Neu: Rock Shox RS-1 - Upside-Down-Federgabel für 29er-Mountainbikes

Rock Shox bietet mit der neuen Upside-Down(USD)-Gabel RS-1 eine exklusive und hochpreisige Carbon-Federgabel für 29er-Mountainbikes an - mit 80, 100 oder 120 mm Federweg. Gleichzeitig kommt mit Predictive Steering ein neuer Achs-Standard fürs Vorderrad mit drei neuen Laufrädern. Infos, Bilder und erste Fahreindrücke.

Mit der RS-1 sorgt Rock Shox dieses Frühjahr für mächtig Furore. Die 29er-Gabel kommt mit Upside-Down(USD)-Bauweise und setzt auf Carbon-Standrohre und Schaft. Rock Shox verspricht sich durch die umgekehrte Bauweise eine enorm hohe Steifigkeit sowie ein extrem feinfühliges Ansprechverhalten.

Mit 1.666 Gramm ist die Gabel zwar nicht leichter als die aktuelle Rock Shox SID, soll diese aber in Punkto Steifigkeit deutlich übertrumpfen. So viel Exklusivität lässt sich Rock Shox gut bezahlen, die neue RS-1 kostet stolze 1.658 Euro.

Optik und Funktion der RS-1 sollen den MTB-Markt revolutionieren

„Dank ihrer breiten Carbon-Brücke schmiegt sich die Gabel perfekt an die Optik voluminöser Carbon-Rahmen an“, beginnt Jed Douglas, Rock Shox Brand Manager, die Präsentation der neuen RS-1. Die neue, massive Carbon-Brücke soll neben den optischen Vorzügen vor allem für eine enorme Steifigkeit der Upside-Down-Gabel sorgen. Die Bremssteifigkeit soll sogar höher ausfallen als bei der Enduro-Gabel Pike.

Um die RS-1 auch in Punkto Lenkpräzision zu versteifen, setzt Rock Shox auf ein neues Achssystem. Predictive Steering nennt Rock Shox die breitere Achse mit zugleich größerem Flansch, die dafür sorgen soll, dass Nabe und Gabel einen extrem stabilen Verbund bilden. Die neue Nabenachse wird weiterhin mit einer 15 mm Maxle-Achse gespannt. (Mehr Details zu Predictive Steering gibt's in der Fotostrecke).

 

Rock Shox RS1
Die Predictive-Steering-Achse als technische Zeichnung. Die mittlere Achse bildet beim Spannen der Maxle-Achse (links) mit Gabel und Nabe einen stabilen Verbund. (Für Großansicht auf die Lupe klicken)

Rock Shox RS-1: Innenleben von der Pike

Beim Innenleben der neuen RS-1 griffen die Rock-Shox-Entwickler zur der bewährten Technik aus der Pike. Eine Solo-Air-Luftkammer soll für die bekannte, feinfühlige Performance sorgen und kann via Spacer in Punkto Endprogression verstellt werden. Auf der Dämpfungsseite setzt Rock Shox auf die sogenannte Accellerator-Dämpfung, die im Wesentlichen auf den Bauteilen der Dämpfer-Kartusche aus der Pike aufbaut.

Via X-Loc-Remote-Hebel kann die Gabel zudem blockiert werden. Der Lock-Modus soll sehr straff und somit speziell auf die Bedürfnisse von MTB-Racern abgestimmt sein. Übrigens: Die Luftkammer befindet sich bei der neuen RS-1 auf der rechten Gabelseite. Das soll die Upside-Down-Gabel verwindungssteifer machen.

Upside-Down – im Motorrad-Sport längst Standard

An Motorrädern sind Upside-Down-Gabeln (USD-Gabel) nicht mehr wegzudenken, da sie dank ihrer Konstruktion für viele Vorteile sorgen. Zum einen spielt bei Motorrädern das Gewicht der ungefederten Masse, also dem kompletten Rad mit Bremse und dem unteren Teil der Gabel, eine entscheidende Rolle. Ist die ungefederte Masse hoch, spricht die Federung nur träge an.

Bei USD-Gabeln fällt das Gewicht des unteren Bauteils geringer aus als bei herkömmlichen Teleskopgabeln. Auf Schläge reagiert die USD-Gabel somit schneller und feinfühliger. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Dichtungen durch die umgekehrte Bauweise stets mit Schmieröl in Kontakt sind – was dauerhaft für eine geringe Reibung sorgt. Auch der größere Abstand der Führungsbuchsen im Gabelinneren bringt Vorteile, die Bremssteifigkeit fällt deutlich höher aus.

Upisde-Down-Gabeln im MTB-Sport

Trotz der vielen Vorteile, die USD-Gabeln bei Motorrädern bringen, konnten sie im MTB-Sport in der Vergangenheit nicht überzeugen. Die holländische Marke Rond (später Magura) baute für den Downhill-Bereich eine steife aber auch sehr schwere Doppelbrückengabel. Auch Marzocchi und Manitou boten Gabel der Upside-Down-Bauweise an, diese zeigten sich in Punkto Verwindungssteifigkeit allerdings nicht auf dem Niveau einer vergleichbaren Teleskopgabel.

Upside-Down-Gabeln mit nur einer Gabelbrücke (wie bei der neuen Rock Shox RS-1) zeigten sogar noch schlechtere Steifigkeitswerte. Marzocchi und Manitou boten Gabeln an, die nur für leichte Fahrer in Frage kamen. Das Chassis verzog sich so stark, dass präzises Lenken schier unmöglich wurde.

Betrachtet man also die USD-Historie im MTB-Sport, kann man sagen, dass Rock Shox mit der RS-1 einen mutigen Weg gewählt hat. Doch die Entwickler und Marketing-Leute von Sram sind sich einig und wollen mit der neuen RS-1 eine neue Gabel-Generation etablieren. Das soll auch die Namensgebung unterstreichen, schließlich hieß die Gabel, die Federungen am MTB salonfähig machte, schon 1989 Rock Shox RS-1.

Laut Rock Shox würde die RS-1 ohne den Einsatz der fetten Carbon-Standrohre und der neu entwickelten „Predictive Steering“-Achse nicht so hohe Steifigkeitswerte bieten. Auch die neu designten Laufräder mit breiterer Achse sollen die Steifigkeit an der Front erhöhen. Wer die neue RS-1 in seinem Rad verbauen möchte, braucht die speziellen Naben bzw. Laufräder, die Sram ebenfalls neu vorstellte.

Drei neue Laufräder für die Rock Shox RS-1

Die Rock Shox R-S1 setzt auf den neuen Achsstandard Predictive Steering. Sram bietet drei Laufräder mit der neuen Achse an.

  1. Das Sram Rise XX 29 mit Carbon-Felge, hochwertiger Keramik-Lagerung ist ausschließlich für den Einsatz von Tubular-Reifen (Klebereifen) gedacht. Der Satz soll 1285 g wiegen und 2507 Euro kosten.
  2. Sinnvolle Alternative ist das Sram Rise 60 29, das mit 19 mm breiter Carbon-Felge für Clincher-Reifen (herkömmliche Reifen) geeignet ist. Das Vorderrad soll 695 g wiegen, der Preis liegt bei 887 Euro.
  3. Für 486 Euro bietet Sram das Roam 50 29 Vorderrad mit 21 mm breiter Alu-Felge für die RS-1 an. Das Gewicht liegt bei 750 g.
  4. Die Predictive-Steering-Nabe ist auch einzeln erhältlich. Diese kostet mit 6-Loch-Disc-Aufnahme in 32- oder 28-Loch-Variante 211 Euro.

Der Vorteil der neuen Achse ist laut Sram, dass durch die breitere Bauweise der Speichenwinkel flacher ausfällt. Das soll für eine steifere Laufradkonstruktion sorgen. In Zukunft wollen auch weitere Laufrad- und Naben-Hersteller Produkte für die neue Rock Shox RS-1 anbieten.

 

Predictive Steering Laufräder
Foto: Sram Die einzelnen Sram-Laufräder mit der neuen Predictive-Steering-Vorderradachse im Überblick (für Großansicht auf die Lupe klicken).

Rock Shox RS-1: erste Fahreindrücke auf dem Trail

MountainBIKE hatte die Chance, die neue RS-1 von Rock Shox im Trail-Mekka Moab/USA ausgiebig zu testen. Die schroffen Trails mit vielen kleinen Schlägen sowie groben Drops sind prädestiniert für einen Federgabel-Test.

Tester Chris Pauls fuhr die Gabel in einem Trek Fuel EX 29er mit 120 mm Hub am Heck. Die RS-1 passte trotz nur 120 mm Federweg perfekt zur Geometrie des Trek. Dank eingravierter SAG-Skala auf den Tauchrohren war die Gabel schnell auf das Fahrergewicht eingestellt. Die Luft wird am unteren Gabelende eingefüllt. Zieht man die Dämpferpumpe ab, schießt immer ein wenig Schmieröl aus dem Ventil. Da ist es von Vorteil, dass die Luftkammer im rechten Gabelholm sitzt, somit kann das Öl nicht auf die Bremsscheibe tropfen.

Bereits auf den ersten Metern spürt man die hohe Steifigkeit der RS-1. Sie folgt jedem Lenkeinschlag und fühlt sich sehr Verwindungssteif an. Unbeirrbar bleibt die Gabel in der gewählten Spur und absorbiert Schläge feinfühlig. Vor allem an 29er-Mountainbikes, die etwas weich an der Front wirken, dürfte die RS-1 die Fahr-Performance deutlich erhöhen.

Auch bei Bremsmanövern spürt man die hohe Steifigkeit. Trotz rund 80 kg Fahrergewichts verbiegt sich die RS1 beim Bremsen nur minimal. Die 120 mm Hub arbeiten feinfühlig, besonders im mittleren Federwegsbereich zeigt sich die RS1 aktiv. Gegen Ende des Hubs wird die Gabel angenehm progressiv und bietet ausreichend Reserven. Die ersten Fahrtests mit der RS-1 fielen sehr vielversprechend aus. Wie sich die Gabel im Vergleich zu aktuellen Teleskopgabeln verhält, werden künftige Tests in MountainBIKE zeigen.

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