Mountainbikes im Test

Testbericht: Scott Genius 710 Plus (Modelljahr 2016)

MountainBIKE Scott Genius 710 Plus
Foto: Det Göckeritz
Mit agil-drehfreudigem Handling und den generellen Plus-Benefits – Traktion, Komfort, Sicherheit – ist das Scott Genius 710 Plus der Tipp für Genuss-Biker. Härtere Gangart mag das Scott Genius 710 Plus bergauf wie bergab weniger. Sehr gute Rahmenwerte.
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Testurteil gut

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„Plus-Reifen bringen für jeden Vorteile. Anfänger wie Profis profitieren von mehr Komfort, Traktion und Sicherheit“, so Scott-Produktmanager René Krattinger.

Kein Wunder, dass die Schweizer Edelmarke voll auf Plus abfährt und mit Scale (Hardtail), Genius LT (Enduro) sowie Genius gleich drei ihrer Bestseller zusätzlich zu den bisherigen Laufradformaten in 27,5 Plus feilbietet.

Dabei ist das Scott Genius 710 Plus quasi ein Hybrid aus der Carbon-Front des 27,5"-Genius, gepaart mit dem verbreiterten Heck des 29"-Alu-Bikes, vorne wie hinten mit Boost-Achsen. Federweg? An der Front sind’s 140 mm Hub, am Heck werkeln 130 mm – genug für ein All-Mountain im 27,5-Plus-Format.

Dazu gibt es reichlich exklusive Scott-Technik. So lässt sich über einen Flip-Chip an der Dämpferaufnahme die Geometrie in zwei Positionen variieren: Lenk- und Sitzwinkel stehen dann um 0,5° flacher/steiler, die Tretlagerhöhe variiert um 5 mm. Die berühmte Scottsche Fahrwerksverstellung ist auch an Bord des Scott Genius 710 Plus.

Mittels Daumenhebel am Lenker lassen sich Heck- und Frontfederung parallel in drei Modi schalten: Bei „open“ gibt’s die volle Federwegsdröhnung, bei „Traction-Control“ stehen am Heck nur 90 mm parat (und die Gabel ist stärker gedämpft), „Lockout“ sperrt beides.

Letzterer ist in der Praxis nur auf längeren Asphaltstücken sinnvoll, der Traktions-Modus jedoch oft das Pflichtprogramm. Ohne diese Federwegsstraffung schaukelt sich das Heck sonst stark auf, sackt im Anstieg weg.

Fotostrecke: Scott Genius 710 Plus: das 27,5-Plus-All-Mountain im Test

4 Bilder
MountainBIKE Scott Genius 710 Plus Foto: Det Göckeritz
MountainBIKE Scott Genius 710 Plus Syncros-Felge Foto: Det Göckeritz
MountainBIKE Scott Genius 710 Plus Nude-Federbein Foto: Det Göckeritz

„Mit“ und dank der sportlich-ausgewogenen Tretposition des Fahrers beschleunigt das Scott Genius 710 Plus für ein Plus-Bike durchaus temperamentvoll, braust Schotterpisten flink empor, lässt im Trail-Uphill aber durch das teilgesperrte Fahrwerk etwas Bodenhaftung vermissen – mit offenen Federelementen wiederum wird die Sitzposition zu hecklastig.

Kurzum: Trotz des Verzichts auf Umwerfer und damit einen Schalthebel ist am linken Griff mit den Fernbedienungen für Fahrwerk und Vario-Sattelstütze allerhand zu tun.

Voll in seinem drehfreudigen Element ist das Scott Genius 710 Plus dann auf Flow-Trails, auf eher gemäßigten, kurvenreichen Pfaden. Der steile Lenkwinkel sorgt für ein Höchstmaß an Agilität, lässt die dicken 2,8"-Walzen fast vergessen. Mit viel Elan schwingt sich das Scott Genius 710 Plus von Kurve zu Kurve zu Kurve. Bei engen Switchbacks stört jedoch die mit 446 mm lange Heckpartie.

Auch im rauen Geläuf hat das Scott Genius 710 Plus gegenüber den satter liegenden Kontrahenten das Nachsehen. Die steile Frontpartie macht das Handling nervöser, die Heckfederung steht zu tief im Federweg, wird dann bei großen Schlägen früh progressiv.

Schade, denn dank der sehr breiten Felgen lassen sich die Vorteile von Plus sonst voll ausfahren, im Schnitt konnten die Tester das Scott Genius 710 Plus mit 0,2 Bar weniger Luftdruck ausführen als das Rotwild R.X1 FS 27,5+ EVO und das Specialized Stumpjumper FSR Expert 6Fattie.

Der Rest der Ausstattung liegt nur auf mittelprächtigem Niveau, dafür ist das Scott Genius 710 Plus satte 1000 Euro günstiger als der Rest des Trios. Und: Mit einem Rahmengewicht von unter 3000 Gramm sowie noch guten Steifigkeiten (67,7 Nm/°) geht die Laborwertung an das Scott Genius 710 Plus.

Technische Daten des Test: Scott Genius 710 Plus

Modelljahr: 2016
Preis: 3999 Euro
Gewicht: 13,4 kg
Rahmengewicht: 2970 g
Federgabel (Gewicht): 1852 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Carbon (Alu-Hinterbau)
Federgabel: Fox 34 Float Perf. Elite Boost
Federweg: 140 mm
Federbein: Fox Nude DPS Evol
Federweg: 90+130 mm
Schaltwerk: Sram GX1
Schalthebel: Sram GX1 (1 x 11)
Kurbel: Sram GX1
Umwerfer: -
Bremse: Shimano SLX
Bremsen-Disc vorne: 180 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Sattelstütze: Rock Shox Reverb Stealth (Vario)
Laufräder: Syncros CL811 & CL14811/X-40
Laufradgröße: 27,5 Plus
Reifen: Schwalbe N. Nic/R. Ron TLE 2,8"
Testurteil: Gut (190 Punkte)

Fazit:

Mit agil-drehfreudigem Handling und den generellen Plus-Benefits – Traktion, Komfort, Sicherheit – ist das Scott Genius 710 Plus der Tipp für Genuss-Biker. Härtere Gangart mag das Scott Genius 710 Plus bergauf wie bergab weniger. Sehr gute Rahmenwerte.

Scott Genius 710 Plus (Modelljahr 2016) im Vergleichstest

Test: 3 All-Mountains in 27,5 Plus Foto: Det Göckeritz

Test: 3 All-Mountains in 27,5 Plus

27,5+ soll das neue (Laufrad-)Maß der Dinge sein. Wir haben die drei wohl besten 2016er All-Mountain-MTBs in 27,5 Plus getetstet - und nennen Vor- und Nachteile von 27,5-Plus-Mountainbikes.


Scott Genius 710 Plus (Modelljahr 2016) im Vergleich mit anderen Produkten

15.01.2016
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2016