Mountainbikes im Test

Testbericht: Rocky Mountain Pipeline 750 MSL (Modelljahr 2017)

Foto: Andreas Frank MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Pipeline 750 MSL
Agil, verspielt, kurvengeil – das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL besitzt für ein 27,5-Plus-Fully erstaunlich hohe Wendigkeit, ist auf flowigen Trails in seinem Element. Für harte Downhills fehlen die Reserven.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Bergab etwas unsicher
  • Hinterbau nicht optimal

Testurteil

Testurteil gut
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Die Kanadier können sich zu Recht als Plus-Pioniere fühlen. Schon 2014 präsentierten sie auf dem Sea-Otter-Festival in den USA mit der damaligen Konzeptidee Sherpa ein 27,5-Plus-Bike.

Anders als das für Touren und Bikepacking entwickelte Sherpa soll das neue Rocky Mountain Pipeline 750 MSL den Trail-Enthusiasten ansprechen. Dafür harren vorne 150 mm Hub der Hindernisse, hinten aber 130 mm – ungewöhnlich.

Was ebenso für die Geometrie gilt: Bilden das Bergamont Trailster 8.0 Plus und das Mondraker Factor XR+ die Langschiffe in diesem Test, so ist das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL das Kurz-Torpedo. Nur knapp 1150 mm misst der Radstand (das Bergamont Trailster 8.0 Plus hat stolze 1212 mm), vor allem sind Oberrohr (585 mm) und Reach (408 mm) auffallend knapp bemessen.

Foto: Andreas Frank MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Pipeline 750 MSL Chip

Mittels Ride9-Chips lassen sich Geometrie und Hinterbaukennlinie in neun Positionen anpassen. Wir sind „neutral“ gefahren.

Klar, auf dem Rocky Mountain Pipeline 750 MSL sitzt man kompakt, fast gedrungen, nicht ganz so gut im Bike.

Das Motto heißt dennoch: Wuselspaß! Im Vergleich zu den meisten Wuchtbrummen in diesem Test zwirbelt das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL über den Trail, dass es eine Freude ist. Es schlägt Haken wie ein Feldhase, ist drehfreudig und wendig. Man vergisst oft, dass da ein per se trägeres Plus-Fully unter einem wirbelt.

Generell profitiert das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL dabei auch vom eher geringen Gewicht, zu dem der edle Carbon-Alu-Rahmen beiträgt.

Foto: Andreas Frank MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Pipeline 750 MSL hinteres Gelenk

Das hintere Gelenk sitzt bei Rocky-Fullys stets über der Radachse. So umgehen die Kanadier das Horst-Link-Patent.

Im anspruchsvollen Gelände wird dieser Charakter dem Rocky Mountain Pipeline 750 MSL aber zum Verhängnis. Wirklich schlecht bretzelt es nicht bergab, die anderen Bikes liegen aber viel satter, schenken mehr Sicherheit. Die Federung trägt dazu leider bei: Sie wirkt unharmonisch, weil der eh schon kurzhubigere Hinterbau den mittleren Federwegsbereich zu schnell durchläuft und dann sehr früh in die Endprogression geht.

Auch bergauf überzeugt der eigentlich sensible Viergelenker nicht, bei unruhigem Tritt schaukelt er sich auf. Andererseits lässt sich das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL gut beschleunigen, klettert problemlos.

Irritierend: teils feine, teils schwächere (Bremse!) Parts zum hohen Preis.

Technische Daten des Test: Rocky Mountain Pipeline 750 MSL

Modelljahr: 2017
Preis: 4000 Euro
Gewicht: 13,7 kg
Rahmengewicht: 2940 g
Gabel (Gewicht): 2103 g
Laufräder: 4941 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Carbon (Alu-Hinterbau)
Lenkkopfsteifigkeit: 83,8 Nm/°
Federgabel: Rock Shox Yari RC
Federweg getestet: 150 mm
Federbein: Rock Shox Monarch RT Debonair
Federweg getestet: 130 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 11: 28 Zähne vorne, 11–42 Zähne hinten
Schaltwerk: Shimano XT
Schalthebel: Shimano XT
Kurbel: Race Face Aeffect
Umwerfer: -
Bremse vorne: Shimano M506
Bremsen-Disc vorne: 180 mm
Bremse hinten: Shimano M447
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Sattelstütze: Rock Shox Reverb Stealth (Vario, 125 mm)
Vorbau: Rocky MTN 55 mm
Lenker: Rocky MTN 760 mm
Naben: Rocky MTN+Sun Ringlé SRC
Felgen: Alex XM35
Laufradgröße: 27,5+
Reifen: Maxxis Rekon Exo 2,8"
Testurteil: Gut (195 Punkte)

Geometrie

Bike-Profil

10.03.2017
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2017