Mountainbikes im Test

Dauertest: Ghost SL AMR X LC 8 (Modelljahr 2016)

MOUNTAINBIKE Ghost SL AMR X LC 8
Foto: Benjamin Hahn
In der Praxis entpuppte sich das auf Solidität geeichte Ghost SL AMR X LC 8 als allürenfreies, entspanntes, sicheres und sorgloses Touren/AM-Fully. Im abschließenden Laborcheck kam jedoch teils zu hoher Verschleiß ans Licht.

Was uns gefällt

  • Mit ausgewogenem, stets vorhersehbarem, sicherem Handling gesegnetes All-Mountain, das auch Einsteiger fördert statt überfordert
  • Sehr solide Ausstattung mit kompletter Shimano-XT-Gruppe. In der Praxis tadellos
  • Leichter, dennoch solider Rahmen
  • Sehr komfortable Hinterradfederung. Federelemente ohne Probleme in der Praxis, ...

Was uns nicht gefällt

  • ... aber jeweils mit verdreckten Dichtungen, speziell am Federbein ist ein Service zwingend
  • Steuersatz fettfrei montiert, teils verrostet
  • Diverse Hinterbaulager zum Ende hin mit rauem oder spürbar hakeligem Lauf
  • Angesichts der Laufleistung recht hoher Verschleiß der Shimano-Antriebskomponenten

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Gibt es ein schöneres Lob für ein Mountainbike als das von Alex Krapp, Redakteur bei unserer Schwesterzeitschrift outdoor? „Das Ghost SL AMR X LC 8 hat mich als nicht so versierter Biker motiviert, immer wieder vom Schotterweg ins Gelände abzubiegen und an meiner Fahrtechnik zu arbeiten.“ Dabei war das Ghost SL AMR X LC 8 nicht Alex’ erstes MTB, auch nicht sein erstes Fully. Aber seine Premiere auf einem Bike mit recht üppigen Federwegen von 150 mm.

Generell gibt sich das 3799 Euro teure Ghost SL AMR X LC 8 abgesehen von der coolen Stealth-Fighter-Optik seiner Rahmenrohre nicht gerade aufregend: Ein eher biederes Gewicht von 13,0 Kilo trotz recht leichten Carbon-Alu-Rahmens (2770 g mit Federbein) und eine moderne, aber gemäßigte Geometrie mit 67°-Lenkwinkel, längerem Reach (439 mm, Größe M) sowie kurzem Heck prägen das Ghost SL AMR X LC 8.

Dazu gibt’s Schaltung, Antrieb, Bremsen und Naben aus Shimanos erzstabiler XT-Gruppe, Fox-Federelemente, Schwalbe-Reifen und Eigen-Parts. Unterm Strich ein auf Solidität geeichtes Bike, das eine große Zielgruppe anspricht.

 

MOUNTAINBIKE Ghost SL AMR X LC 8 Acros-Steuersatz
Foto: Benjamin Hahn Anscheinend trocken, also ungefettet wurde der Acros-Steuersatz verbaut. Die Folge: Das untere Industrielager ist stark verrostet, läuft zudem nur noch sehr rau.

Und ein Bike, das mit seinem im positiven Sinne genügsamen, berechenbaren Handling unseren Tester Alex voll zufriedenstellte: „Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt, mit der Bandbreite der 2 x 11-Schaltung bin ich gut klargekommen, die komfortable Federung hat mir wunderbar gefallen.“

Die im wahrsten Wortsinne Belastungsprobe musste das Ghost SL AMR X LC 8 kurz vor Ende des Dauertests bei einem Schwarzwald-Cross bestehen, den Wildnis-Fan Alex zum Bikepacking-Trip umwandelte. Bepackt mit Zelt und Klamotten, zockelten fast 20 Kilo Fahrrad über 280 km und 8000 Hm. Eine Strapaze, die das Ghost SL AMR X LC 8 ebenso klaglos wegsteckte wie den Rest des Dauertests.

Außer einer zum Schluss nicht voll ausfahrenden Vario-Sattelstütze (Kind Shock LEV Integra) hatte Alex in seinem Prüfbericht nichts zu beanstanden, der Tausch von Parts beschränkte sich auf neue Bremsbeläge sowie die Reifen (Schwalbe Fat Albert statt Nobby Nic).

 

MOUNTAINBIKE Ghost SL AMR X LC 8 Fox Float-X-Federbein
Foto: Benjamin Hahn Im Detail: Das Float-X-Federbein von Fox verliert Öl – gut zu sehen am versifften Standrohr. Auch unser fachmännischer Blick ins Innere bewies, dass es zum Service müsste.

Bleibt der den Dauertest beschließende Werkstattbesuch bei unserem Chef-Schrauber Haider Knall. Hier offenbarten sich diverse tiefe Einkerbungen am Alu-Heck sowie heftige Kratzer am Carbon-Unterrohr – Alex hat es wohl doch auch kesseln lassen ... Am Antrieb wäre die ein oder andere Kur nötig: Kette, Kassette und Kettenblätter zeigen deutlichen Verschleiß, müssten getauscht werden.

Die stark verkratzten Kurbelarme sind eher ein optisches Problem, dafür müssten beide Laufräder in die Fachwerkstatt: Das vordere eiert stark, am hinteren läuft die Nabe zäh. Überhaupt zeigen sich leider fast alle Drehpunkte angegriffen. So wurde der Acros-Steuersatz anscheinend fettfrei montiert, das untere Lager ist inzwischen verrostet. Die Hinterbaulager zwischen Wippe und Sitzstreben hakeln deutlich, ebenso das linksseitige Horst-Link-Lager, die Hauptlager laufen beidseitig rau.

Auch die eher preiswerten, im Vergleich zu den Top-Modellen schlechter gedichteten Fox-Performance-Federelemente stehen weniger gut da: Bei Talas-Gabel sowie Float-X-Stoßdämpfer sind die Dichtungen verschmutzt, Letzterer ölt zudem stark, ein Werksservice ist jeweils zwingend.

Ein wenig Lob bleibt aber: Das Shimano-Innenlager dreht trotz hoher Verschmutzung noch sanft, die XT-Bremsen sehen bis auf die etwas „angerauchten“ Scheiben aus wie neu, besitzen einen glasharten Druckpunkt.

 

MOUNTAINBIKE Ghost SL AMR X LC 8 Dauertest Alex Krapp
Foto: Benjamin Hahn Im Dauertest: Ghost SL AMR X LC 8

Ghost SL AMR X LC 8: Getestet von Alex Krapp

  • Preis des Bikes: 3799 Euro
  • Testumfang: 2765 km / 38342 Hm
  • Alter/Beruf: 42 Jahre, Redakteur outdoor
  • Größe, Gewicht: 1,80 m, 90 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: All-Mountain
  • Fahrstil: ausdauerorientiert

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07.01.2017