Mitgefahren: Schönbuch Trophy 2016


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Schönbuch Trophy 2016
Foto: Lukas Hoffmann

 

Foto: Carolin Achtermann

 

Foto: Gustavo Enzler

 

Foto: Gustavo Enzler

 

Foto: Gustavo Enzler
Regionale Rennevents zum Saisonstart motivieren fürs Training und helfen, die Fitness wieder schnell auf Vorjahresniveau zu bringen. Ein persönlicher Erfahrungsbericht von MOUNTAINBIKE-Chefgrafiker Gustavo Enzler, der bei der Schönbuch Trophy südlich von Stuttgart am Start war.

Eins vorweg: Ich fahre gern gemütlich. Das heißt, in der Regel radle ich ohne Zeitdruck. Am Wochenende kleine Runden in den Wäldern südlich von Stuttgart, unter der Woche ins Büro nach Leonberg, überschaubare 25 km - einfache Strecke.

Ok, den Black Forest Ultra Bike Marathon bin ich 2012 aus Neugierde mal gefahren sowie in Bad Wildbad die einfache Runde mit den Redaktionskollegen - aber halt gemütlich. Unter Druck beim Biken komme ich meist nur dann, wenn im Büro dann doch noch unvorhersehbar was zu erledigen ist und mein Zeitpuffer für den Heimweg dahinschmilzt, während meine Frau mit den Kindern auf mich wartet.

Schon einige Jahre fahre ich regelmäßig dieselbe Strecke und benötige dafür knapp über eine Stunde, seit vorletztem Jahr bin ich Strava-Nutzer. Das heißt, ich messe meine Zeiten mit einer Smartphone-App.

Eigentlich - so hatte ich gehofft - sollte mich die Visualisierung meiner Leistung schneller machen. Hat sie aber nicht, im Frühjahr diesen Jahres war ich sogar fast am Tiefpunkt angelangt und brauchte für den Hinweg ganze zehn Minuten länger als noch letzten Herbst. Ich war im Winter zwar auch einigermaßen regelmäßig gefahren, aber diesen Leistungseinbruch hatte ich nicht erwartet. War es die Kälte? Das Alter? Einige Wochen erdulde ich diesen Zustand der Ungewissheit. Dann fasse ich den Entschluß, etwas zu ändern.

Die südlich von Stuttgart in Herrenberg ausgetragene Schönbuch Trophy gibt mir Anlass, zu alter Form zurückzufinden. Das Rennen, 30 Minuten Autofahrt von mir entfernt, bietet mit 46 Kilometern die für mich perfekte Distanz und die Möglichkeit, ausgiebig vorher zu trainieren.

Und mein Rocky Mountain Instinct ist ein idealer Partner für diese Herausforderung. Dass zwei Freunde und unser Redaktionsvolontär Lukas sich anschließen, steigert die Motivation nur.

Fortan treffen wir uns sonntags in aller Frühe zum Training. Die Streckenführung ist von der Vorjahres-Austragung als GPS-Datei im Internet hinterlegt. Der Start an der Stadthalle führt zunächst hinauf, in den Schönbuch genannten Wald. Rund ein Drittel der Höhenmeter werden hier bereits bewältigt.

Mit 35 % Singletrail-Anteil ist die Strecke durchaus anspruchsvoll und beinhaltet rasante Abfahrten. Ein brachial steiler Anstieg am Ende der ersten, 23 Kilometer langen Runde erfordert eine weise Einteilung der Kondition. Die Downhillstrecke, die danach wieder hinunter zur Stadthalle führt, ist zum Zeitpunkt unseres Trainings leider noch im Bau.

Die ersten Trainingseinheiten laufen eher zäh. Die Muskeln brennen und schmerzen, und das miese Wetter tut sein übriges dazu. Mit kaum Traktion kämpfen wir uns durch die matschigen Singletrails und versuchen, auf den geschotterten Waldwegen wieder Zeit gut zu fahren.

Vor allem der Uphill am Ende der Strecke fordert seinen Tribut. Spätestens zu Beginn der zweiten Runde, wenn es wieder bergauf in den Wald geht, verflucht man den Ehrgeiz, den man noch vor zehn Minuten gezeigt hat. Aber von Mal zu Mal läuft es besser. Das Rennwochenende kommt näher und eine letzte Trainingseinheit soll mir einen ungefähren Eindruck von der Zeit geben, die ich am Wettkampf einfahren werde. Zeit zur Regeneration werde ich ja dann haben.

Mit Lukas und seinem Canyon Exceed fahre ich die 46 Kilometer mit einem für mich beachtlichen Schnitt - das frühe Aufstehen und die verpassten Sonntagsfrühstücke mit der Familie haben sich scheinbar ausgezahlt. Damit sollte ich eigentlich zufrieden sein - finde ich.

Doch am Montag und die darauf folgenden Tage holt mich ein fieser Muskelkater zurück in die Realität. Vermutlich habe ich mir doch zuviel zugemutet. So langsam zweifle ich, die Leistung der letzten Trainingseinheit wiederholen zu können.

 

Training für die Schönbuch-Trophy 2016 am Wochenende vor dem Rennen.
Foto: Lukas Hoffmann Am Wochenende vor dem Rennen wird im Schönbuch noch fleißig auf der Vorjahresstrecke trainiert.

Race-Day!

Am Tag des Rennens sinkt das Thermometer auf 10° Celsius. Kurz vor dem Start gießt es Bindfäden. Beim Streckenbriefing in der Stadthalle wird uns eröffnet, dass der Singletrail-Anteil aus Sicherheitsgründen auf 10 % gekürzt wurde. Die Mitarbeiter des Veranstalters geben sich alle Mühe, die Teilnehmer mit Getränken und Gebäck bei Laune zu halten.

Lukas und ich versuchen uns vergeblich warm zu fahren. Den Start des Rennens kann ich kaum noch abwarten. Kurz vor dem Start des 1. Blocks schieße ich noch ein paar Bilder der Lizenzfahrer, unter ihnen der kürzlich beim Cape Epic in Südafrika auf den zweiten Platz gefahrene Matthias Pfrommer.

Dann endlich startet der fünfte und letzte Block. Der Anstieg fällt mir leicht und ich freue mich geradezu darauf, endlich richtig ins schwitzen zu kommen. Auch wenn Lukas bereits abgezogen ist: Hier kann auch ich einige Plätze gut machen.

Oben auf der Kuppe biegt der Tross in den Wald ein. Dicht auf dicht kämpfen sich die Teilnehmer durch ein zirka 50 Meter langes Schlammfeld. Manche bleiben mit ihren Rädern stecken, kippen zur Seite oder steigen ab. Das Hinterrad meines Vordermanns spritzt mir kontinuierlich Brocken ins Gesicht. Juhu! Gerade mal fünf Minuten unterwegs und schon von oben bis unten voll mit Pampe. Ich ziehe bei nächster Gelegenheit vorbei und habe den Nächsten vor mir. So hat man es als Mountainbiker gern, eine echte Fangopackung deluxe.

Danach wartet kurzes Schotterstück, bevor es in den ersten Singletrail-Abschnitt geht. Dort ist überholen nahezu unmöglich. Hier macht sich die Streckenkenntnis bezahlt. Dennoch ist dieses hintereinander hergefahre nicht mein Ding, bin ich es doch gewohnt, mein Tempo zu fahren. Hier muss ich mich anpassen - noch.

Durch die erste Runde komme ich gut, nur einmal hat sich soviel Dreck zwischen Sitzrohr und Hinterrad festgesetzt, dass es schleift. Leider ist auch die Downhillabfahrt am Ende der Strecke gesperrt. Eine kurze Pause zu Beginn der zweiten Runde nutze ich lediglich zum Trinken, dann geht es wieder bergauf.

Auch die zweite Runde läuft gut, fast besser. Die Oberschenkel schmerzen zwar, aber das Gefühl ist dumpf und lässt sich gut unterdrücken. Also trete ich einfach weiter. Mittlerweile hat sich das Feld entzerrt und ich kann gut mein Tempo fahren. Mehrfach ziehe ich an einem Teilnehmer vorbei, der mich kurz darauf wieder einholt. So duellieren wir uns gegenseitig über einige Kilometer, ohne dabei verbissen zu werden.

Schließlich drehe ich mich zur Seite und frage ihn spaßeshalber nach einer Kippe. Er lacht, und wir unterhalten uns eine Zeit lang über das Rennen. Und finden beide, nun einige Kilometer vor dem Ende, das es trotz des miserablen Wetters, der weggekürzten Singletrail-Kilometer und des gestrichenen Downhills eine gelungene Veranstaltung ist. Eine Veranstaltung für Jedermann.

Im Ziel auf dem Marktplatz in Herrenberg angekommen, werde ich persönlich vom Sprecher begrüßt - was für eine Ehre! Lukas wartet bereits hinter der Absperrbande – als Vollblutracer hat er das Rennen deutlich ernster genommen als ich. Zeit für ein paar Fotos von uns und unseren Rössern, die mittlerweile durch den Schlamm fast das doppelte wiegen. Dann hole ich uns die obligatorische Kaltschale und wir begießen das Rennen abschließend.

Tatsächlich fühle ich mich nicht so fertig, wie nach dem letzten Training. Als ich mich abends auf der Ergebnisliste wiederfinde, bin ich überrascht: 17 Minuten schneller als letzten Sonntag. Ich bin baff. Hat sich die ganze Schinderei doch gelohnt! So ein bisschen stolz bin ich jetzt doch. Auch wenn ich sicher kein Rennfahrer werde - es gibt wohl kaum etwas besseres als ein nahegelegenes, regionales Rennevent, um wieder zu alter Form zurückzufinden und fit in die neue Saison zu starten. Nächstes Jahr bin ich sicher wieder am Start. Versprochen!

Lust mitzufahren? Mehr Infos unter http://www.eventservice-stahl.de/

30.05.2016
Autor: Gustavo Enzler
© MOUNTAINBIKE