Cross-Country-DM: Sabine Spitz feiert grandioses Comeback - Moritz Milatz gewinnt Männer-Rennen

Sabine Spitz hat nach ihrer siebenwöchigen Verletzungspause ein großartiges Comeback gefeiert und in Bad Salzdetfurth ihren insgesamt 12. nationalen Meistertitel gefeiert. Bei den Männern gewann der Freiburger Moritz Milatz nach einem aufregenden Rennen.

Fotostrecke: Impressionen von der Cross-Country-DM 2013 in Bad Salzdetfurth

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Cross-Country-DM 2013 Foto: EGO-Promotion/Marius Maasewerd
Cross-Country-DM 2013 Foto: EGO-Promotion/Marius Maasewerd
Cross-Country-DM 2013 Foto: EGO-Promotion/Möller

Sabine Spitz verwies Elisabeth Brandau in 1:30:14 Stunden mit 1:03 Minuten Vorsprung Elisabeth Brandau aus Schönaich auf Rang zwei. Auf Rang drei überraschte Silke Schmidt (München), die 1:37 Minuten Differenz aufwies. Die Plätze vier und fünf gingen an Hanna Klein (Freiburg) und Anja Gradl (Kastl). Bei den U23-Damen siegte Titelverteidigerin Helen Grobert (Remetschwiel) genauso wie bei den Juniorinnen Sofia Wiedenroth (Sigmarszell).

Bei Sabine Spitz lief das zweite Rennen nach ihrer siebenwöchiger Verletzungspause besser als sie selbst erwartet hätte. „Das war im Vorfeld kein Understatement. Der große Unsicherheitsfaktor war die Fahrtechnik“, erklärte Sabine Spitz.

Tatsächlich konnte Elisabeth Brandau in den ersten drei Runden die dreifache Olympia-Medaillengewinnerin in den technischen Passagen auch unter Druck setzen, doch am Berg war die 41-Jährige einfach stärker als Brandau, die selbst nach einem Bänder-Anriss im Knie noch nicht wieder ganz auf der Höhe ist.

„Da fehlt mir einfach die Kraft. Ich habe auch ein größeres Kettenblatt gewählt, weil ich Angst hatte, das sich das nicht durchdrücken kann“, erklärte Elisabeth Brandau.
In der vierten Runde entschwand die Seriensiegerin der 27-Jährigen aus Schönaich endgültig, und das Rennen war zugunsten von Sabine Spitz entschieden.

„Ich muss sagen, ich bin auch überrascht wie gut ich die vielen Antritte weg gesteckt habe, damit habe ich nicht gerechnet“, bekannte die Südbadenerin Spitz. Der zwölfte Meistertitel ist sicher einer der überraschendsten in ihrer Karriere.
„Routine wird das nie“, meinte sie.

„Mit meiner ganzen Vorgeschichte muss ich zufrieden sein“, meinte Elisabeth Brandau zur zweiten Cross-Country-Silbermedaille nach 2011.
Silke Schmidt war dagegen „sprachlos“. Die DM war ihr erstes Cross-Country-Rennen. Die Juristin war aber offenbar ausgeruht genug eine Hanna Klein in Schach zu halten, bei der an diesem Tag ziemlich viel schief lief, inklusive einer Kette, die immer wieder runter fiel.

„In der dritten Runde dachte ich, es geht überhaupt nichts mehr, aber irgendwann hat sich das gelöst. Den Puls habe ich nicht so hoch gebracht, wie letztes Jahr, aber mein Tempo konnte ich gut durchziehen“, erklärte Schmidt, die 2012 auch schon Dritte war.

Der U23-Titel ging wie erwartet an Helen Grobert (Focus XC), die sich schon in der ersten Runde absetzte und auch einen Sturz in der zweiten Runde verkraften konnte.
„Ich war die Favoritin, aber Meisterschaft ist Meisterschaft. Man muss es erst mal ins Ziel bringen“, zeigte sie sich erleichtert über ihren zweiten Titel in dieser Kategorie.

Vermutlich wunderte sie sich, dass bei ihrem Sturz Lena Putz (Muskelkater-Genesis) nicht aufschließen konnte. Doch die war vor dem Start etwas desorganisiert und ging mit 30-sekündiger Verspätung ins Rennen. Es ist nochmal alles gut gegangen, denn am Ende konnte sie sich mit der – erwarteten – Silbermedaille dekorieren lassen.

„Das war mein Fehler. Erstmal war ich geschockt, aber dann habe ich alles rein gelegt. Schade, dass ich nicht wirklich gegen Helen kämpfen konnte“, konstatierte die Röhrnbacherin.
Bronze ging überraschend an Lena Wehrle (Lexware-Rothaus), die vom „geilsten Rennen meines Lebens“ sprach. Die Buchenbacherin ließ in der ersten Runde Majlen Müller (Fujibikes Rockets) zurück, nachdem die einen Defekt erlitt.

Moritz Milatz fährt nach dramatischem Rennen zum vierten Titel

Der Freiburger Moritz Milatz hat sich in Bad Salzdetfurth zum vierten Mal den Deutschen Meistertitel geholt. Der 31-Jährige bezwang in einem aufregenden Rennen Altmeister Wolfram Kurschat nach 1:26:01 Stunden mit 40 Sekunden Vorsprung. Bronze ging an den 22-jährigen U23-Fahrer Markus Schulte-Lünzum aus Haltern, der den Start in der Eliteklasse wählte. Auf den Plätzen vier und fünf landeten Titelverteidiger Manuel Fumic aus Kirchheim/T. (+1:55) und Markus Bauer (Kirchzarten, +4:03).

„Dramatisch“ nannte Moritz Milatz das Herren-Rennen vor einer großen und stimmungsvollen Zuschauerkulisse. Aus seiner Sicht war es das auf jeden Fall. Schon in der ersten von acht Runden gerieten seine Titelambitionen in weite Ferne. In einer Abfahrt hatte er sich einen Hinterrad-Defekt geholt. Glücklicherweise war es nicht weit zur Technischen Zone, so dass der Zeitverlust nicht allzu groß war. Für Milatz war es aber dennoch „eine Ewigkeit“ und in der ersten Runde ist ein Defekt erst einmal „fatal“ weil man viele Plätze einbüßt.

Mit 35 Sekunden Rückstand auf Markus Schulte-Lünzum kam er als Zwölfter aus der ersten von acht Runden und begann seine Aufholjagd. Im Verlauf der dritten Runde kam er an der Spitze an. Dort musste Youngster Schulte-Lünzum seinem offensiven Anfang Tribut zollen und fiel zurück, so dass mit Wolfram Kurschat, Manuel Fumic und Moritz Milatz die „Ü30-Fraktion“ das Tempo bestimmte.

In der vierten Runde verlor Fumic, der nach siebenwöchiger Verletzungspause sein zweites Rennen fuhr, den Anschluss und Moritz Milatz übernahm in Runde fünf das Kommando und holte sich einen kleinen Vorsprung heraus. „Dann habe ich in der Verpflegungszone kein Gel bekommen und musste echt kämpfen. Ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren und bin gestürzt“, erzählte Milatz von der Fortsetzung seines persönlichen Dramas auf dem Weg zum fünften Sieg in Bad Salzdetfurth, wo man ihn längst als Publikumsliebling adapiert hat.

Kurschat konnte die Lücke jedoch nicht mehr schließen, so dass Milatz souverän zum Sieg fahren konnte. „Ich bin überglücklich nach diesem Kampf. Das war eines der aufregendsten Rennen, das ich je gefahren bin“, sagte ein strahlender Milatz. Mit einem sanften Schmunzeln im Gesicht bilanzierte Wolfram Kurschat seine Silbermedaille. „Ich habe verloren“, sagte er, „ich wolle gewinnen. Aber Moritz war heute der Stärkste, wenn man auch bedenkt, dass er den Defekt hatte. Ab der vierten Runde hatte ich Rückenschmerzen und habe deshalb versucht auf den Asphaltpassagen Druck zu machen. In den technischen Teilen konnte ich nicht mehr Gas geben.“

Im Kampf um Bronze hatte Markus Schulte-Lünzum das bessere Ende für sich. Nachdem er sich aus der Spitzengruppe verabschiedet hatte, habe er „nicht mehr dran geglaubt“. Der Rückstand auf Rang drei wuchs auf über 50 Sekunden an. „Ich war in den ersten zwei Runden voll über dem Limit. Erst in Runde fünf ging es wieder, nachdem ich eigentlich versucht habe etwas Tempo raus zu nehmen“, erläuterte Schulte-Lünzum. Als ihm dann mitgeteilt wurde, dass sein Rückstand auf Fumic wieder geringer wurde, da erwachte der Kampfgeist vollends. Am letzten Anstieg kam er an den neun Jahre älteren Fumic heran, es gab ein kurzes Duell, doch Schulte-Lünzum kam als Erster oben an und setzte sich ab.

„Ich habe am Anfang riskiert, weil ich nichts zu verlieren hatte“, erklärte der U23-Weltcup-Führende, „dass es noch aufgegangen ist, das ist voll geil“. Manuel Fumic sprach auch vom Risiko, das er zu Beginn eingegangen sei. „Das war in meiner Verfassung die einzige Möglichkeit. Ich wollte möglichst viel Zeit zwischen mich und Platz vier bringen. Es hätte auch gut gehen können, aber in meiner Situation kann ich mit den Dreien nicht mithalten“, erklärte Fumic.

Markus Bauer gewann die Auseinandersetzung der Verfolger. Der Kirchzartener hat auch eine lange Verletzungspause (Kahnbeinbruch) hinter sich und war „mit meiner Ausgangslage“ sehr zufrieden mit Rang fünf.

U23-Titel an Christian Pfäffle - Lukas Baum gewinnt Junioren-Rennen

Christian Pfäffle hat sich seinen ersten Meistertitel in der U23-Kategorie gesichert. Der Neuffener gewann in Bad Salzdetfurth mit einer eindrucksvollen Vorstellung mit 56 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Julian Schelb. Dass mit Martin Gluth ein weiterer Fahrer aus der Kirchzartener Lexware-Rothaus-Equipe die Bronzemedaille holte (+1:43), war keine Überraschung.

Europameister Lukas Baum (Fiat-Rotwild) hat in Bad Salzdetfurth seinen Deutschen Meistertitel bei den Junioren verteidigt. Der Neustädter siegte in 1:06:47 Stunden mit 49 Sekunden Vorsprung auf dem EM-Sechsten Georg Egger (Bike Juniorteam) und 1:25 Minuten vor Luca Schwarzbauer (Lexware-Rothaus). Auf den Plätzen vier und fünf landeten dessen Teamkollege David Horvath (+1:55) und Philipp Bertsch (+5:18).

15.07.2013
Autor: MTB-Pressedienst/Erhard Goller
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