Interview: Mannie Heymans über seine Cape-Epic-Teilnahme auf dem Fatbike

Mannie Heymans finishte als erster Mountainbiker das berühmte MTB-Etappen-Rennen Cape Epic mit einem Fatbike. Das Bike des Ex-Profis sorgte in der Szene für reichlich Diskussionen. MountainBIKE hat mit Mannie in seinem Windhoeker Bikeshop über die ungewöhnliche Aktion gesprochen.

Fotostrecke: Mit diesem Fatbike finishte Mannie Heymans das Cape Epic 2014

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Mannie Heymans 9Zero7 Carbon Fatbike Cape Epic 2014 Foto: Greg Beadle/Cape Epic/SPORTZPICS
Mannie Heymans 9Zero7 Carbon Fatbike Cape Epic 2014 Foto: Benjamin Linsner
Mannie Heymans 9Zero7 Carbon Fatbike Cape Epic 2014 Foto: Benjamin Linsner

Das Cape Epic führt jedes Jahr durch die südafrikanische Kapregion. Seit der Erstaustragung 2004 hat Marathonspezialist Mannie Heymans 9 Mal an dem MTB-Etappenrennen teilgenommen.

Bis auf 2013 stand er jedes Jahr am Start, gleich im ersten Austragungsjahr konnte er gemeinsam mit Karl Platt das Rennen sogar gewinnen.

Die Jubiläumsausgabe 2014 des Cape Epic (Rennberichte, Bilder und Videos von allen Etappen) hat Mannie Heymans als erster Biker überhaupt auf einem Fatbike absolviert.

MountainBIKE-Autor Benjamin Linsner hat ihn nach dem Etappenrennen in seinem Windhoeker Bikeshop besucht. Im Interview erzählt der Ex-Profi von seinen Erlebnissen während des Cape Epic 2014 und erklärt, was ihn an den dicken Rädern fasziniert.

 

Mannie Heymans
Foto: Stefan Redecker (snowballstudio) Mannie Heymans hat während seiner aktiven Karriere viele große MTB-Marathons gewonnen. 2014 trat er erstmals beim Cape Epic mit einem Fatbike an.

Mannie, Du bist als erster Mountainbiker das Cape Epic mit einem Fatbike gefahren. Wie kamst Du auf die Idee?

Ich hatte sehr wenig trainiert und wusste, dass ich das Rennen nicht gewinnen kann. Andere Leute trainieren 20 Stunden pro Woche, ich habe vielleicht 20 Stunden im vergangenen Jahr trainiert. Da ich mit meiner Teilnahme Spenden für die Herzstiftung Sunheart Foundation sammeln wollte, musste ich aber irgendwie auf mich aufmerksam machen. So entstand die Idee, erstmals mit einem Fatbike anzutreten.

Was fasziniert Dich am Fatbike?

Für mich hebt dieses Bike den Radsport auf ein neues Level. In Namibia hat das Fatbike noch mehr Potenzial als in Südafrika. Um es zu präsentieren, war das südafrikanische Etappenrennen Cape Epic allerdings die optimale Bühne.

Mit welchem Fatbike bist Du beim Cape Epic angetreten?

Grundlage für mein Wettkampfrad bildete ein Carbon-Fatbike der Firma 9Zero7. Der Hersteller kommt aus Alaska und baut diese Räder ursprünglich für tiefen Schnee. Ich habe das Bike etwas modifiziert und Carbon-Felgen von HED, sowie Anbauteile von AX-Lightness und Schmolke Carbon verwendet. Das Gesamtgewicht liegt bei 11,8 Kilogramm.

Wo siehst Du die Stärken des Fatbikes?

Das Fatbike spielt seine Vorteile vor allem auf sandigem und matschigem Untergrund aus. Solange man ausreichend Speed hat, bietet das Bike auch auf weichem Untergrund gute Traktion. Bergab habe ich einige Kontrahenten überholen können, da das Fatbike auf Abfahrten immer mehr Geschwindigkeit aufnimmt.

Welche Nachteile muss man mit einem Fatbike in Kauf nehmen?

Bergauf musste ich mich mit dem Fatbike mehr anstrengen, da der Druck hauptsächlich auf dem Hinterrad lastet. Auf Asphalt und Schotterpisten hat man mit dem Fatbike auch einen Nachteil wegen des hohen Rollwiderstandes. Und die wuchtigen Räder müssen erst einmal beschleunigt werden.

Worin unterscheidet sich das Fatbike von klassischen Mountainbikes?

Das Fatbike ist ist ein starres Bike ohne Federgabel oder Dämpfer. Umso härter die Reifen aufgepumpt sind, umso besser rollt das Bike. Die Dämpfung nimmt mit zunehmendem Druck jedoch ab. Ich habe beim Cape Epic am Vorderrad 0,45 Bar und 0,55 Bar am Hinterrad gefahren. Durch den niedrigen Druck war ich zwar langsam, habe aber zirka 15 Millimeter Federweg generieren können. Der Luftdruck ist der kritische Wert beim Fatbike. Hast du zu viel Druck, ist es nicht gefedert, ist der Druck zu gering, verlierst du an Geschwindigkeit.

Wie war die Resonanz von anderen Teilnehmern beim Cape Epic?

Viele Leute haben mich gefragt, wie ich mit dem Fatbike zurecht komme. Ich muss sagen, es ist wie Tandem fahren, bei dem nur einer pedaliert. Die meisten Leute haben gedacht, dass ich nur den Prolog mit dem Fatbike fahre und dann das Bike wechsle. Ich habe aber gar nicht gewusst, dass man das Bike zwischen den Etappen wechseln kann. Früher war das beim Cape Epic nämlich gar nicht erlaubt. Für mich war ohnehin klar, dass ich das Rennen mit dem Fatbike zu Ende fahre. Mein Gedanke war: Ich habe den ganzen Eintritt bezahlt, also werde ich auch das ganze Rennen fahren.

Konntest Du mit den anderen Bikern mithalten?

Vorne mitfahren ist schon schwer und wegen der größeren Anstrengung bei einem 8-tägigen Rennen so gut wie unmöglich. Ich habe aber viele Leute mit meinem 131. Platz in der Gesamtwertung überrascht. Am letzten Tag fuhren ich und mein Teamkollege Hellmuth Weich auf den 10. Platz in der Masters-Wertung.

Hattest Du technische Probleme oder Defekte mit dem Fatbike?

Nach der ersten Etappe hatten meine Tubelessreifen Luft verloren. Ich habe sie dann mit meiner Dichtmittelpumpe aufgepumpt. Ich weiß bis heute nicht, was die Ursache war.

Warum sollte sich das Fatbike durchsetzen?

Ich habe das erste Mal ein Fatbike in Kanada gesehen und diesen Trend will ich hier in Namibia auch durchsetzen. Wegen der vielen Wüstenregionen haben wir hier viel Sand. Die Hälfte aller Geländewägen ist deswegen mit dickeren Reifen unterwegs. Daraus kann man auch fürs Bike einen Nutzen ziehen.

Wird es zukünftig eine eigene Renn-Kategorie für Fatbikes geben?

Dafür werde ich sorgen! Die Menschen wollen immer was neues. Gerade hier in Namibia kann ich mir ein Fatbike-Rennen durch die Dünen gut vorstellen. Du könntest auch mit einem normalen Bike teilnehmen, aber die Sand-Dünen kommst du damit nicht hoch.

Wie sähe die optimale Fatbike-Strecke aus?

Das Fatbike fährt sich sehr gut im Sand und im steinigen Gebirge. Das Bike rollt über alle Hindernisse. Auch im Schlamm ist es optimal. Auf einer Fatbike-Strecke würde ich daher auf jeden Fall tiefen Sand und ein Flussbett einbauen.

Die Ausstattung von Mannie Heymans 9Zero7 Carbon-Fatbike

  • Carbon-Rahmen und Gabel von 9Zero7
  • Schaltwerk: Shimano XTR
  • Scheibenbremsen: Shimano XT (180 mm)
  • Kurbel: Race Face (2-fach)
  • Laufräder: HED Carbon (Felgenbreite 100 mm)
  • Reifen: Vee Tire Mission 26 Zoll (9,65 Zentimeter Breite. Erhältlich bis 12,7 Zentimeter Breite)
  • Sattelstütze: Schmolke Carbon
  • Sattel: Selle Italia
  • Vorbau und Lenker: AX Lightness
  • 11,8 Kilo Gesamtgewicht (Rahmen/Gabel-Gewicht unter 2 Kilogramm)
  • Preis: ca. 7.600 Euro

 

Mannie Heymans
Foto: Stefan Redecker (snowballstudio)

Zur Person Mannie Heymans

  • Nationalität: Namibisch
  • Spitzname: "Mr. African" (weil er bei vielen MTB-Rennen als einziger afrikanischer Teilnehmer angetreten ist)
  • Alter: 42 Jahre
  • Wohnort Windhoek
  • Karriere-Höhepunkte 3x Teilnahme an Olympischen Spielen, Sieger beim Cape Epic 2004, mehrfacher namibischer Straßen- und Mountainbike-Meister
  • Beruf: Bikeshop-Betreiber, Vorsitzender des namibischen Radsportverbandes und ehemaliger Mountainbike-Profi
23.04.2014
Autor: Benjamin Linsner
© MOUNTAINBIKE