Mountainbikes im Test

Dauertest: Scott Genius LT 710 (Modelljahr 2014)

Dauertest Scott Genius LT 710
Foto: Dennis Stratmann
MountainBIKE ist das Scott Genius LT 710 (27,5 Zoll, 170 mm Federweg) im Dauertest gefahren. Am Ende standen mehr als 3.000 km und knapp 50.000 hm auf dem Tacho. Die Erkenntnis: das Scott Genius LT 710 zeigte im Dauertest an der Federgabel und am Antrieb frühen Verschleiß.

Was uns gefällt

  • Trotz höheren Gewichts wunderbar vielseitiges 170-mm-Enduro mit Vario-Fahrwerk
  • Abgesehen vom Ausfall der nicht zwingend nötigen Kettenführung keine Praxis-Defekte
  • Laufräder, Innenlager, Steuersatz im guten Abschlusszustand

Was uns nicht gefällt

  • Wippenlager okay, Hauptlager mit rauem Lauf, hintere Gleitlager sehr schwergängig
  • Generell hoher Verschleiß/schlechter Zustand aller Sram-Antriebskomponenten
  • Federgabel mit undichter Luftkammer, Werksservice dringend notwendig

Eigentlich trauert MountainBIKE-Testredakteur Christian Zimek noch der 26"-Ära hinterher. Für 2014 kam dennoch nur ein 27,5-Zöller in Frage. Und zwar ein echtes Dickschiff: Das Scott Genius LT 710 tanzt mit saftigen 170 mm Federweg und abfahrtslastiger Geometrie im Enduro-Segment, verspricht dank Carbon- Rahmen und variablem Fahrwerk aber auch Stehvermögen für lange Touren.

Tatsächlich stehen zig Trail-Runden im Stuttgarter Umland in Zimeks Fahrtenbuch sowie epische Enduro-Touren oder gar 2700-Höhenmeter-Uphills in Finale Ligure (Italien) und Nauders, Österreich. Dabei erwies sich das Scott Genius LT 710 als sorgloser, allürenfreier, erstaunlich handzahmer Begleiter.

 

Dauertest Scott Genius LT 710
Foto: Benjamin Hahn Kraxelhilfe: Um einen extrem leichten Berggang zu erhalten, montierte Zimek einen 42er- „Rettungsring“ von One Up. Die fast 15 Kilo Gewicht des Scott verlangten dieses Tuning.

Zimek: „Trotz der laufruhigen Geometrie und des mächtigen Federwegs fuhr sich das Scott Genius LT 710 stets agil, nie träge.“ Einziger, gewichtiger Hemmschuh: Mit 14,8 Kilo im „Fahrzustand“ ist das Scott Genius LT 710 wahrlich kein Leichtgewicht, speziell die angesichts des Preises maue Ausstattung mit Shimano- SLX-Bremsen und Sram-X7/X9-Antrieb stresst Waage und Waden.

Umso besser, dass sich dank der inzwischen legendären „Twinloc“-Technik Federbein und -gabel vom Lenker aus in drei Modi schalten lassen: offen mit vollem Federweg, „Traction Control“ mit reduziertem Hub, Lockout mit gesperrtem Fahrwerk. Das macht das Scott Genius LT 710 vielseitig und speziell im mittleren Modus zum geschickten Kletterer. „Ich habe den Twinloc-Hebel permanent benutzt, vermisse das System schon jetzt“, so Zimek.

Während der MountainBIKE-Redakteur generell die Widerstandskraft des Scott Genius LT 710 heraushebt („Mein erstes Bike, das einen Dauertest würdevoll überstanden hat“), fanden die Techniker im MountainBIKE-Labor nicht nur lobende Worte. So zeigt der Antrieb inzwischen deutlichen Verschleiß: Sowohl Sram-Umwerfer wie -Schaltwerk weisen Lagerspiel auf, die Kette wäre reif fürs Altmetall, die Kettenblätter der Sram-Kurbel ebenfalls. Der Carbon-Rahmen selber überstand die Prozedur besser, wirkt äußerlich unbeschädigt.

 

Dauertest Scott Genius LT 710
Foto: Benjamin Hahn Beide Hauptlager der Hinterbauwippe weisen starke Verschmutzung auf und laufen recht schwergängig. Ein aufwendiger Austausch ist aber noch nicht zwingend notwendig.

Jedoch dreht speziell das Hauptlager der Hinterradfederung inzwischen rau, auch die verschmutzten Gleitlager in den Sitzstreben laufen extrem schwer – zudem brach bei der Demontage eine der filigranen Befestigungsschrauben. Und während der Fox-Stoßdämpfer perfekt dasteht, müsste die Gabel aus gleichem Haus dringend zum Service: Beim Check entwich Luft aus der Ölkammer, was auf defekte Dichtungen schließen lässt.

Auch in der Praxis konnte die Fox 34 ob ihres störrischen Ansprechverhaltens nicht überzeugen – für 2015 liefert Scott das Genius LT mit der potenteren Fox-36-Forke aus.

Testumfang:

3.125 km

49.391 hm

Reparatur und Tuning

  • 100 km: für mehr Komfort Syncros-Sattel gegen Ergon getauscht, neue Griffe von 66Sick
  • 500km: 42er-Ritzel montiert - "Berg-Tuning"
  • 600 km : Schaltbare Scott-Kettenführung öffnet sich, mit Kabelbinder fixiert, ab 1000km schließlich Totalausfall
  • 1500 km : Kettenriss nach "Chainsuck"
  • 2000 km: Luft in beiden Bremsen

Zum Tester:

Christian Zimek: 39 Jahre, MB-Redakteur Test & Service
Fährt gerne: ausgedehnte All-Mountain- bis Enduro-Touren mit "Shuttle-Verbot"
Lieblingsreviere: Finale Ligure in Italien, Nauders in Österreich, Garmisch-Partenkirchen und das Bergische Land, Deutschland.

Technische Daten des Dauertest: Scott Genius LT 710

Modelljahr: 2014
Preis: 4599 Euro

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Fazit:

MountainBIKE ist das Scott Genius LT 710 (27,5 Zoll, 170 mm Federweg) im Dauertest gefahren. Am Ende standen mehr als 3.000 km und knapp 50.000 hm auf dem Tacho. Die Erkenntnis: das Scott Genius LT 710 zeigte im Dauertest an der Federgabel und am Antrieb frühen Verschleiß.

06.03.2015