Gleich kommt der erste halbe Berg. Kurz runter auf 2.000 m und rüber zum Passo Pordoi. Rutschiger Schotter, Fahrtwind, mir ist kalt. Jacke anziehen? Kostet nur Zeit, weiter. An Selfies denke ich schon lange nicht mehr. Die Handschuhe sind seit Stunden völlig schmierig, das Handy bleibt schön in der trockenen Tüte verstaut. Facebook? Völlig egal, ich muss weiter. HERO kann ich auch ohne den Rest der Welt werden. Wenn ich die Cut-Zeiten schaffe.

Es geht mit knapp 50 Sachen um die Ecke und es tut sich ein grandioser Anblick auf die Sella-Gruppe auf und auf die Passstraße hoch zum Pordoi. Jetzt doch schnell ein Selfie, ohne Posting. Kurz darauf geht es links weg auf einen schmalen Trail. Auf einmal wird mir wieder warm. Der Fahrtwind ist weg und der Trail technisch wirklich nicht ohne. Das macht richtig Spaß, hatte ich heute schon länger nicht mehr. Ich fahre auf einen Biker auf, aber keine Chance, zu überholen. Ich rufe ihm zu: „Alles easy, take your time.“ Auf einem Trail einen Schnelleren im Nacken zu haben ist ätzend, das führt schnell zu einem Fahrfehler. Den möchte ich nicht provozieren. Er lässt mich an einer passenden Stelle durch, meine Laune steigt. Ich rechne wieder. Knapp, könnte aber klappen.

 

HERO Südtirol Dolomites
Foto: Martin Schmidt ... und immer wieder diese Schiebepassagen.

Die letzten Meter geht es auf der Straße hoch zum Pordoi. Ich treffe auf Chris, den britischen Triathleten aus unserem Startblock. Sprich nur drüber und es geht dir gleich besser. Die Stimmung ist gut bei uns beiden. Wir kennen lange Tage, und es ist nur noch ein ganzer und ein halber Berg. Das Wetter ist durchwachsen.

Auf der halben Abfahrt nach Canazei erneut Verpflegung. Hier ist das zweite Time-Limit. Ich bin noch 10 Minuten vorn. Nur 10 Minuten! Aber durch. Es ist 15:50 Uhr, noch 35 km bis zum Ziel. Jetzt hole ich doch meine Windjacke heraus. Es regnet nun richtig und ist wieder ungemütlich kalt. Von Canazei geht es an Campitello vorbei gut 10 km und knapp 900 hm rauf zum Passo Duron. Alles ist nass, die Schuhe triefen. Immerhin sind sie inzwischen blendend eingelaufen und das Schritteziel auf meiner Garmin müsste ich heute auch schon längst erreicht haben.

Man hat viel Zeit zum Nachdenken und zum Rechnen auf den langen Anstiegen. Meine Orientierung ist das Streckenprofil, das auf meinem Lenker klebt. Aber irgendetwas stimmt nicht, meine Kilometer auf der Uhr passen nicht zu den Ortsangaben. Ich hasse es, wenn ich mir meine Kräfte wegen unpräziser Angaben nicht richtig einteilen kann. Ich bin genervt. Kurbeln, taktisches Schieben, Regen. Der Anstieg wird flacher, es geht in eine Art Hochebene. Breites Tal, Felder, es geht nur ganz leicht bergauf. Wo ist denn nun der Pass? Vom Passo Duron da oben sind es immer noch 18 km bis nach Haus und die Uhr tickt gnadenlos weiter. Spätestens 19:15 h im Ziel. Ich möchte doch HERO werden. Komm jetzt, beißen und weiter! Immerhin hast Du keine Krämpfe. Mein bewährtes Rezept: Schwedentabletten, jede Stunde vier. Macht jeweils ein Gramm Salz. Das hat mich bisher immer gut durch die Langdistanzen gebracht.

Am Ende des Tals geht es rechts herum, nun sehe ich auch den Pass. Immer noch so weit. Selbstmotivation. Der letzte ganze Berg, danach kommt fast nichts mehr. Wieder schieben und kurbeln im Wechsel. Oben angekommen bin ich echt durch. Der Passo Duron wird definitiv nicht Lieblingspass des Tages. Das Profil auf meinem Lenker stimmt, nur eine Ortsangabe nicht. Mich zermürbt sowas. Wer auf Reserve läuft, sollte ein Anrecht auf präzise Angaben haben. Noch eindreiviertel Stunden bis zum Ziel-Cut. Noch 18 km und 300 hm. Könnte klappen. Biken ist… darüber denke ich gerade nicht nach.

 

HERO Südtirol Dolomites
Foto: Martin Schmidt Martin Schmidt mit seiner Meinung zum Duron.

Es ist immer noch etwas nieselig bei der kurzen Abfahrt auf Schotter. Die Verpflegungsstelle vor dem letzten halben Berg lasse ich links liegen, jetzt ist Endspurt. Rauf da. Nur 300 hm. Ich zwinge mich, nicht wieder zu schieben. Der Kopf wird bald schwächer als die Beine, das geht ja nun gar nicht. Ich zwinge mich hoch da, meine Stimmung bessert sich. Auf zur finalen Abfahrt. Die Zeit sieht gut aus. Die letzten 10 Kilometer rollen gut. Ab und zu kommt noch eine kleine Steigung. Das Wetter klart auf. Vereinzelte Radfahrer in der Landschaft, keine Spur von 4000 Bikern. Na klar, die meisten sind ja schon zu Haus.

Meine Beine sind auf und mein unterer Rücken tut mir weh. Vom Schieben. Etwas mehr Stabitraining täte doch ganz gut. Ich sehe aus wie Sau, die Beine sind schlammverkrustet wie eine zweite Haut und das Bike wiegt bestimmt 2 kg mehr als sonst. Die Sonne kommt durch, der Regen hat aufgehört. Ich lass es rollen, ich habe jetzt genug Zeit. Noch ein Selfie vor dem Schild „1 km“. Für mich, nicht für Facebook. Die letzten Meter gehen über einen schmalen Weg im Wald oberhalb von Wolkenstein. Jetzt nochmal Konzentration, es geht links steil runter. Noch eine Spitzkehre, dann bin ich unten auf der Straße. Die letzten 200 Meter und ich fahre aus dem Bergschatten in das Sonnenlicht und durch den Zielbogen. Es reicht sogar noch für einen kleinen Wheelie. Ich bin da. HERO. Von wegen Marketing. Diese Runde ist tough. Und meine große Klappe nun etwas kleiner.

 

HERO Südtirol Dolomites
Foto: Martin Schmidt Erschöpft, aber die Kraft reicht noch um das Bike in die Höhe zu stemmen: Martin Schmidt im Ziel.
07.10.2016
Autor: Martin Schmidt
© MOUNTAINBIKE