MTB-Bundesliga: van Houts und Dahle-Flesjaa siegen in Münsingen

Der Niederländer Rudy van Houts und die norwegische Mountainbikerin Gunn-Rita Dahle-Flesjaa holten sich bei turbulenten Wetterbedingungen den Sieg beim MTB-Bundesliga-Auftakt in Münsingen.

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16. Internationaler MTB-Frühjahrsklassiker in Münsingen Foto: Marius Maasewerd/EGO-Promotion
MTB-Bundesliga 2012 Münsingen Foto: Multivan Merida/Maasewerd
MTB-Bundesliga 2012 Münsingen Foto: Multivan Merida/Maasewerd

Nach einem dramatischen Verlauf gab es im Herren-Rennen den ersten niederländischen Sieg beim MTB-Frühjahrsklassiker in Münsingen. Das Klassement nach der ersten Runde, gab beim Zieldurchlauf erst einmal Anlass zum Stirnrunzeln.

Martin Gujan hatte man da ja noch erwartet, auch Jochen Käß (Bietenhausen), dann aber kamen Rudy van Houts und Julian Schelb (Münstertal). Es fehlten: Nino Schurter, Florian Vogel (beide Schweiz) und auch Manuel Fumic (Kirchheim/T.), die erst später an die Zielpassage kamen.

Des Rätsels Lösung war ein harter Sturz in einer schnellen Abfahrt, den U23-Fahrer Julian Schelb ausgelöst hatte. Der hatte sich an die Spitze gesetzt - vor Schurter, Vogel und Fumic. Kurz vor dem Start hatte es gehagelt und der Untergrund war extrem rutschig geworden. „Kein Vorwurf an Schelb. Das war extrem rutschig dort“, sagte Schurter. Der Führende im Mountainbike-Weltcup war allerdings der wirkliche Leidtragende, denn bei ihm bracht der Lenker. Somit war das Rennen für Schurter nach einer halben Runde beendet.

Wiederholt gab es in der Folge Regenschauer, die Temperaturen waren sehr kühl. So gab zum Beispiel Jochen Käß das MTB-Rennen auf, weil er die Bremse nicht mehr richtig betätigen konnte. Martin Gujan bildete mit Markus Schulte-Lünzum (Haltern) und Rudy van Houts eine Spitzengruppe. Van Houts machte einmal einen Fehler und verlor den Anschluss.

Doch der Holländer konnte zu Beginn der vorletzten Runde die Lücke wieder schließen und ging auch gleich an die Spitze. Er setzte sich ab und fuhr solo dem Ziel entgegen. „Ich habe aufs Podium gehofft, aber dass ich gewinnen könnte, damit habe ich nicht gerechnet. Das hat mich schon überrascht“, bekannte van Houts. „Aber das ist cool.“

MTB-Bundesliga 2012 in Münsingen: Gujan unfallfrei auf Rang zwei

Er war einer der Fahrer, die an dem beschriebenen Sturz unfallfrei vorbei kamen. Martin Gujan hängte Markurs Schulte-Lünzum in der letzten Runde ab, musste sich noch dem Angriff von Florian Vogel, der fulminant von hinten aufrückte, erwehren. „Ich habe mich nach dem Sturz erst mal nach Nino erkundigt und war etwas demotiviert. Zugleich bin ich die technischen Passagen auch schlecht gefahren. Aber nach zwei Runden habe ich die richtigen Linien und auch den Spaß wieder gefunden“, schilderte Vogel die Umstände seiner Aufholjagd.

Martin Gujan bekannte: „Ich war in den letzten beiden Runden schon am Limit. Ich war auch auf Trockenreifen unterwegs. Das ging auch ganz gut, nur in der steilen Abfahrt musste ich vorsichtig sein. Letztlich habe ich auch ein wenig Glück gehabt, weil ich von den Stürzen nicht betroffen war.“

26 Sekunden hinter van Houts erreichte Gujan das Ziel, vier Sekunden vor Florian Vogel, der Markus Schulte-Lünzum noch von Rang drei verdrängte. „In der letzten Runde bin ich in der Abfahrt gestürzt und danach nur noch rum geschlittert. Eigentlich bin ich voll zufrieden, aber so wie es gelaufen ist, wäre natürlich Rang drei drin gewesen“, erklärte der Deutsche U23-Meister nach seinem ersten Elite-Bundesliga-Rennen.

Tim Böhme (Frankfurt) löste Heiko Gutmann (Münstertal) in der letzten Runde noch auf Rang fünf ab und besetzte den letzten Platz auf dem MTB-Podium. „Ich bin mein Rennen gefahren. Das ist mein bestes Bundesliga-Ergebnis“, freute sich Böhme.

Während der Weltcup-Gesamt-Fünfte Maxime Marotte (Frankreich), gerade als er die Lücke zur Spitze geschlossen hatte, mit gebrochenem Schalthebel aufgeben musste, schied auch Manuel Fumic, angeschlagen vom Sturz und unterkühlt, kurz vor Ende des Rennens aus.

Fünfter Sieg für Gunn-Rita Dahle-Flesaa in Münsingen

„Es gibt so viele schöne Erinnerungen an Münsingen“, sagte Gunn-Rita Dahle-Flesaa. Die Norwegerin strahlte aus ihrem mit Dreck verschmierten Gesicht. Am Sonntag hat sie noch eine weitere, genau genommen die fünfte hinzu gefügt.

Die erfolgreichste Mountainbikerin der Welt legte im Damen-Rennen über 27,22 Kilometer los, wie man es von der MTB-Olympiasiegerin von 2004 aus den Jahren 2004 bis 2007 gewohnt war. Bereits aus der ersten Runde kam sie mit einem kleinen Vorsprung zurück und baute den sukzessive aus.

„Es ist schön, auch nach hartem Training gewinnen zu können“, sagte Dahle-Flesjaa und verwies auf ihr Bike. Sie war erst jüngst von der 26-Zoll- auf die 29-Zollgröße umgestiegen. „Ich bin ein Fan davon geworden. Das ist die Zukunft“, und betonte, dass sie auch auf dem glitschigen Untergrund damit ihre Vorteile hatte.

Annika Langvad hatte während des gesamten Rennens auf Rang zwei gelegen, wurde aber in der letzten Runde von der Schweizerin Katrin Leumann verdrängt. Langvad rutschte das Vorderrad weg, sie prallte auf einen Baum und büßte den Vorsprung von knapp 20 Sekunden auf die Ex-Europameisterin ein.

„Gunn-Rita hat einen kleinen Vorsprung bekommen, den ich nicht mehr schließen konnte. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt, bis zur letzten Runde“, zeigte sich Langvad nicht unzufrieden mit ihrem Rennen.
Katrin Leumann schätzte sich glücklich über ihren zweiten Platz. „Ich habe sehr gelitten, ich hatte gar keine guten Beine, ganz anders als letzte Woche beim Weltcup“, erklärte die Zweitplatzierte, die 1:41 Minuten Rückstand auf Dahle-Flesjaa (1:15:25) aufwies.

Beste Deutsche Mountainbikerin war Elisabeth Brandau (Schönaich). Die Vorjahressiegerin kam erst in der zweiten von fünf Runden auf Touren. „Es war schon okay, aber das ist noch ausbaufähig. Mir fehlt die Spritzigkeit, am Anfang hatte ich keine Chance“, erklärte Brandau. Sie war Leumann, die zu diesem Zeitpunkt Dritte war, am Anstieg nahe gekommen, in den Abfahrten verlor sei allerdings immer wieder Zeit. So wurde sie mit 2:53 Minuten Rückstand Vierte.

Helen Grobert zeigte ein starkes Rennen und behauptete sich auf Rang fünf (+3:05). Die U23-Fahrerin aus Remetschwiel kam als Vierte aus der ersten Runde und musste dann auch nur Brandau vorbei lassen.

Lena Putz ohne Schmerzen zum Sieg bei den Juniorinnen

Bei den Juniorinnen jubelte Lena Putz über ihren ersten Saisonsieg. Die Zweite vom Weltcup in Houffalize stieß einen Freudenschrei aus, als sie die Ziellinie überquerte. Der galt nicht nur ihrem Sieg, sondern auch dem, was sie nicht mehr spürte. „Ja, ich habe keine Schmerzen mehr gehabt. Die Beine waren gut, ich freue mich riesig“, kommentierte Putz, die 36 Sekunden vor Sofia Wiedenroth gewann.

Lena Putz hatte sich im Januar das Handgelenk gebrochen und erst vor einer Woche das erste Rennen bestritten. In der zweiten von vier Runden setzte sich Putz von ihrer Konkurrentin ab. „Lena war sauschnell unterwegs. Ich hatte ein bisschen Probleme mit der Schaltung und mit Krämpfen“, erklärte Wiedenroth.

Ein Solo von Simon Stiebjahn im U23-Rennen

Simon Stiebjahn aus Titisee-Neustadt konnte überraschend das U23-Rennen der Herren gewinnen. In der zweiten Runde setzte sich Stiebjahn am Berg von seinen Begleitern ab. „Ich habe gemerkt, dass ich eine Lücke habe und habe dann durch gezogen“, erklärte Stiebjahn.

Was folgte, war ein Solo, bei dem er seinen Vorsprung vor einer dreiköpfigen Verfolgergruppe mit dem Schweden Olof Jonsson, dem Mosbacher Marcel Fleschhut und dem Niederländer Rens de Bruijn, bis zur letzten Runde auf eine Minute ausbaute. „Ich war nie über dem Limit“, zeigte sich Stiebjahn selbst erstaunt über seine Leistung, nachdem er kürzlich noch krank gewesen war. Er ließ sich auch vom Hagel, der während der letzten Runde für kurze Zeit einsetzte, nicht aus dem Konzept bringen.

Marcel Fleschhut „erbte“ Rang zwei von Jonsson, der 300 Meter vor dem Ziel an zweiter Position weg rutschte und sich das Schaltwerk kaputt machte. So verlor er auch noch Rang drei an de Brujn.
„Ich bin sehr zufrieden“, meinte Fleschhut, „als Stiebi weg zog, da konnte ich nicht mit.“ Er hatte in den vergangenen Wochen an Sturzverletzungen laboriert.

Junioren-Rennen: Frischknecht schlägt Frey

Im Junioren-Rennen setzte sich Andri Frischknecht, der Sohn von Mountainbike-Legende Thomas Frischknecht, gegen den Bad Uracher Martin Frey und Emil Linde aus Schweden durch. Der Schweizer Frischknecht, der Schwabe Frey und Schwede Linde hatten sich in der dritten von fünf Runden von zu einer Spitzengruppe formiert und dabei Lukas Baum (Neustadt/W.) und Ben Zwiehoff (Essen) hinter sich gelassen.

In der letzten Runde konnte sich Frischknecht an die Spitze setzen und sich den MTB-Bundesliga-Auftakt mit 24 Sekunden Vorsprung auf Frey gewinnen. „Ich war heute körperlich sicher nicht der Stärkste, ich habe es eher in den technischen Passagen gemacht“, sagte Frischknecht. Frey war mit seinem Rennen auch zufrieden. „Ich war nie über dem Limit“, meinte er.

23.04.2012
Autor: MTB-Bundesliga/Erhard Goller
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