Mountainbike-Videos: die perfekte Ausrüstung – plus Tipps zum Filmen und Schneiden

MTB-Videos perfekt drehen und schneiden

Die Fotos der letzten Alpenüberquerung sind ja ganz nett. Aber nächstes Jahr sollen Ihre Bilder laufen lernen! Hier einige Tipps für angehende Action-Filmer.

 

MountainBIKE Bike-Videos
Foto: Benjamin Hahn Je schneller der Sport, desto schneller die Speicherkarte! Ihre digitale Kamera ist immer nur so gut wie Ihre Speicherkarte. Beim Videodreh sind die schnellsten Karten gerade gut genug – wie zum Beispiel die „Extreme Pro“ von SanDisk.

Hand aufs Herz: Gucken Sie nicht auch gerne auf Youtube Mountainbike-Filmchen? Und träumen Sie nicht auch immer öfter davon, Ihre Feierabendrunde mit den Kumpels oder die Alpenüberquerung zu filmen, an dunklen Winterabenden zu schneiden und zum Saisonstart in kleinem Kreis zu zeigen? Dann also los!

Die Ausrüstung

Mit dem Begriff „revolutionär“ sollte man vorsichtig umgehen. Schließlich ist heutzutage laut Werbung alles revolutionär. Beim Thema Filmen befinden wir uns aber tatsächlich in revolutionären Zeiten. Die Kamera: Die neue Generation digitaler Spiegelreflexkameras (D-SLR) mit Vollformat-Sensoren löst nämlich gerade herkömmliche Filmkameras (die so teuer wie eine Luxuslimousine sein können) ab. Aber nicht nur für TV-Produktionen, sondern auch für das private Bike-Video liefern D-SLRs phänomenale Qualität zum Knallerpreis. Noch ’ne Revolution: die kleinen und leichten „spiegellosen Systemkameras“ machen den D-SLRs immer mehr Konkurrenz. Noch günstiger – und Jederzeit-dabei-Spaßgeräte – sind Helmkameras à la „GoPro“. Die können D-SLRs nicht ersetzen, aber ergänzen, weil sie, an allen möglichen und unmöglichen Stellen montiert, spannende Perspektiven liefern.

Das Zubehör: Wer einfach nur die Hausrunde mit den Kumpels in bewegten Bildern dokumentieren will, braucht prinzipiell nur eine filmfähige Digicam, schnelle und große Speicherkarten und genug Akkus. Wer halbwegs ernsthaft filmen will, braucht zumindest ein stabiles Stativ, einen Videoneiger (siehe unten) und ein externes Mikrofon. Professionelles Filmen (siehe Aufmacherbild) erfordert aber vollen Einsatz in puncto Ausrüstung, Zeitbedarf, Finanzmittel und Erfahrung.

 

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Foto: Benjamin Hahn Mit dem flüssigkeitsgedämpften und in der Friktion einstellbaren Videoneiger "701HDV" von Manfrotto gehören verwackelte Bewegtbilder der Vergangenheit an. Er sorgt in Verbindung mit einem stabilen Stativ dafür, dass D-SLRs bis vier Kilogramm Gewicht auch im Gelände die Ruhe bewahren.

Das Filmen

Akkus geladen? Speicherkarten geleert? Objektive sauber? Dann kann’s losgehen mit dem ersten Dreh! Aber wohin mit der wertvollen Kamera? Am besten in einen speziellen Fotorucksack, z. B. von Lowepro oder Tamrac. Clever: Von Evoc gibt es einen Foto-Einsatz, der in alle Freeride-Rucksäcke ab 20 Liter Volumen passt. Wer seit „Blair Witch Project“ verwackelte Bewegtbilder hasst – und beim Mountainbike-Dreh viel mit langen Brennweiten filmt sowie Schwenks und Zoomfahrten liebt –, benötigt ein sehr stabiles Stativ und einen Videoneiger mit einstellbarer Friktion. Filmen vom Stativ ist jedoch mit viel Schlepperei verbunden – und extrem zeitintensiv. Da kann eine Mountainbiketour gut und gerne doppelt so lange dauern wie sonst. Wer folglich lieber auf das Stativ verzichtet, sollte trotzdem darauf achten, die Kamera möglichst ruhig zu halten. Das Bewegtbild sollte nicht wackeln, darf aber gerne „atmen“. Achten Sie einmal im Kino darauf! Auch hier sieht man häufig Einstellungen, die nicht statisch sind, sodern atmen, bei der sich die Kamera also minimal bewegt. Ein oftmals unterschätztes Problem beim Filmen ist der Ton. In Kameras integrierte Mikrofone taugen nicht viel. Jeder halbwegs ernsthafte Filmer sollte sich ein externes Mi­kro für den Blitzschuh gönnen. Gerade die Aufnahmen subtiler Töne am Rande (Vogelgezwitscher, vom Bike aufgewirbelte Steinchen, Bachgurgeln) machen aus einem 08/15-Streifen etwas Besonderes. Töne bearbeiten das Unterbewusstsein.

 

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Foto: Janik Mayerhoffer Werden Sie Schneidermeister! Das auf Apple-Rechnern vorinstallierte „iVideo“-Schnittprogramm ist ideal für die ersten Schritte in Richtung Action-Cutter. Man importiert die Daten von der Speicherkarte in das Ereignisfenster rechts unten, wählt dann Lieblingsausschnitte aus und zieht sie ins Projekt-Fenster links oben. Hier kann man dann Intro, Outro und Übergänge kreieren, Musik und Text einfügen und, und, und ... Rechts oben: das Vorschaufenster.

Das Schneiden

Der Drehtag ist erfolgreich zu Ende gegangen! Ihre Ausbeute: Drei randvolle 16-GB-Speicherkarten. Und was jetzt? Nun wird geschnitten! Schließlich sollen die Tonnen an Rohdaten als nettes Filmchen zum Höhepunkt des nächsten Bikerstammtischs werden. Also ran an den Rechner! Aber welche Schnittprogramme taugen? Mit „iVideo“, das auf Apple-Rechnern vorinstalliert ist, können Home­video-Regisseure bereits ordentlich und vor allem intuitiv HD-Videos importieren, schneiden und optimieren, Effekte hinzufügen und auf DVD oder Youtube exportieren. Apples Schnittsoftware „Final Cut Pro“ kostet um die 270 Euro und wird von vielen Profi-Cuttern verwendet. PC- (und Mac-)User bekommen für etwa 100 Euro mit „Premiere Elements“ von Adobe ein günstiges und gutes Schnittprogramm, das viele Features seines professionellen Bruders „Premiere Pro“ (um die 1000 Euro) geerbt hat. Tipp: Holen Sie sich von einem der Programme eine 30-Tage-Testversion – dann haben Sie den Dezember über etwas zu tun!

Drei Fragen an ... Klaus Miebach, Profi-Kameramann

Was ist das Wichtigste, damit sich mein Film von all dem Youtube-Müll unterscheidet?

„Die meisten Biker lassen stumpf die Helmkamera mitlaufen und wundern sich, dass sich aus der riesigen Datenflut kein nettes Filmchen schneiden lässt. Ein richtig guter Film dagegen hat immer ein Konzept. Man sollte also nicht einfach drauflosfilmen, sondern sich davor Gedanken machen, was man wie erzählen will. Am besten, Sie schreiben sich dafür ein richtiges kleines Drehbuch.“

Ein Drehbuch für die Karwendelrunde mit ­meinen Kumpels? Ist das nicht übertrieben?

„Wenn Sie plan- und hirnlos filmen, dann schnarcht der erste Kumpel am Videoabend nach drei Minuten. Erzählen Sie dagegen eine Story, nehmen Sie Ihre Zuschauer mit auf eine „Heldenreise“ – und Ihr Film wird spannend. Alter Trick: Der Protagonist gerät in Schwierigkeiten (z. B. gefährliche Stelle, Hungerast, Sturz, aufziehendes Gewitter) und befreit sich heldenhaft daraus. Man beginnt mit Dramatik, baut Rückblenden und Atmosphärisches ein und verabschiedet sich mit einem Happy End.“

Was muss man sonst noch beachten, damit der Mountainbike-Kurzfilm sehenswert wird?

„Die Anschlüsse müssen passen! Wenn der Biker in einer Szene ein rotes Trikot und in der nächsten eine blaue Regenjacke trägt, verwirrt das. Mischen Sie unterschiedliche Einstellungen und Einstellungsgrößen: Nach der Nahaufnahme die Totale, nach der wilden GoPro-Einstellung ein Standbild usw. Vorsicht vor Effekthascherei! Ein Film wird durch Reißschwenks oder Zoomfahrten nicht besser, sie unterstützen nur die Aussage. Oft unterschätzt, aber wichtig: der Ton. Guter Ton fällt nicht auf, schlechter aber umso mehr. Thema Musik: Überlegen Sie gut, ob Sie Ihren Film mit der neuen Madonna-Musik im Hintergrund ins Netz stellen ...“

14.05.2013
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2013