Mountainbikes im Test

Testbericht: Scott Genius 930 (Modelljahr 2013)

MountainBIKE Scott Genius 930
Foto: Arturo Rivas
Twentyniner boomen 2013 auch im Touren- und All-Mountain-Segment. Scott stellt sein Erfolgsmodell Genius daher nun auf große Räder – geht das Konzept auf? MountainBIKE hat das Scott Genius 930 getestet.

Was uns gefällt

  • Harmonisches Fahrwerk
  • Ausgewogenes Handling
  • Variabel und sehr vielseitig

Was uns nicht gefällt

  • Für die Ausstattung teuer

Bike des Jahres 2013? Schon jetzt gilt das neue Scott Genius als heißer Kandidat für die kommende MOuntainBIKE-Leserwahl. Und das nicht nur, weil der Name Genius seit einem Jahrzehnt für eines der beliebtesten Touren- und All-Mountain-Fullys schlechthin steht, sondern weil die Schweizer für die vierte Neuauflage ihr Konzept völlig umkrempelten.

So ist der komplexe Pullshock-Dämpfer Geschichte, das neue, schlanke Federbein liegt nun wie beim Racefully Spark konventionell unter dem Oberrohr. Zudem verzichtet Scott auf die bewährte Laufradgröße 26" und bietet das Genius "nur" noch mit 27,5“- oder 29“-Wheels an!

 

MountainBIKE Scott Genius 930
Foto: Benjamin Hahn Variabilität ist Trumpf am Genius 930. So erlaubt ein eliptischer Chip an der Dämpferaufnahme zwei Geometrieeinstellungen: Der Unterscheid zwischen „low“ und „high“ beträgt circa 0,5° bei Lenk- und Sitzwinkel sowie 6 mm bei der Tretlagerhöhe.

Dass das 27,5“-(650B-)Konzept aufgeht, bewies der MountainBIKE-Test des Genius 710: Note „überragend“. Zum ersten Test der Twentyniner-Variante wählte die Redaktion das Genius 930: Alu-Rahmen, 130 mm Federweg, Sorglos-Mix aus Shimano-SLX- und -XT-Komponenten mit 3 x 10 Gängen – potenziell ein echtes Volksfully, obgleich es mit 3299 Euro für die gebotene Ausstattung relativ teuer und mit 13,0 Kilo nicht besonders leicht ist.

So oder so, die Sitzposition spricht die breite Masse der All-Mountain-Biker an. „Trotz des Versatzes der Sattelstütze gut über dem Tretlager. Dazu aufrecht, kompakt dank des kurzen Vorbaus – man hat sofort alles unter Kontrolle“, notierte MountainBIKE-Redakteur Rainer Sebal.

Entsprechend stressfrei agiert das Bike im Gelände: Das Handling birgt keine negativen Überraschungen, das Scott Genius 930 bleibt stets berechenbar, laufruhig und dabei für ein 29er-Fully überraschend wendig – ohne gleich die Verspieltheit eines 26“-AMs zu erreichen. Apropos: Wer mehr Agilität wünscht, kann Lenk- und Sitzwinkel über die variable Dämpferaufnahme steiler stellen.

 

MountainBIKE Scott Genius 930
Foto: Benjamin Hahn Die ISCG-Aufnahme am Tretlager erlaubt die Montage einer Kettenführung. In Serie kommt das Genius jedoch mit alpenfreundlicher 3-fach-Kurbel und rotem Alu-Spider – der verhindert, dass sich die Kette zwischen Kurbel und Innenlager verklemmt.

Die Vorteile der „Big Wheels“ spielt das Scott Genius 930 dann im groben Gelände aus. Leichtfüßig überrollt es Stock und Stein, bleibt stets überragend fahrsicher. Dass nur 130 mm Federweg (statt 150 mm beim 27,5“-Genius) Traktion generieren, fällt nicht negativ auf. Im Gegenteil, das Fahrwerk agiert harmonisch und aufmerksam, nur ein Schuss Komfort fehlt aufgrund der straffen Grundabstimmung. Letztere sorgt indes für hohen Vorwärtsdrang: Der Hinterbau wippt selbst im offenen Modus („Descend“) in den Berggängen nur wenig, sackt im Steilen nie weg.

Wem selbst das zu ineffizient scheint, schaltet das Fahrwerk in bester Genius-Tradition via Lenkerhebel in zwei weitere Modi: „Traction“ mit auf 90 mm gekürztem Heckfederweg und strafferer Gabel sowie „Lock“ mit blockiertem Fahrwerk. Ärgerlich: Im Test nervte der Traction-Mode mit Quietschen, die zahlreichen Züge mit Klappern.

Technische Daten des Test: Scott Genius 930

Modelljahr: 2013
Preis: 3299 Euro
Gewicht: 13,0 kg
Vertriebsweg: Fachhandel
Rahmenhöhen: S/M/L/XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Aluminium
Lenkwinkel: 68,5 °
Sitzwinkel: 74 °
Sitzrohr: 434 mm
Oberrohr: 597 mm
Steuerrohr: 99 mm
Radstand: 1156 mm
Tretlagerhöhe: 335 mm
Federgabel: Fox 32 Float CTD
Federweg: 130 mm
Federbein: Scott-DT Nude2
Federweg: 130+90 mm
Schaltwerk: Shimano XT Trail
Schalthebel: Shimano SLX (3 x 10)
Kurbel: Shimano XT
Umwerfer: Shimano SLX
Bremse: Shimano SLX
Bremsen-Disc vorne: 180 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Laufräder: Formula CL+Shimano SLX/Syncros XC-49
Reifen: Schwalbe Nobby Nic Evo 2,25"

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Fazit:

Noch stimmiger als das 27,5"-Pendant, glänzt das 29"-Genius als varia­bler Allrounder – auf der flotten Tour bis hin zum All-Mountain-Abenteuer.

04.02.2013