Evolution der Schaltung – MTB-Trend für 2017

Trend 2017: Evolution der MTB-Schaltungen

Foto: Sram
Sram beerdigt den Umwerfer mit den Eagle-1 x 12-Schaltungen, Shimano kontert mit elektronischer Präzision auf erschwinglichem XT-Niveau.

Fraglos, im Vergleich zu den Anfangsjahren des MTBs ist das heutige Niveau der Kettenschaltung brillant. Und doch geht die Evolution weiter und weiter.

So läutet Sram das Ende des Umwerfers ein, führt die „One-by“-Philosophie mit nur einem Kettenblatt und breit gefächerter Kassette auf die Spitze. Eagle heißt das Kind, wird vorerst auf (teurem, edlem) XX1- und X01-Niveau angeboten – und hat bei Olympia Nino Schurter und Jenny Rissveds zu Gold geleitet.

Herz der Eagle-Schlatung fürs Mountainbikes ist eine riesenfache 12-fach-Kassette mit 10–50 Zähnen, die eine Übersetzungsbandbreite von 500 Prozent ergibt. Fast so viel wie 2 x 10- oder 2 x 11-Antriebe und damit absolut ausreichend selbst für den Alpencross.

Vorteile der Einfach-Antriebe liegen auf der Hand: geringes Gewicht, ein defektanfälliges Bauteil weniger und simple Schaltlogik, die Verschalter quasi unmöglich macht. Beifall spenden die Bike-Entwickler, da der fehlende Umwerfer kürzere Kettenstreben bei dennoch viel Reifenfreiheit ermöglicht.

Als Gegenargumente bleiben ob der gestiegenen Bandbreite wohl nur die ungewohnte Eagle-Optik und die größeren Gangsprünge. Letztere haben uns in unserem bisherigen Eagle-Dauertest über 2000 km nie gestört, auch den oft angeprangerten hohen Verschleiß der dünnen 12-fach-Kette konnten wir nicht beobachten.

Im Gegenteil: Die wegfallenden Bewegungen am Umwerfer schonen die Kette. Davon abgesehen funktionieren X01 Eagle und XX1 Eagle bestens: knackig, exakt, schnell, maximal zuverlässig.

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Ebenfalls neu 2017: Shimanos elektronische XT Di2

Attribute, die zweifelsfrei auch auf Shimanos neuesten Wurf zutreffen: die XT Di2. Schaltwerk und Umwerfer (ja!) sind wie bei der großen Schwester XTR Di2 elektrisch gesteuert, arbeiten mit schon fast unerhörter Präzision bei minimaler Fingerkraft. Auf Wunsch schaltet der Umwerfer automatisch, erkennt Kettenschräglauf etc. Sogar programmierbar ist diese Art der Automatikschaltung – faszinierend! Und mit Preisen ab ca. 1500 Euro durchaus erschwinglich.

Übersetzungen im Vergleich:

 

Foto: MOUNTAINBIKE Übersetzungen im Vergleich (für Großansicht auf die Grafik klicken)

 

Foto: Benjamin Hahn Chris Pauls (MOUNTAINBIKE-Redakteur)

Kommentar Chris Pauls (MOUNTAINBIKE-Redakteur): 1 x 12 wird vieles vereinfachen

Ja ja, früher war alles besser. Ein Mountainbike war ein Mountainbike. Und eine Kettenschaltung hatte vorne drei Kurbelblätter und hinten sieben Ritzel. Dann acht. Dann neun. Und dann machte es „Bumm“: Erst eliminierte Sram mit der XX das dritte Kettenblatt, dann mit der XX1 das zweite Blatt – und den Umwerfer gleich mit.

Die Folge war aber auch eine größere Diversifikation und ein heilloses Durcheinander beim Endkunden. Was soll ich denn nun kaufen? 1 x 11? 2 x 11? 3 x 11? Nichts von alledem? Von daher glaube ich an einen Erfolg von 1 x 12, da es vieles – auch die Suche nach der optimalen Übersetzung – schlicht vereinfacht.

Wichtig wäre aber, dass Sram diese Technik bald mit günstigeren Gruppen erschwinglich macht. So oder so sterben dank Shimano sicherlich auch spannende 2-fach- und 3-fach-Gruppen nicht aus, da diese für Extremtouren im Gebirge und Biker, die eine maximale Bandbreite suchen, interessant bleiben.

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01.09.2016
Autor: MOUNTAINBIKE
© MOUNTAINBIKE