Für noch bessere Qualität: Canyon setzt auf Computertomographie

In der Produktentwicklung und Qualitätssicherung setzt Canyon jetzt einen Computertomographen ein. Der zerstörungsfreie Material-Check durchleuchtet Rahmen und Bauteile. MountainBIKE hat sich mit Dr. Michael Kaiser, Leiter Forschung und Entwicklung/Qualitätsmanagement bei Canyon, über den Tomographen unterhalten.

 

Michael Kaiser
Dr. Michael Kaiser, Leiter Forschung und Entwicklung/Qualitätsmanagement bei Canyon.

Mancher Biker wird das kennen: Nach dem bösen Sturz geht's im Krankenhaus erst malab in die Röhre – den Computertomographen. Canyon geht einen Schritt weiter.

Der Versender aus Koblenz durchleuchtet jetzt auch seine Bikes – und hat eigens dazu als erster Radhersteller einen eigenen Computertomographen angeschafft. So sollen Schwachstellen gezielt erkannt werden.

MountainBIKE hat sich mit Dr.-Ing. Michael Kaiser, Leiter Qualitätsmanagement bei Canyon, zu dem Scanner unterhalten. Als ausgewiesener Experte für faserverstärkte Kunststoff-Verbunde, hat Kaiser seine Doktorarbeit über Leichtbau im Rennradbau geschrieben.

Er betreut die Canyon-Entwicklungen von der ersten Idee bis zur Serienreife.

Was verspricht sich Canyon von dem Einsatz eines Coputertomoraphen?
Kaiser: Der neue Computertomograph wird hauptsächlich in der Qualitätssicherung und in der Produktentwicklung eingesetzt. Wir werden damit eine neue Benchmark in der Radbranche und in der Prüfung von Bauteilen setzen. Für unsere Kunden bedeutet dies, dass unsere Produkte durch die gewonnenen Erkenntnisse zukünftig noch besser und noch sicherer werden.

Was genau wird mit dem Gerät geprüft?
Kaiser: Wir können mit dem Computertomoraphen das gesamte Bauteil dreidimensional einscannen und durchleuchten und erhalten Einsicht darüber, wie es im Inneren genau aussieht. Wir sehen die Wanddickenverteilung, können die Qualität der Klebeverbindungen und Schweißnähte beurteilen, können Einschlüsse im Material detektieren, Delaminationen oder Risse aufspüren sowie Fertigungsschwankungen auswerten.

In welchem Bereich ist es sinnvoll (MTB? Road? Alu? Carbon?) und was sind die Vorteile gegenüber „herkömmlichen“ Prüfverfahren?
Kaiser: Unser Hauptaugenmerk liegt auf den Carbonbauteilen, allerdings werden wir auch Prüfungen an Aluminiumbauteilen durchführen. Der Vorteil liegt darin, dass ein Computertomograph ein komplettes Bauteil in einem Durchgang scannen kann und wir alle entscheidenden Merkmale, wie oben beschrieben, in einem Schritt ermitteln können.

Wann wird geprüft: nach einem Sturz, Kundenreklamation, vor dem Versand … ?
Kaiser: In der ersten Phase werden wir den Coputertomographen dazu nutzen, uns in der Qualitätssicherung der Serienproduktion und in der Entwicklung zu unterstützen. In einer zweiten Phase wollen wir auch den Bike-begeisterten Kunden die Möglichkeit geben, darauf Zugriff zu erhalten, zum Beispiel nach einem Sturz den Rahmen prüfen zu lassen. Wie das konkret aussehen wird, werden wir noch erarbeiten.

Wird jedes Rad vor der Auslieferung an den Kunden durchleuchtet?
Kaiser: Nein, das ist aufgrund der Stückzahl nicht möglich. Im Wesentlichen werden wir in der Entwicklung und am Serienanlauf bei Neuentwicklungen sehr viel prüfen - und wenn wir wissen, dass der Fertigungsprozess stabil läuft, wird die Prüffrequenz verringert.

Wie profitiert der Kunde von dem System?
Kaiser: Einerseits ist das eine weitere Investition, um unsere selbst gesetzten hohen Qualitätsanforderungen dem Kunden gegenüber zu garantieren, und andererseits sind wir zukünftig in der Lage, die Leichtbaugüte unserer Bauteile weiter zu erhöhen, ohne ein erhöhtes Risiko bei der Bauteilsicherheit einzugehen. Insbesondere bei Carbonbauteilen kommt es nicht darauf an, einen Test in der Research & Development-Phase zu bestehen, sondern einen stabilen Fertigungsprozess sicherzustellen.

Kann der Kunde die Nutzung auch direkt anfragen - falls ja, ab wann wird das in etwa möglich sein? Und was kostet es den Kunden?
Kaiser: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir diesbezüglich leider noch keine konkreten Aussagen machen.

27.02.2012
© MOUNTAINBIKE