Mountainbikes im Test

Testbericht: Liteville 601 (Modelljahr 2011)

Liteville 601
Dieser Wunderknabe ist ein wilder Geselle! Das sehr leichte und steife Liteville 601 spricht jene Alpen-Fans an, die ihr Glück auf schwierigen Abfahrten finden. Vergleichbare Produkte im Test

Was uns gefällt

  • Downhill-Potenzial
  • Schluckfreude des Fahrwerks in grobem Geläuf
  • Beeindruckend geringes Gesamtgewicht
  • Geometrie und Federwege sind variabel

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Testurteil überragend

Zugegeben, Sensation ist ein überstrapazierter Begriff, doch in diesem Fall angebrachter denn je: Federwege von 185 mm, dabei 13,1 Kilo leicht – noch vor Jahren wäre jeder, der solches behauptet, als utopischer Spinner belächelt worden. Wobei das neue 601 äußerlich schlicht daherkommt, vor allem im direkten Vergleich zum durchgestylten Scott. Gebürstete und schnörkellos gerade Alurohre fügen sich zu einem metallischen Ganzen.

Die Marschroute des 601 überzeugt bereits auf den ersten Metern: Kurze, harte Antritte setzt das sehr steife Alu-Chassis verlustfrei in Komplizenschaft mit den verblüffend leichten Syntace-Laufrädern in Vorwärtsenergie um. Schnell registriert der Pilot die zentrale Sitzposition und dass auf gemäßigten Anstiegen genügend Druck auf dem Vorderrad lastet. Diese lassen sich trotz der mächtigen 185 mm effektiv im Sitzen erklimmen.

Bewundernswert auch, wie sich dieser Langhuber gebärdet, wenn es steiler wird: Der antriebsneutrale Viergelenk-Hinterbau lässt sich weitgehend im offenen Modus fahren. Erst im engagierten Wiegetritt empfiehlt sich die Zuschaltung der Pro-Pedal-Option am Fox-Federbein, um leichte Wippbewegungen zu unterbinden. An der Front „travelt“ der 601-Pilot die Fox Talas auf 140 mm Federweg für den letzten Biss auf kernigen Uphills.

Der am Prototyp mit 72,5° tendenziell flache Sitzwinkel fordert an Steilanstiegen jedoch Tribut – man sitzt etwas versetzt in Richtung Hinterradachse, der Pedaldruck dürfte etwas höher sein. Allerdings wird der Sitzwinkel in der Serie 1° steiler stehen. Einfahrt in den Singletrail: Hier beschleunigt das 601 nicht zuletzt dank des Leichtgewichts willig, verlangt aber bisweilen etwas Nachdruck am 740 mm breiten Carbon-Lenker, um sich in enge Spitzkehren lenken zu lassen.

Grund: der mit maximal 65,2° flache, auf die Abfahrt ausgelegte Lenkwinkel. Das Fahrwerk? Fox-Gabel und -Hinterbau arbeiten sensibel, verhehlen aber keineswegs ihre Vorliebe für eher gröberes Geläuf beim Wüten im Winkelwerk. Die Sternstunde des 601 schlägt freilich erst beim schnellen, gern möglichst groben Downhill. Der schluckfreudige, mit reichlich Reserven formatierte Hinterbau und die souveräne Gabel plus die Vollgas-Geometrie addieren sich zu einem traumhaft sicheren Bike.

Egal wie unruhig, der Viergelenker klebt mit seinen fetten Fat Alberts beim Sinkflug ins Tal regelrecht am Boden. Aus der Vorserie stammten die neuen Shimano-XTR-Bremsen: Hier wünschten sich die Tes­ter einen knackigeren Druckpunkt für noch kontrolliertere Bremsmanöver.

Technische Daten des Test: Liteville 601

Modelljahr: 2011
Preis: ca. 5800 Euro (Rahmen: 2230)
Gewicht: 13,1 kg
Rahmengewicht: * 3442 g
Federgabel (Gewicht): 2400 g
Vertriebsweg: Händler
Rahmenhöhen: S/M/L/XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Aluminium
Federgabel: Fox 36 180 Talas FIT RC2
Federweg: 183 mm
Federbein: Fox DHX Air 5.0
Federweg: 185 mm
Lenkwinkel: 65 °
Sitzwinkel: 72,5 °
Sitzrohr: 423 mm
Oberrohr: 585 mm
Steuerrohr: 120 mm
Schaltwerk: Shimano XTR
Schalthebel: Shimano XTR
Kurbel: Shimano XTR
Umwerfer: Shimano XTR
Bremse: Shimano XTR
Bremsen-Disc vorne: 203 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Laufräder: Syntace
Reifen: Schwalbe Fat Albert Evo 2,4“

* inkl. Dämpfer und Steckachse

Fazit:

Dieser Wunderknabe ist ein wilder Geselle! Das sehr leichte und steife Liteville 601 spricht jene Alpen-Fans an, die ihr Glück auf schwierigen Abfahrten finden.

Liteville 601 (Modelljahr 2011) im Vergleichstest


Liteville 601 (Modelljahr 2011) im Vergleich mit anderen Produkten

16.11.2010
Autor: Florian Storch
© MountainBIKE
Ausgabe /2010