Mountainbikes im Test

Testbericht: Rotwild R.X2 FS EVO (Modelljahr 2017)

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO 27,5"
Foto: Benjamin Hahn
Das Rotwild R.X2 FS EVO ist ein komfortables, edel ausgestattetes und wendiges All-Mountain für lange Touren. In Sachen Variabilität muss man speziell mit 29"-Bereifung Kompromisse (Tretlagerhöhe) eingehen.
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Testurteil sehr gut

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Im Grunde scheint das Rotwild R.X2 FS EVO das variabelste Vario-Bike in diesem Testfeld zu sein.

Rotwild bietet das Rotwild R.X2 FS EVO mit allen drei gängigen Laufradgrößen an. Wie beim Simplon Rapcon 140 MRS 22 wird die Kettenstrebenlänge über ein verstellbares Ausfallende auf die Laufradgröße angepasst. Eine austauschbare Steuersatzschale ändert den Lenkwinkel um angegebene 1,5° – wir haben 1,25° gemessen.

Ein guter Ansatz, den die Südhessen nicht ganz konsequent zu Ende führen. Denn: Die Tretlagerhöhe passt Rotwild nicht an, sie wächst also beim Einsatz von größeren Laufrädern in der Höhe – was spürbaren hohen Einfluss auf das Handling und die Trail-Performance hat.

 

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO 27,5"
Foto: Benjamin Hahn Das Rotwild R.X2 FS EVO in 27,5“ (für Großansicht auf das Bild klicken).

Vortriebseffizient ist das Rotwild R.X2 FS EVO ohne Zweifel. Dank des steilen Sitzwinkels drücken die Beine ideal von oben auf die Pedale. In 27,5" und 29" pushen die rollfreudigen wie traktionsstarken Conti Mountain King den leichten Rahmen mit dem sensiblen Hinterbau nach vorne, im Plus-Aufbau bringen die Pneus wie erwartet viel Traktion auf den Trail. Das Ganze bei eher kompakter, durchweg sehr angenehmer Sitzposition.

Rotwild empfiehlt für den 27,5-Plus- und 29"-Aufbau die Standard-Steuersatzschale mit 0° (Schalen müssen mit Aus- und Einpresswerkzeug getauscht werden) und die längere Kettenstrebenposition. Wobei „lang“ relativ ist: 437 mm sind immer noch vergleichsweise kurz, und der Lenkwinkel liegt mit 66,6 Grad im erwartbaren Bereich. Eigentlich Gardemaße für ein ausgewogenes Trailbike.

 

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO Shimano XT Di2
Foto: Benjamin Hahn Edle Ausstattung: Die elektrische Schaltung XT Di2 ist das Parts-Prunkstück des Rotwild R.X2 FS EVO (für Großansicht auf das Bild klicken).

 

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO 29"
Foto: Benjamin Hahn Das Rotwild R.X2 FS EVO in 29" (für Großansicht auf das Bild klicken).

Doch das Rotwild R.X2 FS EVO kann diese Erwartungen nicht ganz auf den Waldboden bringen. Die relativ tiefe Front sorgt für ein direktes Lenkverhalten. Grundsätzlich zeigt sich das Rotwild R.X2 FS EVO dadurch in allen Laufradgrößen durchaus wendig und agil.

Allerdings sitzt das Tretlager vor allem bei 29"-Reifen sehr weit oben: 357 mm, bei 27,5 Plus sind es noch „normale“ 345 mm. Speziell als 29er wirken schnelle Kurvenwechsel durch den hohen Schwerpunkt verzögert, das Rotwild R.X2 FS EVO fühlt sich zudem stelzig an. Vor allem bei Highspeed fehlte uns deshalb ein wenig das Sicherheitsgefühl, das 27,5+ und 29" eigentlich auf den Trail zaubern. Das Rotwild R.X2 FS EVO braucht somit in schnellen, verblockten Abfahrten eine strengere Hand am Steuer.

Unter dem Strich präsentiert sich das Rotwild R.X2 FS EVO mit 29"- und Plus-Reifen jeweils mehr als komfortorientiertes und bergauf erfreulich flinkes Tourenbike – und weniger als freches Trailbike à la Pivot Switchblade Pro.

 

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO Flipchip
Foto: Benjamin Hahn Der Flipchip am Heck des Rotwild R.X2 FS EVO verlängert die Kettenstrebe, lässt die Achshöhe aber unangetastet (für Großansicht auf das Bild klicken).

 

MOUNTAINBIKE Rotwild R.X2 FS EVO 27,5+
Foto: Benjamin Hahn Das Rotwild R.X2 FS EVO in 27,5+ (für Großansicht auf das Bild klicken).

Ändert sich das mit flacherer Geometrie und den kleinen 27,5"-Laufrädern? Zunächst stellen wir den Radstand auf superkurze 424 mm ein, bauen den Lenkwinkel um auf 65,2°. „Ganz schön flach für ein 140-mm-Fully“, so unser Werkstatt-Chef Haider Knall. Auf dem Trail sollte dies für enorme Laufruhe sorgen. Tut es auch, solange man mit Highspeed bergab ballert.

Lässt der Biker es jedoch etwas gemütlicher angehen, büßt die Lenkung etwas an Präzision ein. Das Rotwild R.X2 FS EVO wirkt kippelig – ein bekanntes Phänomen bei sehr flachen Lenkwinkeln, die eher bei Profis beliebt sind.

Im Grunde hätten wir uns in der Ausgangseinstellung einen Lenkwinkel um 66,5° gewünscht und eine Steuersatzschale, die ihn nur um 0,5° abflacht bzw. steiler macht. 1,25° Veränderung am Steuerkopf sind doch recht viel, machen das Handling zu speziell.

Während Rotwild bei der Geometrie die optimalen Werte nicht ganz getroffen hat, ist die Ausstattung ein Volltreffer. Highlights wie die elektrische Schaltung Shimano XT Di2 rechtfertigen den hohen Preis des Rotwild R.X2 FS EVO. Die edlen Fox-Federelemente arbeiten zuverlässig und effizient.

Technische Daten des Test: Rotwild R.X2 FS EVO

Modelljahr: 2017
Preis: 6999 Euro
Gewicht 27,5": * 12,7 kg/2525 g/1724 g/4374 g
Gewicht 27,5+: * 12,7 kg/2525 g/1724 g/4396 g
Gewicht 29": * 12,6 kg/2525 g/1724 g/4261 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: L
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 70,3 Nm/°
Federgabel: Fox 34 Float Factory
Federweg getestet: 140 mm
Federbein: Fox Float DPS Evol Factory
Federweg getestet: 140 mm
Gänge und Übersetzung: 2 x 11: 36/26 Zähne vorne, 11–40 Zähne hinten
Schaltwerk: Shimano XT Di2
Schalthebel: Shimano XT Di2
Kurbel: Shimano XT
Umwerfer: Shimano XT Di2
Bremse: Shimano XT
Bremsen-Disc vorne: 200 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Sattelstütze: Kind Shock LEV Integra (Vario, 150 mm)
Vorbau: Pro Koryak 55 mm
Lenker: Koryak 760 mm
Naben/Felgen 27,5": DT Swiss XM 1501 Spline One 25
Reifen 27,5": Continental Mountain King RS 2,4"
Naben/Felgen 27,5+: DT Swiss XM 1501 Spline One 35
Reifen 27,5+: Schwalbe Nobby Nic TLE 2,6"
Naben/Felgen 29": DT Swiss XM 1501 Spline One 25
Reifen 29": Continental Mountain King RS 2,4"
Testurteil: Sehr gut (215 Punkte)

* Gewicht Komplettbike ohne Pedale/Rahmen/Federgabel/Laufradsatz (komplett)

Messwerte und Profil 27,5"

Messwerte und Profil 27,5+

Messwerte und Profil 29"


Fazit:

Das Rotwild R.X2 FS EVO ist ein komfortables, edel ausgestattetes und wendiges All-Mountain für lange Touren. In Sachen Variabilität muss man speziell mit 29"-Bereifung Kompromisse (Tretlagerhöhe) eingehen.

Rotwild R.X2 FS EVO (Modelljahr 2017) im Vergleichstest


Rotwild R.X2 FS EVO (Modelljahr 2017) im Vergleich mit anderen Produkten

07.11.2016
Autor: MOUNTAINBIKE
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2016