Cross-Country-WM 2015 in Andorra: Die Favoriten und ihre Bikes

Cross Country Weltmeisterschaft Nino Schurter 2015 Andorra Scott
Foto: Gary Perkin/ Scott Sports
Am kommenden Samstag wird in Andorra der neue Cross-Country-Weltmeister ermittelt. Wer holt sich das Weltmeister-Jersey mit Regenbogenstreifen? MountainBIKE macht den Favoriten-Check und wirft einen genauen Blick auf die Hightech-Bikes der Profis.

Es sind die großen drei Namen im XC-Zirkus, die immer wieder auf dem Podium auftauchen und dementsprechend auch für die WM als Top-Favorieten gehandelt werden: Nino Schurter, Julien Absalon und Jaroslav Kulhavy.

Es scheint, als würden sie auch die Weltmeisterschaft in Andorra unter sich ausfahren. Manuel Fumic, Deutscher Meister und Hoffnung der gesamten Mountainbike-Nation Deutschland, will am Samstag im Bikepark Vallnord ein gehöriges Wörtchen mitreden, wenn es um die Medaillenvergabe geht. Ein kurzer Fahrer- und Bikecheck:

 

Nino Schurter 2015 Scott Bikes
Foto: Gary Perkin/ Scott Sports Der Schweizer Nino Schurter gilt als Top-Favorit für die Weltmeisterschaft 2015.

Nino Schurter

Seine Form:
Zuletzt zeigte sich der Schweizer in bestechender Verfassung. Gleich die letzten drei Worldcups konnte der 29-Jährige für sich entscheiden. Besonders im Downhill konnte der Churer seinem größten Gegner, den Franzosen Julien Absalon, arg zusetzen. Der mehrmalige Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger von 2015 gilt als absoluter Top-Favorit für den Titelgewinn 2015.

Sein Bike:

Der Schweizer Meister vertraut im Rennen auf ein Scott Spark Racefully. Das eigens für seine Körpergröße angepasste Bike besteht fast komplett aus Carbon. Die Laufradgröße beträgt 27,5 Zoll, Schurter war mit der erste, der diese Größe im Cross-Country-Sport etabliert hat. Logisch,dass Nino Schurter auch an seinem Racebike für die Weltmeisterschaft auf dieses Maß vertraut.

Die Dugast-Schlauchreifen werden auf das DT Swiss Carbon-Laufrad geklebt. So kann Schurter einen besonders geringen Luftdruck fahren und das Profil der Edelreifen krallt sich regelrecht in den Untergrund. Das DT-Swiss Fahrwerk weißt 100mm Federweg an Front und Heck auf.

Der dreimalige Elite-Weltmeister Schurter schaltet mit einem 11-fach Sram XX1 Schaltwerk. Je nach Strecke wählt er dabei zwischen einem 34er oder 36er Kettenblatt. Neben den Ritchey Carbon-Anbauteilen wie Lenker, Vorbau und Sattelstütze ist die Speziallackierung ebenfalls ein Blickfang.

Am Hinterbau prangt die Landesflagge der Schweiz und der Name des Fahrers. Das Oberrohr ist gar mit seinem eigenen Hashtag #huntforglory geschmückt, der ihn bis zum Olympiatitel 2016 in Rio begleiten soll. Für Verzögerung sorgt an Schurters Hightech-Bike eine Sram XX Worldcup Bremsanlage. Man munkelt, dass der Schweizer mit einer goldenen Kassette und Kette ins Rennen geht – Wir sind gespannt!

Fotostrecke: Race-Waffe! Das ist Nino Schurters WM-Bike

8 Bilder
Scott Spark 700 Carbon HMX Nino Schurter Foto: Björn Gerteis
Scott Spark 700 Carbon HMX Nino Schurter Foto: Björn Gerteis
Scott Spark 700 Carbon HMX Nino Schurter Foto: Björn Gerteis

 

Weltcup Albstadt 2015 Julien Absalon
Foto: EGO-Promotion/Küstenbrück Der Franzose Julien Absalon geht als Titelverteidiger in Andorra an den Start.

Julien Absalon

Seine Form:

Der 35-jährige Rekord-Weltmeister scheint der größte Konkurrent zu sein, welcher Nino Schurter den Titel streitig machen kann. In den letzten Worldcups zeigte sich der Französische Meister in einer tollen Form, musste aber im Downhill seinen Schweizer Widersacher oft ziehen lassen.

Absalons Olympiatitel 2004 und 2008 sprechen eine deutliche Sprache: Mit dem Franzosen ist absolut immer zu rechnen – seine Attacken sind im Rennen gnadenlos. Auch weiß der erfahrende Sportler genau, wie er seinen Körper auf Höhenluft und Strecke anpassen muss.

Sein Bike:

Absalon hat bei seiner Radauswahl die Qual der Wahl und andere Optionen als seine Kollegen. Neben dem Fully BMC Fourstroke steht dem Franzosen das neue "Softtail" BMC Teamelite zu Verfügung.

Im Hinterbau des BMC Teamelite stehen durch einen Gummidämpfer etwa 15mm Federweg zu Verfügung. Dieses Feature soll nur etwa 80 Gramm Mehrgewicht bedeuten – bei deutlich spürbarem Komfortgewinn. Beim Gangwechsel vertraut Absalon auf die Shimano XTR Di2, die erste elektronische Schaltung fürs Mountainbike.

Das BMC Racing Team setzt auf Fox Dämpfer- und Federgabel, weswegen Julien Absalon auf die neue elektronische Lockout-Einheit iCTD zurückgreifen kann. Dazu gibt es Shimano XTR-Laufräder und Bremsen. Der Rekordchampion nimmt auf einem Fizik-Sattel Platz. Gesteuert wird mit einem Lenker und Vorbau von PRO, bei den Gummis setzt der BMC-Biker auf Continental-Reifen aus dem deutschen Korbach.


MountainBIKE hat sich das neue Teamelite-Softtail von BMC genauer angesehen. Hier geht es zum Artikel

 

MTB Marathon-EM
Foto: Armin M. Küstenbrück Dem Tschechen Jaroslav Kulhavy ist ebenfalls der Titelgewinn zuzutrauen.

Jaroslav Kulhavy

Seine Form:
Zuletzt lief es beim großen Tschechen nicht nach Plan. Neben zwei eher mäßigen Übersee-Weltcups in Mont Saint Anne und Windham ging die Verteidigung des nationalen Meistertitels in Tschechien für Kulhavy ebenfalls daneben. Trotzdem ist mit Jaroslav Kulhavy immer zu rechnen, schließlich ist er Olympiasieger und war auch schon Weltmeister. Sitzt „Jaro“ mal nicht auf dem Bike, ist er seit neuestem im Maserati unterwegs. Ob ihn dieser aufs Podium beflügeln wird?

Sein Bike:

Jaroslav Kulhavy ist im Rennen nahezu immer mit dem Fully seines Sponsors Spezialized unterwegs. Das Specialized S-Works Epic ist, wie es sich für einen Olympiasiegers gehört, ein Bike der Spitzenklasse. Teilweise wuchtet der muskulöse Tscheche sogar ein 38er Kettenblatt – bärenstark!

Durch seine Größe wählt Jaroslav Kulhavy ein ganz besonderes Setup: Neben einem negativen Vorbau ist auch der Sattel an der Nase nach vorne geneigt. Der amerikanische Bike-Hersteller Specialized verbaut Roval Carbonlaufräder mit Spezialized-Reifen in der eigens für Kulhavy kreierten „Gold Medal Editon“. Gefedert wird mit der Rock-Shox RS-1 Upside-Down Federgabel, am Heck dämpft ein Fox-Federbein mit Spezialized Brain-Technologie. Geschaltet wird am Edel-Fully mit einer Sram XX1. Ist der Tscheche mal zu schnell unterwegs, sorgt eine Sram Guide Bremse für Verzögerung.

Fotostrecke: WM Bikecheck: Das Specialized Epic S-Works von Jaroslav Kulhavy

3 Bilder
Cape Epic 2015 Etappe 2. Foto: Nick Muzik/Cape Epic/SPORTZPICS
Cape Epic 2015 Foto: Shaun Roy/Cape Epic/SPORTZPICS
Cape Epic 2015 Foto: Nick Muzik/Cape Epic/SPORTZPICS

 

Manuel Fumic MTB-WM 2014
Foto: Cannondale/Maasewerd Manuel Fumic ist die deutsche Hoffnung bei der Weltmeisterschaft 2015 in Andorra.

Manuel Fumic:

Seine Form:
Zuletzt lieferte er beim Übersee-Weltcup in Windham eine starke Vorstellung ab. Besonders begeisterte der amtierende Deutsche Meister bei einem atemberaubenden Downhill-Überholmanöver im Rockgarden „Rock no Roll“, als er an Nino Schurter vorbeizog. Am Ende des Rennens sprang Platz 3 für den Schwaben heraus. Vor der Weltmeisterschaft campiert Fumic extra im Wohnmobil an der Strecke, um sich auf die Höhenluft von Andorra vorzubereiten. Als Vize-Weltmeister von 2013 ist ihm an einem guten Tag sicher ein Sprung auf das Podest zuzutrauen.

Sein Bike:

Als Cannondale Factory Racing Fahrer greift Fumic 2015 meistens auf sein Cannondale-Fully Scalpel zurück. Auf dem WM-Kurs wird Manuel Fumic jedoch höchstwahrscheinlich das Cannondale F-Si Hardtail fahren. Die Lackierung und die Decals wurden extra zur WM im schwarz-rot-goldenen Look gestaltet.

Auch spendierte Sponsor Sram eine goldene Kette und Kassette. Vorne kommt eine Lefty mit 100mm Federweg zum Einsatz. Bei den Reifen setzt Fumic zumeist auf den Schwalbe Racing Ralph. Die ENVE Felgen sind aus Carbon gefertigt.

Der Deutsche Meister kann im Rennen mit einer Sram XX1 zwischen 11 Gängen wählen. Die Kettenblattgröße beträgt bei Fumic, je nach Strecke, zwischen 34 und 36 Zähnen. Falls „Manni“ doch mal bremsen sollte, bringen ihn Avid XX Worldcup Bremsen zum Stehen.


MountainBIKE ist das Cannondale F-Si Carbon Team bereits gefahren! Hier geht es zum Test

Fotostrecke: WM-Bikecheck - Das Cannondale F-Si von Manuel Fumic

7 Bilder
Manuel Fumic WM Andorra Cannondale F-Si Foto: Michele Mondini
Manuel Fumic WM Andorra Cannondale F-Si Foto: Michele Mondini
Manuel Fumic WM Andorra Cannondale F-Si Foto: Michele Mondini

Die Strecke:

4,2 Kilometer lang – auf einer Höhe von 2000 Metern: So lesen sich die Eckdaten des Rennkurses von Andorra im Bikepark Vallnord. Als Besonderheit der Strecke lässt sich sicher die Höhenlage von fast 2000 Metern einstufen. Diese wird die Luft für die Fahrer sehr dünn werden lassen. Eine gute Vorbereitung ist also besonders wichtig bei diesem WM-Spektakel.

Video: Ein kleiner Vorgeschmack auf die WM 2015 in Andorra




04.09.2015
Autor: Lukas Hoffmann
© MOUNTAINBIKE