Engadin Bike Giro: Mountainbike-Etappenrennen im Engadin

Trail um Trail: MOUNTAINBIKE am Start beim Engadin Bike Giro rund um St. Moritz


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Vollgas durch das Engadin
Foto: Madlaina Walther

 

Der Start zur letzten Etappe
Foto: Madlaina Walther

 

Vollgas durch das Engadin
Foto: Madlaina Walther

 

Oben angekommen
Foto: Kai Sauser

 

Flow im Renntempo
Foto: Madlaina Walther
Bei welchem Bike-Rennen kann man noch schöne Trails und Flow erleben? Der Engadin Bike Giro rund um St. Moritz verspricht beides. Unser Mitarbeiter Simon Gessler hat getestet, ob's wirklich so ist.

Meldet man sich zu einem Bike-Marathon an, so kann man meistens von 95% Forstautobahn-Gebolze ausgehen, gemischt mit einigen wenigen anspruchsvollen Wald- und Wiesenpfaden. Der Engadin Bike Giro verspricht eine "atemberaubende Streckenführung bei fantastischen Trails und grandiosen Ausblicken". Also schnell die Eltern zum Betreuen und mit Annika und Sarah zwei begeisterte Bikerinnen aus der Heimat in den Bus gepackt und ab nach Silvaplana, dem Nachbarort von St. Moritz und Heimatort des Engadin Bike Giros.

Die erste Etappe, ein Bergzeitfahren von zehn Kilometern und 788 Höhnemetern, lässt erst mal wenig Flow aufkommen. Gestartet wird im 15-Sekunden-Takt, und dann heißt es: Alles muss raus! Die dünne Luft auf rund 1800 Metern Seehöhe macht sich schnell bemerkbar. Nicht gerade tröstlich, dass es bis auf fast 2500 Meter nach oben geht. Doch die Bedingungen sind für alle dieselben, und im Ziel an der Corviglia wird man mit einem grandiosen Ausblick über die weißen Gipfel des Bernina-Massivs und die blau schimmernden Seen im Tal entschädigt.

Die Abfahrt ins Tal gibt einen Vorgeschmack auf die nächsten Etappen. Rote Schilder lassen vermuten, dass der Olympia-Flowtrail hinunter nach St. Moritz die nächsten Tage auch noch im Renntempo absolviert werden muss. Zu dritt lassen wir es ganz ohne Zeitdruck von Kurve zu Kurve laufen. In regelmäßigen Abständen hört man von vorne oder von hinten ein begeistertes Jauchzen. Unten angekommen lassen wir den Mittag entspannt an einem Steg am See ausklingen und kühlen die Beine etwas von der Rennbelastung ab.

 

Flow im Renntempo
Foto: Madlaina Walther Eines der Highlights beim Engadin Bike Giro: der Olympia-Flowtrail hinunter nach St. Moritz.

Tag 2: Mieses Wetter und Trails satt

Der Blick aus dem Fenster am zweiten Tag verrät nichts Gutes. Die Wolken hängen im Tal, es ist kalt und es regnet. Die Gesichter im Start- und Zielbereich sind noch angespannter als sonst vor einem Rennen, und die Startaufstellung wird erst so spät wie möglich eingenommen.

Es geht los. Schon am ersten Berg ziehen die Profis von Bulls und Bixs weg. Der Schotterweg wird allmählich schmäler und mutiert zum Trail. Was folgt, ist ein stetiges Auf und Ab - zu einem großen Anteil auf malerischen Trails.

Das Höhenprofil legt nahe, dass dies nur von begrenzter Dauer ist. Bei Kilometer 45 zeigt sich ein 750 Meter hoher Scharfrichter. Unsere Fünf-Mann-Gruppe wird schon auf den ersten Kehren auf drei Personen reduziert. Diese hat aber bis zum Gipfel bestand. Keiner gibt auch nur einen einzigen Meter preis.

Ich schaffe es als erstes in die Abfahrt und kann meine Mitstreiter distanzieren. Im Olympia-Flowtrail geht es nun talwärts, diesmal im Renntempo. Die Arme sind durch die vielen Trail-Kilometer schon spürbar geschunden und beginnen zu brennen. Auch fällt es mit schwindenden Kräften immer schwerer die Konzentration aufrecht zu erhalten.

Die Abfahrt in Richtung Ziel wird noch von einem Anstieg unterbrochen. Dieser entpuppt sich als anstrengende Schiebepassage. Auch oben auf dem Flachstück bleibt es felsig und verblockt. Der finale Downhill hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite ein extrem schöner und anspruchsvoller Trail, doch durch den körperlichen Zustand der Fahrer nach vier Stunden reinsten Trail-Feuerwerks wird er zu einer ruppigen Bestie, in der man sich kaum noch am Lenker festhalten kann.

Die Strecke hat zwar alles gehalten, doch wurde den Fahrern durch den hohen Trail-Anteil schnell aufgezeigt, wenn sie schlecht mit ihren Kräften gehaushaltet haben.

 

Trail um Trail
Foto: Madlaina Walther Im Renntempo blieb den Teilnehmern leider kaum Zeit das grandiose Panorama zu genießen.

Tag 3 mit verkürzter Strecke

Der Veranstalter reagiert über Nacht zur letzten Etappe auf das Feedback der Teilnehmer und verkürzt die Strecke am letzten Tag um einen anspruchsvollen 320-Höhenmeter-Anstieg, damit die Fahrer die Trails noch mehr genießen können.

Der Plan geht auf. Zwar erreicht die Etappe nicht das Trail-Niveau des Vortages, doch fällt es mit verkürzter Strecke leichter auch noch den letzten Trail hinunter nach Silvaplana zu genießen. Auch das Wetter spielt am dritten Tag mit und ermöglicht atemberaubende Ausblicke über das Oberengadin.

Als 13. im Gesamtklassement rolle ich nach insgesamt 152 Kilometern und 5300 Höhenmetern in Silvaplana ein. In den drei Tagen ist mir kaum ein Schweizer Rennfahrer untergekommen, der langsam bergab fuhr. Bei diesen Trails kein Wunder.

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18.07.2016
Autor: Simon Gessler
© MOUNTAINBIKE