Mountainbikes im Test

Testbericht: Haibike Xduro Nduro Pro 26 (Modelljahr 2014)

Haibike Xduro Nduro Pro 26 im MountainBIKE-Test
Foto: Björn Hänssler
Wäähhm! Mit dem Haibike Xduro Nduro Pro 26 nach Herzenslust bergab (und bergauf) zu donnern, das macht ohne Frage saumäßig Spaß, das E-Bike ist im Hier und Jetzt angekommen. Aber: Es ist ein Bike, das in erfahrene Hände gehört!
Zu den getesteten Produkten

Was uns gefällt

  • Faszinierendes Konzept
  • Technisch ausgereift

Was uns nicht gefällt

  • Extrem hohes Gewicht
  • Handling teils schwerfällig

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"Um Gottes willen, was ist das?" Wer mit dem in jeder Hinsicht aufregenden Haibike Xduro Nduro Pro 26 durch die Wälder braust, sollte auf neugierige Fragen gefasst sein. Kein Wunder, vereint dieses zweirädrige "Monstrum" doch alles, was Außenstehende wie Biker in Wallung bringt: Bosch-Motor, 180 Millimeter Federweg vorne/hinten und eine – Pardon – hammermäßige Optik.

Und über allem stehen die Fragen: Braucht man das? Darf man das? Aber: nicht zögern, aufsitzen. Schließlich heißt es doch im Marketing-Deutsch, dass man ein E-Bike "erfahren" muss, nicht vorschnell urteilen soll. Und sagen wir’s, wie es ist: Mit der ersten Pedal­umdrehung pogen die Endorphine durchs Blut! Sofort setzt spürbar, aber nicht unangenehm der Motor ein, sorgt buchstäblich für Rückenwind, schiebt Ross und Reiter auf ansteigenden Schotterpisten flott auf die magischen 25 km/h – vor allem im stromfressenden Turbo-Modus.

Klar, pedaliert werden muss dennoch, es ist sogar durchaus anstrengend, aber eben einfach "beflügelnd". Selbst steilste Trail-Stiche rast die Wuchtbrumme nur so empor! Wird der Trail jedoch eben oder leicht abschüssig, sind die 25 km/h rasch übertroffen: Der Schub setzt aus, das Haibike Xduro Nduro Pro 26 mutiert zum Dampfer. 22,3 Kilo wollen dann mit reiner Muskelkraft pedaliert, ums Eck gedrückt, über Stufen gezogen werden. Schwerstarbeit!

Fotostrecke: Haibike Xduro Nduro Pro 26 im Test – die Details

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Haibike Xduro Nduro Pro 26 im MountainBIKE-Test Foto: Björn Hänssler
Haibike Xduro Nduro Pro 26 im MountainBIKE-Test Foto: Björn Hänssler
Haibike Xduro Nduro Pro 26 im MountainBIKE-Test Foto: Björn Hänssler

26''-Geometrie und gewöhnungsbedürftiges Handling

Auch bergab ist der ganze Mann, die ganze Frau am Volant gefragt: Das betont softe 180-Millimeter-Fahrwerk saugt jeden Krümel auf und verführt zum brachialen Brettern – an das schwerfälligere, "schiebende" Handling muss sich der Biker aber gewöhnen, zumal auch die 26"-Geometrie mit extrem langem Heck und kurzem Reach nicht mehr "up to date" wirkt.

Und das sorgt trotz aller Euphorie für Diskussionsstoff: Das Haibike Xduro Nduro Pro 26 erlaubt es auch kaum trainierten und/oder unerfahrenen Bikern, nahezu alles im Affenzahn bergauf und bergab zu fahren, birgt speziell im Downhill die Gefahr der Überforderung – was auch für die per se potenten X0-Trail-Bremsen gilt.

So funktioniert der Bosch-Motor

Biken mit Rückenwind verspricht die Rad-Industrie von ihren E-Bikes. Dabei hat sich der Name für motorunterstützte Mountainbikes durchgesetzt, ist aber per Gesetzesdefinition falsch. E-Bikes beschleunigen auch ohne Zutun des Fahrers mittels motorradartigem "Gasgriff" und benötigen in der Regel Zulassung, Mofaführerschein und Versicherungsschein.

Anders ein Pedelec wie das Haibike. Dies unterstützt den Biker nur in der Pedalierphase bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Tritt der Fahrer nicht oder ist er schneller, schweigt der Motor. Zu den aktuell meistverbauten E-Motoren zählt der Bosch-Performance-Antrieb, der den (Hai-)Biker mit bis zu 350 Watt "anschiebt".

Dabei stehen fünf Stufen zur Wahl, in der Maximalstufe Turbo unterstützt der Motor mit 275 % und einem Antriebsdrehmoment von bis zu 60 Nm, der Akku hält dann nur für rund 50 km durch. Ein Drei-Sensoren-System misst 1.000 Mal pro Sekunde, wie kräftig der Fahrer pedaliert, und passt die gelieferte Energie entsprechend an, um einen sanften Schub zu gewährleisten. Zum Antrieb zählen die Steuereinheit, die Batterie sowie die Verkabelung – was das Gewicht weiter in die Höhe steigen lässt. In Summe kommen locker sieben Kilo zusammen.

Technische Daten des Test: Haibike Xduro Nduro Pro 26

Modelljahr: 2014
Preis: 6.499 Euro
Gewicht: 22,3 kg
Vertriebsweg: Fachhandel
Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Aluminium
Federgabel: Fox 36 Talas Factory
Federweg: 180 mm
Federbein: Fox Float XCTD Factory
Federweg: 180 mm
Schaltwerk: Sram XX1
Schalthebel: Sram XX1 (1x11)
Kurbel: The Hive Exalite
Umwerfer: -
Bremse: Avid X0 Trail
Bremsen-Disc vorne: 200 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Sattelstütze: Crankbrothers Kronolog (Vario)
Laufräder: Mavic Crossmax Enduro
Laufradgröße: 26 ''
Reifen: Mavic Crossmax Charge 2,4'' / Roam 2,3''

Fazit:

Wäähhm! Mit dem Haibike Xduro Nduro Pro 26 nach Herzenslust bergab (und bergauf) zu donnern, das macht ohne Frage saumäßig Spaß, das E-Bike ist im Hier und Jetzt angekommen. Aber: Es ist ein Bike, das in erfahrene Hände gehört!

Haibike Xduro Nduro Pro 26 (Modelljahr 2014) im Vergleichstest

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Haibike Xduro Nduro Pro 26 (Modelljahr 2014) im Vergleich mit anderen Produkten

26.09.2014
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2014