Mountainbikes im Test

Testbericht: Nicolai Helius AC (Modelljahr 2015)

Foto: Daniel Geiger MountainBIKE Nicolai Helius AC
Das Nicolai Helius AC bezaubert durch Nicolais klassische Aluminium- Baukunst. Dank moderner Geo sorgt das Nicolai Helius AC auch bergab für Brillanz, trägt bergauf jedoch schwer am Gewicht.
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Bewertung


Testurteil

Testurteil sehr gut
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Bike-Legenden kommen nicht nur aus den USA, auch Deutschland hat einige aufzuweisen. Darunter Persönlichkeiten wie Kalle Nicolai – Kultschweißer und Visionär.

Bereits 1991 tüftelte er im Team um Horst Leitner (Erfinder des Viergelenkers mitsamt „Horst-Link“) mit, die Erfindung des ersten Dirtbikes wird ihm zugeschrieben, 1995 konstruierte er für Mongoose das Amplifier, mit dem Leigh Donovan den Downhill-Weltmeistertitel holte.

Nicolai machte sich später selbständig – und steht seitdem für „marketing-freie“ Ingenieurskunst im cleanen Industrial-Look. Beim gerne auch streitbaren Kalle folgt die Form der Funktion, nie der Optik.

Foto: Daniel Geiger MountainBIKE Nicolai Helius AC Hope-Race-Bremsen

In einem Look: Die Hope-Race-Bremsen sind ebenfalls aus einem Stück gefräst und passen somit wunderbar zum Rest des Nicolai Helius AC. Schlichte und zeitlose Aluminium-Baukunst – herrlich!

Auch beim Nicolai Helius AC bleibt sich Nicolai in jeder Hinsicht treu: Gerade gezogene Rundrohre in Kombination mit vierkantigen Sitzstreben sorgen für ein Design, das gerade in Zeiten „organischer“ Carbon-Renner erfrischend zeitlos wirkt.

Noch immer vertraut Nicolai auf die Unverwüstlichkeit von Aluminium, die Geometrie kann für 430 Euro auf Maß geschneidert werden. Ein gekürztes Sitzrohr (Aufpreis 100 Euro) und Sonderfarben (50 bis 400 Euro) gehören ebenfalls zum Individualangebot der Niedersachsen.

Und doch hat sich das Nicolai Helius AC weiterentwickelt. Ganz zeitgemäß ist es vorne (Oberrohr, Reach) länger und hinten (Kettenstreben) kürzer geworden. Ebenfalls neu: Am Heck steht dem Fahrer jetzt keine Federwegsverstellung mehr zur Verfügung, der aus einem Stück gefräste Umlenkhebel ist auf 140 mm Weg festgelegt.

Das Gewicht des Rahmens wiegt aber immer noch schwer, auch die Ausstattung legt mehr Wert auf solide Baukunst als Leichtbau – etwa mit den zupackenden, gefrästen Hope-Bremsen.

Foto: Daniel Geiger MountainBIKE Nicolai Helius AC Umlenkhebel

Schluss mit zweiter Dämpferanlenkposition und einhergehender, variabler Geometrie des Vorgängers: Der neue Umlenkhebel ist aus einem Stück CNC-gefräst und auf 140 mm Federweg festgelegt.

Gefräst wird in erster Linie jedoch auf dem Trail, denn das Nicolai Helius AC hat mehr von einem Enduro, als es der Federweg verrät. Im Downhill sorgt der lange Reach für enorme Sicherheit. Trotz aller Länge schießt das Nicolai Helius AC dank kurzer Kettenstreben regelrecht aus der Kurve heraus, der kurze Vorbau sorgt für ausreichend agiles Handling.

Die Pike-Gabel macht einen gewohnt souveränen Job, der viergelenkige Hinterbau agiert dazu harmonisch, aber wenig feinfühlig. Bergauf indes hilft die straffe, antriebsneutrale Kinematik. Wirklich „luftig“ wirkt das Nicolai Helius AC auch aufgrund der robusten Laufrad-Reifen-Kombi aber nicht.

Technische Daten des Test: Nicolai Helius AC

Modelljahr: 2015
Preis: 5299 Euro
Gewicht: 13,9 kg
Rahmengewicht: 3885 g
Federgabel (Gewicht): 1876 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: L
Rahmenmaterial: Aluminium
Federgabel: Rock Shox Pike RCT3
Federweg getestet: 140 mm
Federbein: Rock Shox Monarch RT2
Federweg getestet: 140 mm
Schaltwerk: Sram X1
Schalthebel: Sram X1 (1 x 11)
Kurbel: E13 TRSr
Umwerfer: -
Bremse: Hope Race Evo E4
Bremsen-Disc vorne: 183 mm
Bremsen-Disc hinten: 183 mm
Sattelstütze: Rock Shox Reverb Stealth (Vario)
Laufräder: Stan‘s Notubes ZTR Arch EX
Laufradgröße: 27,5 ''
Reifen: Conti Trail King/M. King II Prot. 2,4"
Testurteil: Sehr gut (204 Punkte)

Fazit

Das Nicolai Helius AC bezaubert durch Nicolais klassische Aluminium- Baukunst. Dank moderner Geo sorgt das Nicolai Helius AC auch bergab für Brillanz, trägt bergauf jedoch schwer am Gewicht.

08.09.2015
Autor: Max Hilger
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2015