Mountainbikes im Test

Dauertest: Rocky Mountain Instinct 970 MSL (Modelljahr 2016)

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Instinct 970 MSL
„Ein lupenreines All-Mountain.“ Unser Tester Gustavo verbrachte mit dem Rocky Mountain Instinct 970 MSL eine tolle Zeit, war über fast 4000 km quasi sorgenfrei unterwegs. Auch der Abschlussbericht unserer Werkstatt liest sich gut. Ausnahme: Kurbel und Laufräder.

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Race-Face-Kurbel mit Zahnausfall am großen Kettenblatt, Innenlager mit sehr rauem Lauf
  • Hinterrad: Shimano-XT-Nabe lockerte sich häufig, Spiel am Freilauf, starker Achter
  • Leichtes horizontales und deutliches vertikales Spiel der Rock-Shox-Vario-Sattelstütze
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„Instinct ist der Hammer!“ Noch nie war unser sonst eher kritischer Grafikleiter Gustavo Enzler so von einem Bike euphorisiert wie von seinem diesjährigen Dauertestbegleiter.

Also gleich in medias res: Das schicke Rocky Mountain Instinct 970 MSL rollt auf 29"-Rädern, federt vorne wie hinten mit 130 mm, wiegt mit fein gemachtem Carbon-Rahmen etwas über 13 Kilo – ein typischer Vertreter der angesagten Touren- und All-Mountain-Fullys mit „Big Wheels“ also.

Spezifiziert ist das Rocky Mountain Instinct 970 MSL mit eher solider Kost: Bremsen, Schaltung und Antrieb (Ausnahme: Race-Face-Turbine-Kurbel) stammen aus Shimanos nahezu unverwüstlicher XT-Gruppe, für die Federung sind Fox-Performance-Parts verantwortlich, garniert wird das Ganze mit Race-Face-Anbauteilen, XT/Stan’s-Laufrädern sowie Maxxis-Schlappen. Alles zigfach bewährt, doch keine Edelware – zumal am doch happigen Preis von 5700 Euro gemessen.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Instinct 970 MSL Macken im Carbon-Rahmen

Unschön, aber nicht bedenklich: Der ein oder andere Sturz hat diverse Macken im Lack des Carbon-Rahmens hinterlassen. Strukturell sind die Kohlefasern aber nicht beschädigt.

Aber: In der Dauertest-Praxis erwies sich die Ausstattung als nahezu wartungs- und sorgenfrei. So musste Gustavo nur zwei Mal die Kette wechseln (einmal nach einem Schaltfehler/Kettenriss) sowie die nach km 2000 abgefahrenen Reifen. Ansonsten kämpfte er noch mit der Shimano-XT-Hinterradnabe, die sich trotz peniblen Konterns der Kugellager öfter lockerte – und inzwischen rau und laut läuft.

Dabei hatte das Rocky Mountain Instinct 970 MSL eine durchaus leidvolle Zeit: Fast 4000 km verbrachte Viel- und Grobfahrer Enzler im Sattel, pendelte oft täglich durch Wald und Flur zur Redaktion oder rockte die legendären Kaiserjäger-Trails in Italien. „Vor allem die kompakte Position des Rocky Mountain Instinct 970 MSL taugt mir extrem. Ich habe mich einfach von der ersten Sekunde an sicher auf dem Rad gefühlt. Und vielseitig ist das Rocky Mountain Instinct 970 MSL auch, umgerüstet auf schnellere Reifen hatte ich auch dank des effizienten Hinterbaus selbst bei zwei Marathon-Teilnahmen Spaß damit.“

Sehr gut: Trotz der üppigen Laufleistung steht recht viel Lob im Prüfbericht unserer Werkstatt-Techniker. „Zwar hat der Rahmen so manchen, strukturell unbedenklichen Einschlag, dafür rotieren alle Lager der Hinterradfederung noch sanft und spielfrei“, so Laborleiter Haider Knall.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Instinct 970 MSL Race-Face-Kurbel

Auch die Race-Face-Kurbel „ziert“ so manche Kampfspur. Das große Blatt ist verschlissen, einige Zähne sind gar abgebrochen. Auch das Race-Face-Innenlager läuft rau und laut.

Apropos: Am Hauptlager des Rocky Mountain Instinct 970 MSL verbaut Rocky ein hochwertiges Rillenkugellager, sonst kommen zumeist verschleißarme Gleitlager zum Einsatz, die in der Praxis jedoch bei starkem Dreckbeschuss für Knarzen sorgten. Die eher preiswerten Fox-Federelemente fahren nach wie vor spiel- und ruckelfrei ein und aus. Allzu lange sollte man ob der langen Laufleistung und der leichten Verschmutzung der Dichtringe aber nicht mehr mit einem Service warten.

Während der Shimano-XT-Antriebsstrang nur normalen Verschleiß aufweist, sieht es bei der Race-Face-Kurbel deutlich schlechter aus: Am großen Kettenblatt sind diverse Zähne abgenutzt („Haifischzähne“), ramponiert oder gar ausgefallen. Auch das Race-Face-Innenlager läuft rau und laut, hat nahezu alles Fett verloren. An den Laufrädern ist der Dauerstress ebenfalls spürbar nicht vorübergegangen.

Zu den bereits erwähnten Problemen mit der Hinterradnabe gesellt sich ein massiver Achter im Hinterrad, zudem ist am Freilauf zu viel Spiel zu kritisieren. Apropos zu viel Spiel: Auch an der (immerhin sauber ausfahrenden) Vario-Stütze Rock Shox Reverb Stealth wackelt der Sattel sowohl seitlich wie vor/zurück. Tadellos hingegen: FSA-Steuersatz und Shimano-XT-Bremsen.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Rocky Mountain Instinct 970 MSL Dauertest Gustavo Enzler

Im Dauertest: Rocky Mountain Instinct 970 MSL

Rocky Mountain Instinct 970 MSL: Getestet von Gustavo Enzler

  • Preis des Bikes: 5700 Euro
  • Testumfang: 3720 km / 45048 Hm
  • Alter/Beruf: 40 Jahre, Teamleiter Grafik MOUNTAINBIKE
  • Größe, Gewicht: 1,84 m, 90 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: Tour und All-Mountain
  • Fahrstil: angepasst, Risiko abwägend, „Airtime überlasse ich lieber anderen ...“
07.01.2017